Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1847)
- Date
- 1847-08-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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246 all bezeichnen will, mit dem einzigen Unterschiede, daß dieses Wort ndd bald in eigentlicher bald in tropischer Bedeutung zu verstehen sei. Das Wort nod muß demnach vor Allem in feiner eigentlichsten Bedeutung aufgefaßt werden, um es dann in seiner tropischen Anwendung wieder zu erkennen. (Forts, folgt.) Geschichte des Tages. Reformbestrebungen. (Vom Rhein, im Juli.) — Es that mir bei meiner kürzlichen Reise nach den lieblichen freundlichen Städten am Main ordentlich wohl, als ich nach längerem Aufenthalt in der Stadt des deutschen Bundes in das kleinere, stillere Offenbach trat, und das bewegtere Leben gewahrte, wie es dort auf dem schönsten Gebiete des Geistes, im Kreise feines humanen, ächtreligiöseu Strebens hervortritt. Nirgends habe ich in so erfreulichem Grade die sociale Annährung, ja Verbrüderung der Bekenner des mosaischen und des christlichen Glaubens wahrgenommeu, als hier, und nirgends wird wohl von denen, welche an der Spitze dieser Bestrebungen stehen, das Ziel: Die Humanisirung der Religion, die Tilgung der Scheidewände, welche noch immer den Menschen vom Menschen trennen, die acht mesianische Zeit, wo Gott einig und die Menschen, die er allda nach seinem Ebenbilde geschaffen, sich auch allda haben verbrüdert und geeinigt in der Liebe zu ihm, ich sage nirgends wird wohl dieses Ziel so klar erkannt, mit so viel Innigkeit erstrebt werden, als von jenen Männern in Offenbach. Die Vorkämpfer von christlicher Seite find besonders der als Gelehrte, rühmlichst bekannte vr. Lorenz Diesfenba ch und der Pfarrer der deutschkatholischen Gemeinde, die hier auch darin das Streben nach möglichster Verallgemeinerung verräth, daß fie auch Protestanten in ihre Mitte aufnimmt, und diese auch in immer erwachsender Zahl zu ihr treten, und unter den Juden ist es der Vorstand, und besonders sein eifriges Mitglied Hr. Posen, der in Verbindung mit dem sehr wissenschaftlichen und aufgeklärten Rabbiner vr. Formstecher, einen solchen Geist anbahnt, und darin besonders von dem jüngeren Geschlechte unterstützt wird. Der deutsch - katholische Pfarrer hält nämlich außer den gewöhnlichen Predigten am Sonntag noch in Verbindung mit Anderen an jedem Dienstag Vorträge über Religion, die einen ganz allgemeinen, humanen Charakter haben, und dadurch nicht minder den aufgeklärteren Theil der jüdischen, als der christlichen Einwohnerschaft heranzieheu; und ein Gleiches ist es der Fall mit dem Sonntagsgottesdienste, welchen Dr. Formstecher eingerichtet. Hiemit hat es überhaupt näher noch folgendes Bewandtniß: Mehrere in der Gemeinde und besonders die Gewerbetreibenden, welche den Samstag nicht feiern konnten, wünschten, daß ihnen jeden Sonntag eine gottesdienstliche Feier, sowie besonders eine Belehrung über religiös-sittliche Angelegenheiten geboten werde. Der Vorstand nahm dieses freudig auf, und Dr. Formstecher erhob nun die allwöchentlichen Unterrichtsstunden, welche er mit der erwachsenen Jugend zu halten, zu einer solchen Einrichtung. Dieses geschah leicht dadurch, daß man diese Belehrungen mit Gesänge und Gebete eröffnete und schloß aus ihnen förmliche Vorträge , geknüpft an einige vorgelesenen Sätze des Catechismus, machte. — Ich wohnte selbst einem solchen Gottesdienste bei und muß sagen, daß mich sowohl der rein-religiöse Inhalt derGebete, wie der acht humane Vortrag des Rabbiners im hohen Grade angesprochen hat. Die Vorträge des Letzteren können dadurch noch mehr für ihren eigentlichen Zweck, der Humanisirung der Religion wirken, daß fie nicht die beschränkte Form einer Predigt haben, sondern frei die Ideen der Religion und die Ereigniße des Tages besprechen, und öfters auch an die Geschichte der Religionen überhaupt, das beßte Mittel über die Idee der Religion selbst in's Klare zu kommen, geschickt anzuknüpfen suchen. Bei dem Gottesdienste wirkt noch der aus jungen Leuten in der jüdischen Gemeinde bestehende sehr gute Sängerchor in äußerst erhebender Weise mit, unv nicht minder mußte die Theilnahme so vieler Christen an diesem Gottesdienste mich mit der schönsten Hoffnung auf die brüderliche Annährung beider Confesfionen erfüllen. Die Orthodoxen find natürlich über diesen Sonntagsgottesdienst höchlich erbittert, und haben, wie ich höre, dagegen schon Schritte bei der Behörde gethan, welchen namentlich Herr K—m in Frankfurt seine geschmeidige Fever geliehen haben soll. Doch soll die Behörde keine große Neigung zeigen, denselben Folge zu geben. Eher fürchte ich, daß der Sonntagsgottesdienst auch in diesen jugendlich - frischen Gemeinden noch zu früh gekommen und daß es den Orthdoren in Verbindung mit den Jndifferentisten und den aus Partei-Interesse gegen den Vorstand eingenommenen Gemeindegliedern gelingen möchte, die bisherigen Th eilnehmer, wieder abwendig zu machen. Aber, träte dieses auch ein, so bleibt doch dem Vorstande, wie dem Rabbiner das erbebende Bewußtsein, einer Einrichtung die Hand geboten zu haben, die nichts Geringeres bezweckte, als Förderung von Religiösität, und was jetzt vielleicht nur ein Versuch gewesen, aber ein solcher den Mahuungen der Zeit und der Religion, forderten, wird/ deß find wir gewiß, in nicht langer Zeit aufs Neue und um so kräftiger hervortreteu, und dann auch eiueu unerschütterlichen Grund und