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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-08 · Heft 32 (8.8.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 32 (8.8.1847)
Date
1847-08-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
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253 Güter, für die Ausbildung der Vernunft, der Sittlichkeit, der Humanität gewirkt haben, und noch wirken. SolcheMänner muß das Volk kennen, wenn ihres Gleichen immer mehr wachsen sollen! solche Männer müssen gleichsam vertraute Hausgenossen seiner Familie werden, damit die Ideen, welche das Volk selbstbewußt, frei, sittlich, groß und herrlich machen, das in voller Kraft stehende Geschlecht veredlen, und das Heranwachsende zu einem gefunden und tüchtigen heranbilden können. — Wevn wir dennoch das Volk mit seinen Männern bekannt machen wollen, auf daß es immer mehr selbst zum Mann werde, so verstehn wir unter Männern des Volks nicht etwa solche, die mit eben beliebten Redensarten des Tages um flüchtige Volkögunst buhlen, sondern nur solche, welche für das Volk gehandelt haben und noch handeln. Es besticht uns kein äusserer jSchein; uns gilt als Maaßstab nur der innere Werth, welchen die Ideen verleihn, denen ein edler Mann sein Leben bis zum letzten Athemzug in beharrlicher Treue hingibt!" Wir fragen nun: ist nicht jedes dieser Worte aufGa briel Riesser anwendbar? Auf den Mann, der bei seinem ersten, jugendlichen Auftreten die Versicherung gab, er werde sein ganzes Leben der Vertheidigung einer Idee widmen, deren Verwirklichung er als eine der höchsten Zeitaufgaben erkenne, und der, bis zu diesem Augenblick, so treulich Wort gehalten? Vielleicht, — hätte der Correspondent diese wenigen Worte des trefflichen Duller gelesen, — ihm wäre es nie eingefallen, einen solchen Maaßstab zu legen an Riesfers Wirksamkeit, an seine Verdienste um das deutsche Volk. Wir sagen: um das deutsche Volk! denn das ist ja gerade der Fehler des größten Theils unserer Glaubensgenossen, daß sie Riessers Wirken und Streben nur einseitig und von dem engbegranzten Standpunkt ihrer eigenen Interessen beurtheilen. „Er schrieb für die Juden", so sagen sie, so sagt auch der Correspondent, (wo?) so sagen jetzt noch Viele unserer christlichen Brüder, die in Riesser nur einen für seine bürgerliche Freiheit kämpfenden, an seinen Fesseln unmuthig rüttelnden Juden erkennen. Aber eine spätere Zeit wird gerechter urtheilen! Ja! schon jetzt sieht man mehr und mehr ein, daß Riesser, gleich Börne, obgleich einen ganz verschiedenen Weg einschlagcnd, weit höhere Interessen als die der Juden allein, vor Augen hatte; man erkennt, daß die Emancipationsfrage, wie sie Riesser zu lösen suchte, nicht blos eine sogenannte „Judenfrage" sei, sondern tiefer eingreife in die Sittengeschichte der deutschen Nation. (Man hat das immer erkannt und eingesehen.) Was liegt mithin daran, ob Riesser schon jetzt „vom größten Theil des deutschen Volkes gekannt sei?" — Ist er eS nicht, so liegt wahrlich die Schuld nicht an ihm, und „die Freunde des Volks" müssen es, ihren Grundsätzen gemäß, sich angelegen sein lassen, ihn dem Volke bekannt zu machen. Wohl scheinen sie daS zu fühlen, denn von ihnen aus erging ja die Aufforderung an Herrn Dr. Weil, Gabriel Riesser durch eine Biographie den „Männern des Volks" anzureihen. Und gewiß! Tausende vonRichtjuden, die das volkstümliche Buch zur Hand nehmen, werden an des Biographen trefflicher Schilderung keinen Anstoß finoen, oder gar, wie der Correspondent, die Frage aufstellen: „Gehört Riesser in die Reihe dieser Männer?" Am wenigsten aber, und dieß dürfen wir kühn behaupten, werden sie es, „als jüdische Anmaßung" erklären! — Tief schmerzte mich, ich bekenne es, diese Aeufferung des Correspondenten, (findetsich nirgends,) dennnichtüberschätzenwollenwir uns,nichtprunken mit Eigenschaften, die wir nicht, oder wenigstens nicht allein besitzen, offen und frei wollen wir unsere Schwächen anerkennen, uns geflissentlich herabzusetzen, uns Fehler aufzubürden, die wir nur aus dem Munde befangener Judenfeinde zu hören gewohnt find, (ist nicht geschehen) das bleibe fern von uns! — Der Correspondent stellt, um seine Meinung zubekräftigcn, die Frage auf, wie Vielen von den 60000 christl. Einwohnern Frankfurts wohl der Name Riessers bekannt sei, und glaubt, (vermuthlich mit Recht) höchstens 60 bis 100 finden zu können. Ich gestehe, daß mich diese Frage, und zwar gerade aus der Feder des Correspondenten, bei dem ich solche Naivität (?) nicht gewohnt bin, äufferst befremdete. Ich glaube, daß ein Mann von solch umfassender Menschenkenntniß, von so gewiegter Erfahrung, seine Mitbürger zu genau kennen sollte, um nicht zu wissen, daß, um von ihnen gekannt zu sein, man ganz andereIntereffen als die von Riesser angeregten, zur Sprache bringen müsse! (In welcher andern deutschen Stadt haden seine Bestrebungen größere Anerkennung bei der christ.lichen Bevölkerung gefunden?) Wer sich um die wichtigsten Fragen der Zeit, um die höheren Interessen der Menschheit bekümmert, wer sich die Mühe gibt, diejenigen Männer kennen zu lernen, die sich der Lösung dieser Fragen, die Bearbeitung dieser höhern Interessen zur Lebensaufgabe machen, der wird bald finden, daß das „Gekanntsein vom Volke", die sogenannte Popularität, gar häufig von den verschiedensten, meist individuellen Verhältnissen, ja von Zufälligkeiten aller Art bedingt zu sein pflegt. Hätten es z. B. die tonangebenden Zeitschriften Deutschlands für ihre Pflicht gehalten, Riessers Ideen unter das deutsche Volk zu verbreiten,

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