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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-15 · Heft 33 (15.8.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 33 (15.8.1847)
Date
1847-08-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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263 schwingen zu müssen, ganz mit demselben Rechte wie sie weiland unsere Vorfahren über die Cananiter rc. geschwungen, vermeint an uns die Kreuzigung Christi für und für rächen zu müssen. Die andere hat schon eine menschenfreundlichere Anschauung von uns, will schon dem Herrn die Rache jener Erb-Todsünde überlassen, und gern uns emancipiren, doch ist unsere ewige Unreife die hindernde Ursache. Wir sollen als Sprößlinge eines auserkorenen Stammes nicht so viele menschliche Natürlichkeit besitzen, sollen ohne ins Wasser zu steigen, schwimmen lernen, sollen und müssen selbst bei Entbehrung der allbelebenden Strahlen der Freiheitssonne in Ghettos unsere Emancipationsrrife erlangen. Die 3. Klasse besteht aus Männern der Humanität, die in uns nur Menschen gewöhnlichen Schlages, abgerechnet der etwaigen Verdienste, die das Juventhum und die Judenhcit um dieCivilisation der Menschheit sich erwarb, sehen, sich weder vor unfern bösen noch guten Eigenschaften fürchten, ^und nur ft uns Gottes - Ebenbilder sehen, deren Rechte man nicht schmälern geschweige vorenthalten darf. Die Reihe derer, ach! sie ist noch sehr spärlich gelichtet, und sogar ein Knabe des urbiblischen Zeitalters vermöchte ihre Namen aufzuzeichnen. Oberschlesien hatte im Abgeordneten, Hrn. Wvditzkcr aus Dauerwitz, einen talmudisch gebildeten Volksvertreter, der gar eine 4. Klasse vertritt, und die Emanripation sowohl den Reformals der orthoeoren Juden aus folgendem abentheuerlichen Grunde vorzuenthalten juridisch (derselbe ist Jurist) deducirte. „Die vielen Waschungen, die den Juden göttliche Gebote sind, (sie!) hindern sie überhaupt an einer staatlichen Betheiligung. Die Orthodoxen sind von vornherein unqualificirte Subjekte, und die Reformer welche sich über göttliche Gebote (sie!) so gleichgültig hinwegsetzen, kann ein christlicher Staat unmöglich eines amtlichen Vertrauens würdigen." Ja sogar die lächerlichsten längst verschollenen Sabbat - Fiktionen mußten aus ihren Gräbern erstehen, und der Intoleranz als Grund der Vorenthaltung der Menschenrechte dienen. Man fürchtete sogar, die Juden könnten den ganzen christlichen Staat käuflich (was bei dem Handelsgeiste rer Juden gar nicht unmöglich ist) an sich bringen rc. Wenden wir uns von diesen unlautern Motiven weg, und schließen wir unseren Bericht mit einem großherzigen edlen Schlesier. Ee. Ercellcnz Graf Renard auf Groß-Strehlitz hat am 15. Juni an diesem uns ewig denkwürdigen Tage eben so geistreich als schlagend, die Menschenrechte für uns gefordert. Dessen geistreicher Vortrag dürfte wohl nicht so allgemein bekannt sein, und ich hoffe den Lesern des Israeliten durch Mittheilung des kernigen Inhaltes nicht langweilig zu werden. „Ein Feind kann nur entweder durch Vernichtung oder durch Liebe besiegt werden. Unsere schlichten Vorfahren glaubten durch Erstere zum Ziele zu gelangen, waS ihnen aber nicht gelang. Versuchen wir sie durch Liebe zu besiegen." Werden wir auch immer noch als Feinde betrachtet, so heiligt hier die Liebe, das Mittel, den Zweck, was wir uns schon gefallen lassen wollen. Wo die Liebe als Mittel zur Vernichtung angewendet wird, da ist letztere, wenn auch immer Vernichtung, doch aber eine liebevolle, gewiß aber eine menschliche und darum erträgliche. In einer andern Debatte bedauert dieser großherzige Mann, daß sein Haupt schon zu grau sei, um sich dem Talmud-Studium zu widmen; doch deducirt deff n liebevolles Herz wiederum ein Argument der Liebe: „der Talmud müsse doch nicht so schlecht sein, da derselbe sich fast 1300 Jahre bereits erhält und alle nuto da fe glücklich entgangen ist." Das vorgerückte Alter dieses hochherzigen edelsten Ritters Silesias bedauern wir aus zweifachen Gründen. Einmal bedarf unser sich so nennende christliche Staat, auf daß er es in der That einst werde, recht viele solcher Männer, — daun aber würde der so allseitig gebildete und vorurtheilSfreie Geist des Grafen R. sich leicht überzeugt haben, das man dem Talmud eben so wie der Judenheit unrecht thur, beide verkennt und ganz und gar mißversteht. Dem Verdienste se^pe Äi^e.-^Dig Dankbarkeit der Oberschlesischen Juden hat aiich auf eine mannigfache ^eise sich dem hochgefeierten Manne bekundet. Bürgte uns nicht die Liebe, von welcher dieser Edle durchdrungen ist, so wäre zu fürchten, daß die Dank-Adressen-Ueberfluthung Seitens einzelner Gemeinden, dem Manne, der doch im Grunde genommen für Menschen nur Menschlichkeit und Liebe gefordert, lästig werden dürfte. Die Gemeinde Gleiwitz ging hierin schon umsichtiger zu Werke, und hat im Bereine mit 22 Gemeinden Oberschlefiens in einer Dank-Adresse, entworfen von dem genialen vr. medicinae Hrn. Ring, und besorgt aufs Eleganteste von dem erfahrnen eifrigen Buchhändler Hrn. Landsberger, auf eine dem Hochgefeierten sowohl, als dieser Gesammtheit würdigen Weise, ihren heißgefühlten Dank geäußert. Gewiß werden Sie, Herr Redakteur, dieser Adresse, welche eben so würdevoll als wahr und schön und ein Ausdruck einer nicht unbedeutenden Gesammtheit, die ihr gebührende Verbreitung durch den Israeliten gewähren. Sie lautet: Hochgeborener, gnädiger Herr Graf! Besonders Hochzuverehrender Herr wirkt. Geheimer Rath! Den edlen Männern, welche für die Emanzipation der Juden, für die Sache der Menschheit zu allen Zeiten kämpften, dürfen wir nun auch Ew. Ercellenz mit Stolz beizählen» In der ewig denkwürdigen Debatte des vereinigten Landtages, wo die Humanität des neunzehnten Jahrhunderts mit der Unduldsamkeit des Mittelalters mächtig gerungen, waren Ew.

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