Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 39 (26.9.1847)
- Date
- 1847-09-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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306 gen Lsr. Gemeindevorstand, als ins besondere gegen unfern würdigen Geistlichen Herrn Dr. Formstecher zu dem lebhaftesten Danke verpflichtet fühlen; indem diese Männer, wohl erkennend was die Gegenwart fordert, diese Sache mit Eifer ins Dasein riefen, und trotz der mannigfaltigsten Anfeindungen, mit edler Selbstverläugnung, muthig fortsetzen, ohne sich irre leiten zu lassen. —■ Daß die Sache, insbesondere bei dem jüngeren Thcite der Gemeinde nicht nur Anklang, sondern auch für die Zukunft einen kräftigen Boden findet, davon zeugt sowohl der regelmäßig zahlreiche Besuch der erwähnten religiösen Vorträge, als auch die lebhafte Theilnabme für diese Angelegenheit, welche sich bei einem jeden Einzelnen dieser Gleichgesinnten, in Wort und That deutlich beurkundet. Als Beleg hiezu diene, daß bereits im vorigen Jahre eine Anzahl junger Leute aus hiesiger isr. Gemeinde ihrem Vorstände in einer schriftlichen Vorstellung den Wunsch zu erkennen gegeben hat, daß er sich, im Vereine mit dem Prediger, um die Einführung eines Gottesdienstes am Sonntage bemühen möge, wobei dieselben das hieran Zeitgemäße sowohl, als auch dessen Nothwendigkeit erläuternd nachzuweisen suchten.— Streben wir nun die Sache an und für sich näher zu betrachten, so finden wir dieselbe, gleich dem vorerwähnten Anträge, nicht allein gut und löblich sowie auch hoffentlich recht segensreich wirkend in ihren Folgen; sondern zugleich selbständig ohne allen Zusammenhang und störenden Einfluß auf die seitherige Sabbathfeier, weßhalb denn auch den Vertretern derselben, durchaus kein Widerspruch, weder in der Lehre noch in der Handlungsweise, rechtlich und wahr nachgewiesen werden kann; obgleich man diese Ansicht von der andern Seite gar zu gern geltend machen möchte. So wählen unsere gelehrten Gegner denn auch diesen Vorwurf stets zum Texte ihrer Zeremiaden und suchen, darauf fortbauend, den Gegenüberstehenden allen moralischen und sittlichen WerrK abzusprechen, indem sie sich zugleich ab« muhen, diesem Glauben auch in ferneren Gegenden, die weitmöglichste Verbreitung zu geben. Wenn wir auch unsere religiösen Begriffe und Meinungen einem Andersdenkenden keineswegs aufzudrängen beabsichtigen, so dürfen wir doch mindestens — u. dieß gewiß mit vollem Rechte — Freiheit für unsere eigene Anschauung fordern und zwar um so mehr. wenn damit weder Störungen noch Eingriffe in die Rechte Anderer verbunden sind, was seine vollgültige Anwendung hier findet, in Bezug auf die fortbestehende Sabbaths- und jetzt auch daneben ausgeübt werdende Sonntagsfeier, indem nicht allein erstere in ihrer seitherigen Form und Gestalt, ohne die mindeste Anfechtung fortbesteht, sondern es auch nie in der Absicht der Begründer der Letzter» gelegen hat, eine Umänderung hiebei zu veranlassen, sowie cs ja überhaupt eines Jeden Willen und Wahl überlassen bleibt, sich an der Sonntagsfeier zu betheiligen oder nicht. Ob er auch— als Anhänger der freien Richtung — seine Beruhigung dabei finde, dies erscheinet uns als ein wichtiger Theil der Glaubens- und Gewissensfreiheit, zu deren Angehörigen wir uns aus vollem Herzen bekennen. — Allein diese Betrachtung liegt unfern philosophischen Gegnern ganz fremd und statt sich dem für sie störenden Anblick zu entziehen, betrachten sie vielmehr die neue Erscheinung unaufhörlich mit dem Mikroskope um nur recht Vieles zu sehen, vielleicht — wenn cs gut geht—auch ein Fleckchen zu entdecken, und schreien dann im vollen Chore ihr Mirakel! Bedächten doch diese religiösen Leute, daß eben so gut als sie in der Hemmniß dieser Richtung ein verdienstnnd gottgefälliges Werk sehen, sich unter den Förderern derselben gleichfalls Menschen befinden können, denen auch das Wohl und Wehe ihrer Mit- und Nachwelt warm am Herzen liegt und denen Gottesfurcht und Menschenliebe gleichfalls kein leerer Schall ist. Wahrlich! bei dieser Auffassung, würde ihnen ihre nächste Umgebung gewiß in anderem Lichte erscheinen und vielleicht auch, in dessen Folge, eine liebevollere Bcurtheilung finden! — (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Das Prinzip des preußischen Iudengesetzes. (Vom Süden. — Im Semptember.) Das neue preußische Judengesetz, welches nach langen Geburtswehen endlich das Licht der Welt erblickte, hat seit der kurzen Zeit seiner Promulgation bereits die verschiedenartigsten Beurtheilungen erfahren. Während die Einen es als einen wichtigen Fortschritt zum Bes