Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-15 · Heft 33 (15.8.1847) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 33 (15.8.1847)
Date
1847-08-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567132--2777-2570764
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

264 Grccff«13 in die Schranken gestiegen, ein achter Ritter, der dem Schwachen zu Hülfe eilt, und dem Verfolgten Schutz gewährt. Schonungslos gegen Vorurthcile, mild gegen unverschuldete Gebrechen, begeistert für Wahrheit und Recht, haben Sie mit kräftiger Beredtsamkeit unsere Sache dem Landtage empfohlen. Im Namen der Menschheit forderten Sie für uns Zuden freie Entwickelung auf politischem und religiösem Gebiete, im Namen der Gerechtigkeit.vollständige Emanzipation, da gleiche Pflichten, gleiche Rechte erwerben, im Namen der Vernunft verwarfen Sie jede Schranke, welche Trennung und Absonderung herbeiführen müßte. Ihre Worte waren warm und klar wie Sonnenschein, fle erhielten den Beifall der versammelten Kurie und erweckten den Dank von zweimalhunderttausend Herzen, welche Ihnen entgegenschlagen. Zweimalhunderttaosend Staatsbürgern gereicht es zum höchsten Tröste, daß die Edelsten und Besten des ganzen Staates und vorzugsweise unserer Provinz für ihre Rechte aufgetreten, die ungegründeten Vorurthcile nachgewiesen, und die Liebe, das Gebot jeder Religion, walten ließen. Diese Ueberzeugung wird unsere Glaubensgenossen mit ihrem Schicksale aus söhnen und die Flktzeu 'und ven^kost,^velch'e hier und dort tausendjährige Sclavcrci angesetzt, gewiß einst tilgen. Nur die Liebe weckt Liebe und Anerkennung. In diesem Geiste nahen fich Ihnen die Unterzeichneten Gemeinden Oberschlesiens, als Organ einer großen Gemeinschast,welche den Segen des Herrn auf Ihr Haupt herniederflcht; wir benutzen nur das Recht, welches uns die Nähe giebt, um die Gesinnungen und den Dank aller Zuden der preußischen Monarchie auszusprechen. Möge Sie der Himmel uns und der Menschheit noch lange erhalten! Möge Ihr Haus für ewige Zeiten blühen und grünen, ein leuchtendes Beispiel ächt adeliger Gesinnung, gleich werth und nah dem Throne wie dem Volke! Gott stärke die Hand, welche das Banner der Gerechtigkeit trägt, und segne das Herz, welches mit Liebe die ganze Welt umfaßt! Ew. Ercellenz rc. Aufzeichnungen eines reisende» Schullehrers. (Fortsetzung.) In der Schule zu HaimSfarth wird nichts Hebräisches gelehrt; es bleibt dieser Gegenstand dem Privatunterricht überlassen, wodurch die Schule nur gewinnt und die Jugend nichts verliert. Mit diesem Unterrichte ist's überhaupt ein Eignes; er raubt Lehrern und Schülern sehr viel Zeit, nimmt mehr an jeder andre physischen Kraftaufwand in Anspruch, zur formellen Bildung dient er wenig und wird, eine geisttödtende Fertigkeit abgerechnet, gar bald wieder vergessen. — Vor einiger Zeit hatte man hier in versammelter Gemeinde berathen, wie man sich an dem Lehrer rächen könne, daß er sich für eine Volksschrift eines andern Lehrers durch Sammlung einiger Subscribenten interessirt, die sich hinterher des Beifalls des handeltreibenden jüdischen Publikums nicht zu erfreuen hatte. Man wollte ihm die Gebühr entziehen, die ihm seit vielen Zähren für die Eintragung der einzelnen Fälle in die Civilstandsregister obrigkeitlich zugebilligt worden war. — Zum Rabbinatsverband gehört die Gemeinde in das nahe Oettingen. Das dortige neueste ,/Ereigniß", vielfach in den Zeitungen ausposaunt, ist die Einsetzung eines.jungen, wissenschaftlich gebildeten Rabbiners, welcher der streng conservativen Richtung angehört, und von dessen Lob Aller Mund voll ist. Man hat der verehrlichen Redaktion und unsrer Wenigkeit öfter schon den Vorwurf gemacht, dieOrthodorke schonungs- und rücksichtslos anzugreifen. Beweisen wir durch die Art, wie wir diesen Rabbiner zeichnen, daß wir das Gute überall anerkennen, wo es sich findet, und jedes redliche Streben, in welcher Richtung es sich auch bewege, gern öffentlich ehren. Herr vr. Feuchtwanger ist ein Mann in den zwanziger Jahren, hohen schlanken Wuchses, mit kohlschwarzem Kopfhaar und Bart, von blaßer Gesichtsfarbe und ächt orientalischem GesichiS schnitt. Er spricht rein und gewandt und seine öffentlichen Vorträge sollen geistreich, überzeugend und in ihrer Form sehr gefällig sein. Geradheit der Gesinnung, Auftichtigkeit des Willens, Uneigcnnützigkeit und ein bescheidnes Auftreten in allen seinen amtlichen Beziehungen, verbunden mit einem tüchtigen Wissen, loben auch die an ihm, welche sich mit seiner religiösen Richtung nicht befreunden können. Tolerant und nachsichtig gegen eine abweichende Gesinnung, widersetzt er fich unabweislichen Forderungen der Zeit nicht. So hat er die Bildung eines Synagogen-Chors durch einen christlichen Gesanglehrer, gegen den sich der ftühere Verweser, vr. Fränkel, mit aller Kraft gestemmt hatte, gefördert, aber freilich zu ftiih unter der Gemeinde vertheilt. Nach Jahren wäre dieß etwa gut. Bleibt Herr Di-. Feuchtwanger nicht stehen, erforscht er die Geschichte und erhält er sich im Conner mit dem Leben, so kann er mit der Zeit einer Partei nicht treu bleiben, die nichts gelernt und nichts vergessen hat. In seinem philosophischen System soll er ein Platoniker sein. Da wäre er ein arger Nachzügler. Jndeß hat er ein schönes Weibchen geheirathet, die jedoch ihre jugendlich heitere Stirne mit einem mächtig breiten Sammtband bedecken muß, auf daß ja keines ihnr Härchen von der Sonne beschienen werde. (Fortsetzung folgt.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.