Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1847)
- Date
- 1847-10-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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326 Lracht. — Daß die Verwaltung auf solche Schreier nicht achtet Md trotz., derselbe^- Vernunft - und zeitgAnäße Reformen statt finden Wrdcn, ^atf ich Ihnen versichern. Da wuudertAnan sich, wenn Gemeinden, die in den heiligen Buchstaben «lt und grau geworden sind, sich auch kein Jota wollen nehmen lassen! Die portugiesische Gemeinde Ln Altona geht damit um, einen tüchtigen, deutschen Prediger an ihrer Synagoge anzustellen. Es wäre schon deshalb wünschenswert, und würde heilsam wirken, um gegen die von dem Rabbiner Ettlinge'h.. und dem Oberlehrer En och ausgehende krasse Hpperorthdorie irgend^ Gegengewicht zu haben, und der vernünftigere Theil der dortigen Israeliten sollte das Vorhaben aus allen Kräften unterstützen. — Jam satis est. Nächstens mehr von Ihrem A. Religiöse ^cgK$ntte. (Schluß^ Diese mitgetheilten Gemcinde-Beamten-Zustände beeinträchtigen durchaus nicht den Eingangs erwMrten bessern Zustand unsrer Judcnheit. Er ist eine naturA^W^Erscheinung, eine natürliche Folge vorangegangener UrsM^^tznd hat durchaus nichts Uebcrraschendes. Als schlagenden Beweis, daß die Juden wohl das, was ihnen nöthig ist, ahnen und fühlen, thcile ich Ihnen mit, daß fast in allen Gemeinden Oberschlesiens, Waisen und Handwerker- UnterstützungEereine, die alle ein Ziel erstreben, der ärmern Jugend eine andyc^Richtung in der Wahl ihrer Berufe zu geben, sie dem seinen für die Juden so gefährlichen Auswüchsen zu cntziehn, und sie allgemein nützlichen Gewerben zu widmen. Zu bedauern ist, daß diese Vereine, durch eben ihre Jsolirung kraftlos dastehen, und den Saamcn des Guten nur in geringer Quantität auszustreuen vermögen, darum müssen sie auch mit höchst spärlichen Erfolgen sich begnügen» Diese Kraftzcrsplitterung und Erfolglosigkeit ist um so unverantwortlicher, als der durch unfern unermüdlichen Dr. Geiger, gegründete Handwerker - Verein, für die gesammte Provinz, und die vom Comite desselben schon vor Jahren zum Anschluß an alle Gemeinden ergangenen Aufforderungen zu den großartigsten Erwartungen berechtigen, und nur durch krähwinkler und heuchlerische Bedachtsamkeit, nicht erfolgen. Große Zwecke können, sollen sie behende erreicht werden, was nöthig ist — auch nur durch große Mittel bewirkt werden, die wohl einer Gcsammtheit, nicht aber winzigen schlesischen Gemeinden zu Gebote stehen. Fänden jene Aufforderungen allgemeinen Anklang, und die wohlverdiente Würdigung, ohne Zweifel würde dann der Centrat-Verein. auch für die jüdische Dorftugend nicht unbedeutend gcsoM^Md sie dem Bibelberufe, dem Ackerbau zugeführt haben. AußsWr^g. Oppeln und Leobschütz hat keine Gemeinde der Achft>rd,erung genügt; Oppeln sogar wie aus dem Jahresbericht ersichtlich, sich losgesagt. Hoffen wir, daß der jetzige Rabbiner Ui*. Cohn, den Gemeinsinn dieser wohlhabenden Gemeinde anrcgen, und sie zum Wirken für die Gesammtheit vermögen wird. Berichtigung. (Ob er st ein, im Fürstenthume Birkcnfeld im Sept.) — In Ro. 35 dieser Blätter befindet sich ein Artikel aus unserem Fürstenthuine mit der Ueberschrift, „Einhorn," der sich über den Charakter und die geistige Begabtheit dieses Mannes ausspricht. Dabei wird auch Wechslers, unseres vormaligen Landrabbiners gedacht. Was nun der Berichterstatter über beide Männer sagt, dem soll nicht nur nicht widersprochen, sondern es muß dasselbe in allen seinen Theilen auf das vollständigste bestätigt werden. Nur wäre es wünschenswerth gewesen, da der Verfasser doch den Na. men Wechsler herbeibringt, daß er mehr noch von dessen Wirksamkeit in hiesigem Lande, von den Kämpfen, die derselbe bei den ersten Anfängen der Reform zu bestehen hatte, von der Anhäng, lichkcit, die ihm jetzt noch hier allseits zu Theile wird :e. gesprochen hätte. Indessen das ist es nicht, was berichtigt werden soll, sondern eine Behauptung in dem gedachten Artikel: „daß selbst die Thcilnahme eines Rabbiners am christlichen Tische hier nicht auffallend werden dürste." Wir möchten es aber keinem Rabbi, ner anrathen, jetzt schon an christlicher Tafel zu essen, sind viel, mehr überzeugt, daß er dadurch noch bei Vielen sein Zutrauen schwächen würde, ja, wenn die Rabbinerversammlung sich einmal darüber ausgesprochen haben wird, dann kann der Rabbiner füg. lich deren Beschlüssen gemäß handeln, ohne daß es großes Auf. sehen erregen würde. Letztere, die Beschlüsse der Rabbincrversammlung nämlich, werden bei uns durchweg als Norm gebend brtrachtet. So läßt man beispielsweise in dringenden Fällen am Sabbath von Christen, namentlich znr Erntezeit, arbeiten; so ist die Feier des 2. Festtags aufgehoben, so wird demnächst ver 3jäh. rige Cyclus hier eingeführt; so harret man mit Sehnsucht dem neuen Gebetbuche entgegen re. Aber, daß ich cs wiederhole, die Theilnahme des Rabb. an christlicher Tafel würde man zur Zeit noch dahier — nicht gut aufnehmen. DirS zur Steuer der Wahrheit. —