Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1847)
- Date
- 1847-10-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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SIS Vir sage», daß für Seine Gemeinden eine derartige Bear, beituvg, welche natürlich die Brannschweiger Gesänge überflügelt, eine -ochst willkommene ist. Weil wir oft Gelegenheit hatten, zu sehen und zu hören, wie Kantoren denen die Fähigkeit, die Schire Zyre nach den Gcsangkräften ihrer Gemeinden zu movuliren abgeht, sich und ihr Chor mit diesen meisterhaften Compofitio. »eu abhärmen, und nichts Gedeihliches, den Mühen entsprechendes zu Tage fördern. Jene Gesänge sind vom genialen Sulzer unter Mitwirkung der berühmten Wiener Componisten bearbeitet und für Wiener Gesangkräfte berechnet. Wenn wir eine Pie?e aus denselben von einem oberschlefischen Lehrer vortragen hören, so bedauern wir inniglich den Componisten. Es hört sich an. wie ei» weites stattliches Gewand auf einer kleinen beschränkten Persönlichkeit sich ansieht. Ueberhaupt ist Herr W. bemüht, den Sinn fax Harmonie, der in den meisten Gemeinden schlummert, oder besser gar nicht eristirt zu wecken und zu schaffen. Wo derselbe war und ist, bildet er mit Aufopferung von Zeit und Kraft Ge. fangvereine und schafft auch nach dieser Richtung viel des Guten und Schönen. Leobschütz ist überhaupt die einzige Gemeinde Oberschlefiens, wo der Fortschrit und die Reform in der Person des eben so gebildeten und talmudisch gelehrten Vorstehers Herrn Holländer einen höchst eifrigen Beförderer hat, und gewiß kann diese kleine Gemeinde größer» zum Muster dienen. Daselbst ist auch das Kleinsche Gesangbuch eingeführr, und gewährt ein Maskir Nschamoth in der dortigen Synagoge einen wahrhaft erquickenden Seelengenuß. Am besten find die Gemeinden mit den Lehrern daran. Sie gehören nicht zu den Gemeindebeamteu und werden darum nicht gewählt. Sie suchen ihr Fortkommen wie sie können, und finden es auch. Was aus diese Weise das neue Gesetz aus ihnen gestalten wird, müssen wir der Zukunft anheimstellen. Gewiß ist's, vaß sie von der Behörde nur als Rcligionslehrcr, als solche aber wiederum von den Gemeinden nicht anerkannt werden. Diese verstehen und nicht mit Unrecht, unter Religionslchrer Prediger, Rabbiner, und so wird unbedingt seine Stellung eine prekäre, schwebende sein. Indessen wollen wir den ohnehin bedrückten kein unerfreuliches Prognostiken stellen, und wollen von der Zukunft und der Behörde das Beste, die durch das neue Gesetz, wenigstens jüdische Religionslehrer erheischt, erharren. Erfreulich und beherzigenswertist der Bericht der schlesischen Zeitung No. 165: daß die Verweser des in der Auflösung begriffenen Cultus-Vereins zu Berlin, aus dessen Trümmern den jüdischen Lehrern, denen das Leben so wenig geboten, wenigstens ein jenseitiges Walhalla, durch Begründung einer jüdischen Wittwenkasse, zu schaffen. Gewiß würden die Lehrer sich zu verhältnißmäßigen Beiträgen verstehen und auf diese Weise wenigstens einigermassen der Zukunft getrost entgegen gehen. Daß die Schule io Herrn vr. Löwy, erstem Rcligionslehrcr an der Geiger'scheu Schule, einen eben so praktischen als tüchtigen Beförderer ihrer Interessen gefunden, wissen die Leser des Israel, aus der Besprechung seines ebräischen Lesebuches. Außer dem, was Moses und die Propheten (gewiß nicht für die Jugend) geschrieben, hat diese Schule sehr wenig oder gar nichts, was sie den Kleinen ^r6 bieten kann, und ist diese und alle an und in ihr Bethciligten dem Herrn vr. Löwy, oder unscrm Geiger, dem Anreger alles Guten in unserer Provinz gewiß sehr verbunden. Im Lesebuche bietet Herr Löwy außer der umsichtigen Auswahl der Lesestücke, die den tüchtigen Pädagogen erkennen läßt, in den gegebenen Anmerkungen viel des Guten und Nützlichen, für Lehrende und Lernende. Besonders ist der Anhang zur Erlernung der rabbinischen Schrift und Sprache mit den Erläuterungen zu den rabbinischen Scholien, wo Herr Löwy uns Einblicke in seinen rabbinischen Literaturschatz gewährt, sehr praktisch und nützlich. Ein zweites Schulbuch, eine praktische, ebräische Schulgrammatik, bearbeitet von einem Schulmanne der Provinz, wird in den nächsten Tagen die Presse verlassen. [ Da die praktischen Winke desselben genützt, und die Verlagsbuchhandlung I. E. C. Lcukart an der freundlichen Ausstattung nichts mangeln läßt, so laßt sich erwarten, daß dieses Schulbuch dem Bedürfnisse und dem Standpunkte gegenwärtiger Sprachbehandlung entsprechen wird. (Schluß folgt.) Jüdisch - bürgerliche Zustände in Bayern. (Aus Bayern. — Im August.) In meinem Berichte vom vorigen Monate habe ich Ihnen Einiges über den gegenwärtigen Stand unserer religiös-kirchlichen Verhältnisse, so wie über unsere Wünsche und Aussichten, welche sich in ihrem Betreffe an den erfreulichen Umschwung in unsrer Staatsverwaltung knüpfen, mitgetheilt. Gestatten Sie mir nun auch, daß ich von gleichem Gesichtspunkte unsere politisch-bürgerlichen Verhältnisse in Ihrem geschätzten Blatte beleuchte. Daß diese bei der großen Masse ein noch höheres Interesse in Anspruch nehmen, als jene, liegt in der Natur der Sache selbst. Man hört deßhalb im Allgemeinen viel häufiger Wünsche und Hoffnungen von unfern Glaubensgenossen nach dieser Richtung hin äußern, als nach jener.