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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-01 · Heft 31 (1.8.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 31 (1.8.1847)
Date
1847-08-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S48 besucht nach den Gesetzen, welche sur katholische Schulen bestehen, da eine gleichmäßige Bestimmung für unsre Schule nicht besteht. Bisher zum Rabbinatsverband Günzenhausen gehörig, hat sich Kronheim, nachdem die Auflösung dieses Rabbinats Seitens der k. Regierung auf den Grund des tz. 24 im Edikt vom 10. Juni 1613, welcher die freie Bildung der Rabbinate also auch ihre Auflösung gestatte, *) genehmigt wurde, an das benachbarte Rabbinat Waffertrüdingen angeschlosscu. Bisheriger und fernerer Gehalt des Rabbiners von dieser Gemeinde ist eilf Gulden. — In der Nahe befindet sich die aus nur cilf Gliedern bestehende Gemeinde Dcncnlohc mit einer dermalen von sieben Schülern besuchten Religionsschule. Wir begegnen da schon dem in unserm Kirchen- und Schulwesen vielfach spuckenden Gespenst. Sein Name ist Anschließen. Dencnlohe hatte früher einen eigenen Vorsänger und Lehrer. Als der aber befördert wurde, erhielt die Bitte der kleinen und verarmten Gemeinde, ihre Schule durch einen benachbarten Lehrer verwesen zu lassen Genehmigung. Die Vorsänger« betreiben sie auf eigne Regie in einem winzigen Synagogelein. Sie wählten sich nun zum Verweser den Lehrer in Wasscrtrüdingen. Nach einem Jahr dieses satt, erkiihrten sie den von Kronheim und setzt sind sie wieder zu dem von Waffertrüdingen zurückgekehrt. Abwechslung muß sein! Wir folgen ihnen dahin, hätten aber nicht Lust, auch nur ein Jahr dort in dem Klein-Rußland, gewöhnlich so benannt, zu verweilen. Hier wie in der ganzen Umgegeno, die wir bisher berührt, herrscht fast in allen Köpfen noch jene kleinliche Frömmelei, die durch „fleißiges Schulgehcn" den lieben Gott mit allem auszusöhnen glaubt. Handwerker gibt cs wenige, dagegen wird Feldbau vielfach und mit Nutzen betrieben.— Auf den Straßen Wassertrüdingens begegnest Du schon jenen halbmodern gekleideten jüdischen Eckenstehern, die Dir mit ihren fragenden durchbohrenden Blicken Zurufen: rtflN nn« 'üb Von mir aber werden sie nichts erfahren, wohl aber werde ich Dir, mein Leser, sagen, daß Waffertrüdingen 20 Gemeindegliedcr zählt und eine Religionsschule besitzt, die von 15 Schülern besucht wird. Der Religionslehrer Hr. Weißmann begleitet auch die Stelle eines Vorsängers. Weiland waren manche Lehrer auch Vorsänger dabei. Allmählig aber werden sie Vorsänger und Lehrer nebenbei. Der hiesige Rabbiner Hr. Butten-: wieser, ist noch eiu-r jener wenigen Rabbiner, wie mau sie früher auf dem Lande oder in kleinen Städten mehr ttaf. Ohne besondere Gelehrsamkeit, gutmüthig und direkt unschädlich steht *) Das Verderbliche einer solchen Interpretation, welche alles Bestehende in Frage stellt, liegt am Tage. er sich mit der Welt gut und seufzet über die Verderbtheit der Judenheit. Erst im 67. Jahre stehend, sichet er mit seinem langen weißen Bart und seinem antiken Kopf weit älter aus, ist aber schwächlich und kränklich. Diesem hinfälligen Mann hat man neuester Zeit zu seinen Gemeinden Waffertrüdingen, Wittelshofen, Bechhofen, Denenlohe, trotz dem auf amtlichen Wege dargethan ward, daß er den gesetzlichen Bestimmungen des Edikts vom 10. Juni 1813 namentlich dem §. 27 b. desselben nicht enispricht, noch zwei große Gemeinden zugetheilt, obschon bezüglich der einen noch ein Recurs anhängig ist, der sich wahrscheinlich zum Vortheile des Rabbiners erledigen wird. Daß unter diesen Umständen in diesen und den andern Gemeinden dieses Rabbinats von der allerhöchst genehmigten Synagogen- Ordnung nur so viel als jeder beliebt, was so zu sagen zum Hausgebrauch nöthig ist, in Anwendung komint, daß der vorgrschriebene Chorgesang sich wieder verloren und der alte Unfug wieder eingezogen ist, läßt sich denken. — Mit dieser Gemeinde verlassen wir diesmal schon Mittelfranken und treten in den Kreis Schwaben. Die 80 Glieder zählende Gemeinde Hainsfahrt eröffne den Reigen. Ueber hundert Personen sind seit Kurzem aus ihr nach Amerika ausgewandert und doch hat sich die Gliederzahl nicht erheblich vermindert. Wäre dieses große Thor unfern Gemeinden und ihren sich gedrückt fühlenden Jünglingen nicht geöffnet, sie würden übervölkert werden. Die hiesige isracl. Volksschule gehört anerkanntermaßen zu den besten und kann sich mit jeder christlichen messen. Hr. Obermeier, ein gewandter und tüchtiger Lehrer, sorgt durch Vorbereitung seines Sohnes und einiger andern Jünglinge, daß der Mangel an Lehrern, wie er dermalen schon besteht, nicht noch größer wird. Seine Schule zählt 75 Schüler und Schiilerinen. Handwerker, wirkliche ausübende Handwerker gibt es nur zwei. Ackerbau wird vielfach betrieben. (Fortsetzung folgt.) Literarische Anzeige. Durch die Gröning'sche Buchhandlung zu Bernburg und allen Buchhandl. ist zu haben: Israelitische Glaubens- und Pflichteulehre von vr. H e r r h e i m e r. 7. Auflage. Verlag der I. C. He.^uanu'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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