Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1847)
- Date
- 1847-10-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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32S also der jetzige Zustand der Confuston nicht vorzüglicher sei, da. rüber werde ich mich nächstens in diesen Blättern des Brettern aussprechen. Bis dahin Gott befohlen! — Cultus - Reformen. Stavenhagen (Mcklenburg-Echwerin im August*). Es ist ein rechtes Unglück, wenn man einer kleinen Gemeinde angehört. Da hat man so selten die Ehre, in den jüdischen Journalen erwähnt zu werden. Und doch ist das nicht recht! Doch ist das Gute, was in kleinen Gemeinden geschieht, schon deßhalb einer öffentlichen Erwähnung Werth, damit man sehe, was auch geringe Kräfte bei Eifer und Gestnnungstüchtigkeit thun können, und sich bemühen, ihrem Beispiele zu folgen. In dieser Beziehung nenne ich Ihnen denn unsere Gemeinde und hoffe, daß Sie der nachfolgenden Skizze um so weniger ein Plätzchen in Ihrem Israeliten versagen werden, als ihr Correspondent von der Müritz (Nro. 28) uns gar nicht die Ehre der Erwähnung anthut, obgleich bei uns so viel und noch mehr geschehen ist, als in den von ihm gedachten Gemeinden. So hören Sie denn: Schon im Decembcr 1845 schrieb unser Religionölehrer. Neustadt an Herrn Dr. Werthheim, daß jede gottesdienstliche Reform von dem jüngeren Theile der Gemeinde mit Freuden begrüßt und von dem älteren tolcrirt werde; namentlich sehe man den Abkürzungen der Thora-Vorlesungen, dem Auslassen derjenigen Gebete, die sich auf die Rückreise nach Jerusalem und die Wiederherstellung des Opferdienstes beziehen, sowie der bestimmten Anordnung der Gebete, welche deutsch vorgetragen werden sollen, mit Freuden entgegen. Holdheim antwortete, daß er schon in der Rabbiner-Versammlung für diese Reformen gestimmt und daß ihrer Einführung nichts entgegen stehe, wenn '/. der Gemeinde (die bei uns vorgeschriebene Majorität) dafür stimmen. Ja, daß er sich nur freuen würde, wenn unsere Gemeinde den übrigen mit einem lobenswerthen Beispiele vorangehe. ES fand hierauf eine Gemeinde - Versammlung statt, in welcher man jene Reformen einzuführen und eine deßfallsige Anzeige an den Oberrath zu richten beschloß. Dieser genehmigte den Beschluß und man kam nun noch überein mit dem dreijährigen Cpklus auch die Zahl der Aufgerufenen auf drei zu beschränken. Doch auch dabei blieb man nicht stehen. (Schluß folgt.) *) Der geehrte Herr Correspondent wolle die kürzere Form, welche wir seinen Mittheilungen geben, mit dem beschränkten Raum eines Journals entschuldigen. Die Redaktion. Hoffnungen in Bayern. (AuS Bayern.) — Wenn noch ein Zweifel über den Willen unsrer jetzigen Staatsregierung, auch bezüglich der Juden unv ihrer politischen und kirchlichen Verhältnisse die Bahn des Fort, schritts zu gehen, blieb, der wird ihn gern durch folgende Nach, richten widerlegt finden. Glaubwürdigen Gerüchten nach soll unser Justizminister da. mit umgehen, die Zulassung jüdischer Rechtskanvivaten zur Advokatur zu erleichtern. Bekanntlich legt hier das Gesetz kein Hinderniß in den Weg und haben wir in der Person des Hern Dr. Grünsfelver in Fürth einen Advokaten; allein, die Ernennung hing und hängt von einem sichern Willen ab und die soll fürvcr leichter zu erlangen sein. Die meisten Chancen soll hiezu Herr vr. Feucht in Fürth haben. Eine andere dem Prinzipe nach gleichwichtige Nachricht, weil sie zeigt, wie man fortan jüdische Zustände nicht mehr ignorirt,' ist die, daß die Physikate durch lithographirtes Ausschreiben zur gutachtlichen Berichterstattung über die nsPSQ aufgefordert sind. Sie setzen sich deßhalb mit den Molim in Rapport und diese, in der Regel unwissende Zeloten, schreien Zeter über versuchte Eingriffe in ihre Religion. Ein junger Rabbiner, dem man Einfluß zutraut, ist bereits aber natürlich vergeblich aufgefordert worden, diese ITVU im Entstehen ^>V2!2 zu sein. Zu diesem geselle sich noch das Komische. Man weiß, daß den bayerischen Juden der Handel mit Grund und Boden verboten ist, und doch durfte neuester Zeit ein junger Wissenschaftlich gebildeter Rabbiner, Schwarz in Hürden, durch öffentlichen Anschlag an der Spnagogenthür zum Verkauf ausbielen! Schreiten wir nicht fort? — Literarische Anzeige. In der Äummerschen Buchhandlung in Zerbst ist erschienen: Itrieal Akostas Leben u. Lehre. Ein Beitrag zur Kenntniß seiner Moral wie zur Berichtigung der Gutzkow'schen Fictienen über Akosta, und zur Charakteristik der damaligen Juden, von vr. Herrmann Selinek. Preis '/. Rthlr. Verlag der I. C. Hermann'schen Bucpi-anotnng iu Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.