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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-10-03 · Heft 40 (3.10.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 40 (3.10.1847)
Date
1847-10-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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317 wirklich nicht sanguinischer^Natur. Denn der Zeitgeist, dieser > mächtige Reformator wirkt unablässig zum Hohne und Trotze aller Heuchler, die unablässig mit jenem biblischen „Schalom Schalom, und doch ist keine Schalom" sich und Andere in den Schlaf der Untätigkeit einlullen, was ihnen zwar für ihre Person, keineswegs aber für Andere gelingen kann. Wie Schatten früherer Jahrhunderte, fremd den Zuständen der Gegenwart, schleichen sie einher, und selbst die unwissende Orthodoxie, ihre einzige Stütze, die keines eigenen Urtheils fähig, fühlt es so zu sagen, daß diese Männer einer längst entströmten Zeit angehören, der Gegenwart weit entrückt, und ihr darum nicht fruchten können. Darum werden auch in Gemeinden, wo Rabbiner anzustellen sind, selbst in unserm Oberschlefien, die Blicke auf Männer gerichtet, die Kinder unserer Zeit, Männer der Gegenwart sind. So hat Oppeln, wie bereits der Israel berichtet, in der Person des Herrn Dr. Cohn eine gute Acquisition gemacht, und Gl ei Witz, nachdem dieser Gemeinde vom Ministerium bedeutet wurde, daß es unmöglich an inländischen Kandidaten mangeln könne, mußte die bereits getroffene Wahl des Rabbiner New da aus Mähren aufgeben, und wird allem Anscheine nach, einen Kandidaten, der dem Vaterlande entkeimt, und in der Gegenwart herangereift, wählen. Eine Beamten-Wahl, sie beträfe welche Gemeinde-Beamten-Charge sie wolle, ist schneller hingrschrieben, als realisirt. Zuvörderst wissen die armen Gemeinden eigentlich selbst nicht, was sie wollen, -was durchaus den nicht befremdet, der die preußischen jüdischen Gemeinde-Zustände kennt. Ihre ohnedies geringe Quantität der Mitglieder verringert sich durch Verschiedenheit ihrer religiösen Ansichten noch mehr, was sehr zu bedauern ist. Besonders stellt sich dies bei einer Rabbiner-Wahl heraus. Wie mir ein Gleiwitzer versichert, hat diese Gemeinde bereits mit 5 Kandidaten angeknüpft, von Lenen 2 Ausländer und vorneweg unzulässig, und 3 Inländer find. Letztere find ohne Ausnahme im Allgemeinen tüchtige Männer, doch vereinen sie nicht jeder einzeln, alle Eigenschaften, von denen diese Gemeinde träumte, und welche sogar unter vielen Kandidaten selten angetroffen werden. Eine jüdische Gemeinde, die einen Rabbinerpostcn zu vergeben hat, fordert nicht weniger von dem Manne der ihn bekleiden soll, als daß derselbe ein Adonis, ein klassisch gelehrter Mann, ein Demothenes, eine talmudische Celebrität, ein Pädagoge, ein diesem Stande würdiger Charakter, und obendrein ein im Amte erfahrener Mann sei. Daß diesen Anforderungen ein junger Mann, dem ohnedies alle Gelegenheit für seine Fachbildung abgeht, und dieselbe nur auf Privatwegen erstreben kann, nicht so leicht genügt. versteht sich von selbst, und darum sind die Rabbiner - Wahlen hier zu Lande unendlich wie die Ewigkeit. Herr vr. Landsberger Rabbinats - Kandidat soll merkwürdiger Weise bedeutende Quantitäten der erwähnten Vorzüge, bis auf das Ergrauen im Amte in sich vereinen, soll sogar 2 Mal mit Beifall gepredigt haben ugd doch kömmts zu keinem Resultate. Witzbolde behaupten, daß das Gleiwitzer Rabbinat für eine Person eine zu große Glücksbürde wäre, und meinen die Gemeinde würde, da sie auf ihren Ansprüchen beharrt, mehrere Rabbiner anstellen. Betreff der Jugend unserer Kandidaten, könnte man diese Gemeinde mit jenem talmudischen l'K DX beruhigen.— Roch mehr Verlegenheiten bereitet eine Kantor-Wahl. Der israelitische Theologe geht er auch während seiner Studien-Carriere keinem bestimmten Ziele nnt abgemessenem Schritte entgegen, und kann freilich so mancher in der Unendlichkeit der Wissenschaft sich verlieren — so findet sich im Allgemeinen der gesunde praktische Verstand unserer Theologen, deren Breslau allein 6 — 8 Kandidaten zählt. Im Gegentheil die Unbeschränktheit im Gebiete der Wissenschaft ist im Allgemeinen gedeihlich und ersprieslich für sie, und können unsere Kandidaten die auf dem seit Mendelssohn angcbahntcn Pfade wallen, gewiß mit dem schönsten Erfolge vernünftigen Gemeinde-Ansprüchen genügen. Anders ist es aber mit den Kantoren. Die Gemeinden, welche ihrer bedürfen, fussen im Allgemeinen noch in den öden und wüsten patriarchalischen Steppen und begnügen im vorgeschrittensten Falle sich mit einem Chorgesanze, ohne die mindeste Instrumental-Begleitung. Daß bei solchen Verhältnissen die bloße Harmonielehre ohne Natur wenig Erspriesliches oder Ansprechendes bieten kann, versteht sich von selbst und darum gehören derartige Subjekte, welche ihre Naturgabe durch Kunst zu bilden Gelegenheit hatten, zu den seltensten und gesuchtesten. Ausser dem Kantor Herr Wimmelbacher in Leobschütz, früher in Bernburg ein für sein Fach begeisterter, theoretisch durchgebildeter Kantor, sind die hier zu Lande fungirenden, theoretisch gebildeten Chanteurs, alle Ausländer unv der Sulzer'schen Pflanzstätte entsprossen. Herr Wimmelbach er von Geburt Baier und im Conservatorium zu München gebildet, betheiligte sich auch rühmlichst an der Bearbeitung der Münchener Synagogen-Gesänge, ist preußischer Staatsbürger, Religionslehrer und in seinem Fache ein höchst verdienstvoller Mann. Mit Nächsten erscheint von demselben eine Sammlung mehrstimmiger Gesänge, die für die Gesangkräfte kleiner jüdischer Gemeinden berechnet und gewiß für sie eine höchst schätzenswerthe Gabe sein, wird.

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