Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1847)
- Date
- 1847-08-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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247 eine Zukunft haben, die, wie Tieferblickende unter Juden und Christen behaupten, ihr indeß auch jetzt nicht fehlen würde, wenn Vorstände, Rabbinen und junge Gemeindeglieder nur Festigkeit und Beharrlichkeit beweisen. Herxheimer. (Bernbürg, im Juli.) — Von den gottesdienstlichen Ne« formen, welche unser Landrabbiner Herxheimer eingeführt, habe ich Ihnen schon geschrieben, Ihnen aber auch den Widerstand und die Kämpfe nicht verschwiegen, welche sich darob Seitens der Or. thodoren erhoben und sich in manchen Bitterkeiten Luft gemacht. Jetzt ist Alles beruhigter und Manche die früher ihn schalten, wissen cs jetzt dem Rabbinen Dank, daß er Hand an den alten Quark gelegt. Zu dieser besseren Stimmung hat unstreitig seine mit Besonnenheit und Milde gepaarte Persönlichkeit viel beigetragen. Derselbe hat jetzt für Ihr Blatt einen Artikel über die Speisegesetze bearbeitet, der gegen die Einhorn'sche Theorie gerichtet ist, da dieser nach seiner Meinung consequent zur Antiresorm führen dürfte. Sie werden dann durch solche finden, daß derselbe nicht, wie ihm bei den Sabbathbeschlüssen Schuld gegeben wurde, auf dem orthodox « talmudischen Standpunkt stehe. Die von Wydenbrugkschen Rede ist auch hier zu Lande mit großer Aufmerksamkeit gelesen und die betreffende Nummer des „Israeliten" auch einem höchsten Staatsbeamten mitgetheilt worden. Möchte sie von guter Wirkung sein! Die beßte versprechen wir uns aber von Preußen, da das ziemlich gewiß ist, daß die Krone einige Rücksicht auf den Ausspruch der Stände nehmen, und die im Gesetzentwürfe gewährten Rechte, erweitern wird. — Aufzeichnung eines reisenden Schullehrers.*) Die Erfüllung meines im vorigen Jahre gegebenen Versprechens, Dich meinen lieben Leser, durch einen Theil Mittelfrankens, Schwabens und Würtembergs zu führen, hat sich aus leicht denkbaren Gründen bis jetzt verzögert, wobei natürlich Niemand verloren hat, als ich der Reise- und Schreiblustige selbst. Diejenigen aber, welche denn doch an jenen Reiseberichten Wohlgefallen fanden und weil eine gewisse Frische und Freimüthigkeit an ihnen lobend, eine weitere Gabe wünschten, sollen für die Verzögerung dadurch entschädigt werden, daß ich sie durch eine größere Zahl von Gemeinden — über zwanzig und zwar Stadt- und Landgemeinden, — baper'sche und würtember- *) Vergl. die Nrn. 30 bis 33 der Z. v. vorigen Jahr. gische — geleite und ihnen so den Typus unsrer religiösen Zustände mehr oder weniger vorführe. Darum muß es Sie nicht irren, wenn ich mich gewissermaffen in einer Spirallinie bewege und manchmal einen kleinen Abweg mache. Wir werden uns schon wieder zurecht finden. In der Mitte Junius, ein fruchtbarer Regen hatte die dürstende Natur freilich etwas übermäßig und oft wiederkehrend gelabt und mir dadurch manchen Abend verdorben, ergriff ich das Bambusrohr und alles Harms vergessend und der Aussicht aus eine reichliche Ernte mich mit Millionen freuend, ging ich mit offnem Herzen durch die lachenden Fluren des gesegneten Altmühlthals. Fürchte jedoch, mein Leser, ferner keine Herzensergießungen über die Schönheiten der Natur, auch keine Beschreibung allgemein interessanter Punkte oder geschichtlich merkwürdiger Orte. Nur das speciell Jüdische, in specie das Synagogen- und Schulwesen mit seinen Personagen will ich Dir wieder vorsühren und nimmst Du Interesse an diesen Potenzen der Menschenbildung, wie denn dies schon Dein Lesen dieses Blattes mir verbürgt, so kann ich Dir aus der Mitte dieser Gemeinden die Mitthcilung manches Gediehenen und Gedeihenden aber auch manches Modernden versprechen. Im Gegensatz zu meiner vorjährigen Wanderung muß ich diesmal sagen: rTrZJ ✓nJOl Tnn und Du begreifst die große Bedeutsamkeit dieses Ausspruchs, wenn ich mit Kronheim beginne — das jüdische Bolkssprichwort: „Dcntlein, Muhr, Krön" ist Dir gewiß schon zu Ohren gekommen — und mit unsrer Residenzstadt München schließen weroe. Der mächtige Geist der Zeit ist aber auch an diesem Orte nicht wirkungslos vorübergezogen. Kronheim, 33 jüdische Familien zählend, hat eine schöne Synagoge, die erst neulich mit vielen Kosten restaurirt wurde und in der die Synagogenordnung für Mittelfranken strenger und gemessener gehandhabt wird, als in mancher großen Stadtgemeinde. Der gute Wille eines einzigen Mannes vermag oft viel. Die Gemeinde hat eine Vereinigte Religions - und Elementarschule auf 300 st. fondirt und der Lehrer, Hr. Schweizer, Verfasser einiger Schriften und einer hebräischen Wancsibel. welche in sehr vielen Schulen eingeführt ist, hat sich durch seine gediegene Kenntnisse und seine Charakterfestigkeit viel Zutrauen nach vorhergegangenen zahlreichen Kämpfen erworben. Bon Fürth gebürtig, ist er ganz ein praktischer Mensch, wie es die Fürther sind, trägt aber auch ganz ihre Eigentbümlichkeiten an sich. In einem Wohlthätigkeitsvereine (mun) erklärt er gründlich und freimüthig die Bibel und in einem zweiten sonderbarerweise und dem einseitigen Geschmack nachgebend den Nin Die Schule zählt etliche und zwanzig Schüler und wird bis zum zwölften Jahre