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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-15 · Heft 33 (15.8.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 33 (15.8.1847)
Date
1847-08-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SSL überreiche, intolerante und engherzige Staatskirche auf schwachen Füßen steht, und durch ein Drängen von Außen das Parlement fortgerissen werden wird, auch hiereinzuschreiten. Rothschilds Wahl ist Ln dieser Beziehung von unendlicher Wichtigkeit, denn die Anwesenheit der Juden im Parlamente macht der Idee vom christlichen Staate ein Ende. Daß er seinen Sitz einnehmen wird, bezweifelt man hier nicht, denn gestützt auf die Londoner Wahl, wird das Ministerium eine entsprechende Maaßregel Vorschlägen, und da man eine große Whigmajorität im Unterhaus erwartet, und das Oberhaus dießmal die Whigswahl aus Haß gegen die Peel-Parthei, unterstützt, in beiden Häusern durchsetzen. Andre sind der Meinung, daß die ministerielle Majorität Juden von dem Eid dispensiren wird, wofür in dem Fall des Quäkers Prase ein Präcedens besteht. Noch sind 4 andere Juden im Feld, Baron M. Rothschild, 8!r Is. Lion Goldsmith und sein Sohn, und endlich Dav. Salomons, von denen einer oder der andere wohl auch gewählt werden wird; sie alle treten als Vcrtheidiger von handels-politischer und religiöser Freiheit auf, versprechen für Abschaffung der Churcli-rates (Grundrenten der Geistlichkeit) und Ausdehnung der Reformbill zu stimmen, und finden daher bei Gleichgesinnten vielen Anklang. Es ist zu hoffen, daß die hiesigen Juden, wenn sie einmal im Besitz völlig gleicher Rechte sind, ihre Eigenthümlichkcitcn fahren lassen, an welchen viele um so mehr fest halten, weil sie andern kein Recht einräumen, sich darum zu bekümmern, oder ihnen dafür eine Art Strafe aufzulegen, als welche man hier die Entziehung irgend einer Freiheit betrachtet. Für die Sache der Juden in Deutschland wird Rothschilds Wahl gewiß die besten Folgen haben, da man dort viel auf England sieht, und selbst der König von Preußen bei Eröffnung der Stände Englands Institutionen und Gesetze als Muster hingestellt hat. Der preußische Landtag. (Schluß.) Trotz der Gesunkenheit der Masse posener Juden, hat eben diese Masse noch einen solchen Fond geistiger Kraft und Sittlich, keit, daß es durchaus keiner polizeilichen Aufsicht bedarf, und dürfte das Gouvernement doch anderer Ansicht werben, bekäme es Kenntniß, was oft von den armen Juden für Lehre und Synagoge gethan, welche Opfer er diesen oft sehr verfehlten Zwecken zu brin. gen im Stanoe ist. Mit einen Worte, man denkt die Juden baar eines jeden höhern Sittlichkeits - Gefühls, was nicht nur aus der Nichtzulassung zu Aemtern überhaupt, sondern namentlich zu Schul« ämtera klar hervorgeht. Die jüdischen Preußen werden es hoffentlich nun nicht mehr bei dem allwöchentlich zweimaligen Gebete „Weise Israels in unserer Mitte zu erhalten" bewenden lassen, sondern sich an den Riesen der Gegenwart, an den Verein wenden, und Vereine gründen, die wahrhafte Gelehrsamkeit stützen und fördern werden. Da die Gegenwart die Wiffenschafi anders als im patriarchalischen Zeitalter handhabt, da ferner jede Hoffnung geistiger Wirksamkeit dem jüdischen Gelehrten vernichtet, so bleibt der Judenheit, so sie sich vor geistiger Verdumpfung wahren will, nichts anders übrig, als das wahre Talent und die wirkliche Wissenschaftlichkeit ernstlich zu stützen. In der That ist nun dem jüdischen Gelehrten ausser dem ReligionSlehrer oder Rabbiner, jede Hoffnung selbst zu einem kärglichen geistigen Wirkungskreise vernichtet. Wer das preußische Schulreglement kennt, weiß es, daß der Staat jüdische Schulanstalten vorneweg gar nicht aufkommen oder erstehen läßt, wie dies die §§.25 bis 34 des Entwurfes nur übersichtlicher wiederholen, was einzeln, zerstreut in den 18 Judenordnungen hierüber bestimmt ist. Hierzu kommt noch, daß die preußischen Volksschulen mitunter, die höheren Lehranstalten aber durchweg der Art sind, daß eine Concurrenz jüdischer Seite zu bestehen unmöglich ist, da vorneweg sie lediglich nur auf jüdische Schüler angewiesen sind. — Obendrein machen die Juden eu müsse zu ihrem eigenen Nachtheile schon des pekuniären Vortheils den königl. Anstalten gewähren, von ihnen Gebrauch, und so sind unsere Gelehrten nur auf Privatschulen, deren Gründung nur bei vorhandener Nothwendigkeit gestattet, die aber hier zu Lande wirklich nicht vorhanden, angewiesen, welche gewiß nach Beseitigung aller Klippen, einem Manne von klassischer Bildung kein Entgeld für seine Studienmühen bieten können. Diejenigen Landtags-Abgeordneten, deren Sorgfalt für den christlichen Staat mit seinem Chri« stenthume sich so weit erstreckte, daß sie selbst solche Materien, die mit der Religion in gar keiner Beziehung stehen, einem jüdischen Lehrer in christlichen Anstalten nicht anvertraucn können, wie Herr Tadden und Consorten geistreich darthaten, daß die Juden trotzdem sie als gute Rechner bekannt, sich als Rechnenlehrer der christlichen Jugend nicht eignen, weil sie anstatt des gewöhnlichen Einmaleins das Faustsche Heren-Einmaleins der Jugend beibringen könnten, haben noleus voleus dem Christenthume mehr Dementi gegeben, als es der indifferenteste Christ jemals vermocht. — Das Judcnthum muß doch eine großartige intensive Kraft besitzen, da die Judenheit trotz der ihnen zum Vorwurfe gemachten Feigheit gar nicht so zimperlich furchtsam mit ihren Sprößlingen umgeht, sondern sie getrosten Muthes christlichen Lehrern, sogar dem Religions. Unterrichte nicht selten überläßt, ohne dessen Einfluß zu fürchten. Am Uebersichtlichsten rubricirt man unsere Volksvertreter in drei Klaffen. Die eine dünkt noch die Geisel Gottes über uns

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