Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1847)
- Date
- 1847-10-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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222 nur wenige wissenschaftlich gebildete Rabbiner mitwirk- > tcn und somit auch die Vertreter der Reform in der! Minorität waren, anders ist es jetzt, wo von den 13! Rabbinaten des Landes nur noch vier mit Rabbincn ans der alten polnischen Schule besetzt sind; damals! wurde sie mir von einigen intelligenter» Städtern gewünscht, vom Lande aber gegen sie angckämpfl, jetzt wird die Revision der Synagogenordnung im Sinne dcS Fortschritts säst vom ganzen Lande verlangt. Unter solchen Umständen konnte es nicht anders kommen, daß einige Rabbiner auf das Andringen ibrer Gemeinden auf eigne Faust bin Reformen im Widerspruch mit der bestehenden Synagogenordnung machten. Da Veränderungen in der Synagoge aber nur mit Genehmigung der Oberkirchenbebörde durchgesübrt werden können, so waren die Mitglieder derselben gctbeiltcr Meinung. Tie Einen wollten die Gemeinden in der Ausbildung und Verbesserung ibrcs gottesdienstlichen Kultus ' nicht bindern und eine verständige Reform gestatten, wahrend die Andern nur der Oberkirchcnbehörde das Recht vindicirtcn, die bestebendc Synagogenordnung abzuändern. Die Erstcren drangen durch. Betrachten wir die Sache vom Standpunkte des Rechts, so kann keiner Gemeinde gemuthet werden, die in der Intelligenz vorangeschritten ist, auf säumige Nachzügler zu warten und Verbesserungen noch ausgcsetzt zu lassen; von anderer Seite aber, wäre Gleichmäßigkeit in allen Synagogen des Landes zu wünschen und könnte auch eine Gemeinde auf den Gedanken kommen, zu reorganistren. Um solcher: Ungleichbeiten vorznbcugen und dem Bedürfnisse nach einer Reform des gottesdienstlichen Kultus nachzukommen, haben sich die Rabbiner Würtembergs vereinigt, eine Rabbinervcrsammlung würtemb. Rabbiner zu veranstalten. Kirchenratb Rabbiner Dr. Maier bat ein Circular an alle Rabbincn des Landes ergeben lassen, in dem sich die meisten zum Beitritt erklärt baden. Ter Ort der Versammlung ist noch nicht bestimmt, wird aber jedenfalls eine Stadt in der Mitte des Landes dazu gewäblt werden. Die Synode wird '•nt Laufe des nächsten Monats ^ich constituiren. Versuchen wir cs, die Wünsche des Landes an eine sich bildende Synode darzulegen. Der Berns dieser Synode wird sich auf Kirche und Schule ausdehncn und wird die Verbesserung und Veredlung des Gottesdienstes und den allci'nrichtigen Religionsunterricht in Schule und Haus erzielen. Der Conflikt zwischen Lehre und Leben, der fick allentbalben kund giebt, kann nicht auf rationellem Wege ausgeglichen werden und darf darum auch nicht der Zankapfel einer sich bildenden Synode sein. Tic Conflikre zwischen Lehre und Leben gleicht das Leben eben selbst schon aus; das ist die Macht des Zeitgeistes, daß er sich alles unterthänig macht. Und wäre eine Theorie die allein wahre, und eine Wissenschaft die allein ächte und der Geist der Zeit hätte sie nicht adoptirt, sie könnten kein Leben gewinnen. Die Lehren des großen Kepplers waren von vielen Gelehrten erkannt, aber sie wagten es nicht sich dazu zu bekennen, erst als sie sich mit dem Geiste der Zeit amalgamirt hatten, wurden sie Gemeingut aller. —- Wir sind darum der Meinung, unsere Synode sollte sich mit Thesen, die auf Synagoge und Schule nicht unmittelbaren Einfluß haben, nicht einlassen, weil man dadurch bei dem Volke leicht das Zurranen sich verscherzen könnte. In Beziehung auf die Synagoge wäre zu wünschen, daß die deutsche Sprache im Gebete vorherrschender werde. Die Synagogenordnung hat in dieser Richtung mehr geschadet als genützt. Der Choral, der unserem Gottesdienste einvcrlcibt werden sollte, hat sich als dem jüdischen Gottesdienst ganz fremd nicht cinbürgern können. Der lutherische Choralgesang mir seinen Fugen ist monoton und nicht poetisch, das Individuum, geht ganz verloren, denn im Choralgesang stellt sich der Begriff der christlichen Kirche, die Gemeinschaft dar. Die Synagoge aber hat von jeher den Scheliach- Zipur - Vorbetcr als den Bevollmächtigten der Gemeinde vor den Bctpult gestellt; die Gemeinde nimmt zwar auch lebendigen Antbeil am Gottesdienst, doch ist der Vorbeter die Hauptperson. Es waren darum die Responsorien, in denen Vorbetcr und Gemeinde thätig sind, die allein angemessene Vortragsweise der Gebete in der Synagoge. Es wäre also darauf hinzuwirken, daß solche deutsche Responsorien cingeführt würden. Der Choral könnte nur bei verschiedenen Veranlassungen wie z. B. Confirmationen, Trauungen u. s. w. angewendet werden. — Hebräische Gebete sollten nur diejenigen, die unter ran rbsn bekannt sind belassen bleiben. Bei den Fcstgebeten sollte auch am Rcujahrftic und Versöhnungstage eine Aenderung getroffen und alle Cabbalisten- Spielereien, Hyperbola, Ergüsse der mittelalterli-