Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1847)
- Date
- 1847-08-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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270 binen und Vorsänger nicht in Ausführung kommen. ES scheint, daß nur das Sparsystem der isr. Oberkirchenbehörde bis jetzt daran gehindert hat. Wir wollen hoffen, daß diese gesetzliche Bestimmung bald in Ausführung kommt, sonst könnte man wirklich der Meinung werden, gewisse Gesetze stehen bei uns nur auf dem Papier. — Für den Dr. Iuris Pfeifer in Tübingen ist vom Ministe, rium die Erlaubniß eingelaufen sich als Privatdocent der Rechts. Wissenschaft in Tübingen zu habilitiren. Der talentvolle junge Mann wird demnächst seine Znaugural-Rede halten. — Zn der theologischen Zeitschrift von Prof. v. Baur und Prof. Zeller in Tübingen erscheint schon durch einige Hefte forilaufcnd ein Aufsatz „Urchristenthum und Judenthum" von Blank. — In Würzburg ist ein Werk in 2 Bänden, würtembergische Lustschlösser von S. Hänle erschienen, das genaue Details über den jüd. Fioanzminister Oppenheimer unter Herzog Alerander 1733 — 1737 enthält, wir werden später auf dieses Werk zurückkommen. — Bei L. Fr. Fues in Tübingen ist erschienen und von der isr. Oberkirchenbehörve allen Kirchenvorsteherämtern zur Anschaffung empfohlen worden: „Sammlung der verschiedenen Gesetze in Betreff der Israeliten von f. f. Meyer Oberamtmann. Das älteste Dekret der. Sammlung ist vom 20. August 1531 und verschärft den Befehl, daß kein Jude im Lande geduldet, sondern auf Betreten gefänglich eingezogcn und gegen ihn mit strenger Strafe soll gehandelt werden. — Herzog Friedrich Eugen gab um 1760 den Befehl, daß ein Reglement über die gottesdienstlichen Ccremonien und Gebräuche der Juden soll entworfen, der jüdische Steuerfuß regulirt, und Rechnung über die Armenunter. Haltung und Schulkassen soll geführt werden. DonBeschneidungen und Hochzeiten mußte eine große Taxe bezahlt werden. Von 1530 dis 1847 sind die Zugeständnisse bürgerlicher Rechte an Juden langsam vor sich gegangen und wenn sie stets in solcher Progression fortschreiten würden, könnte die völlige Emancipation bis zum jüngsten Gerichte verschoben werden. Doch seit 20 Jahren ist bei unS viel geschehen und wir hoffen schon vom nächsten Gesetzentwurf nur Gutes. Aufzeichnungen einereifenden Schullehrer-. (Fortsetzung.) In seinen Vorträgen eifert Herr vr. Feuchtwangen häufig gegen die materielle Richtung der Zeit. Gut! er vergesse aber nicht mit Hand anzulegen zur Schöpfung von Institutionen, an denen sich die nckaltcten Herzen deS jungen Geschlechtes erwärmen und aufrichteo vermögen. Schöne Vorträge begeistern wohl für den Augenblick und bei denen, welche sich am Abgelebten nicht mehr halten können, zieht zuletzt der leidige Jndifferentismus ein. Da- Leben, ja das Leben mit seinen Anforderungen ist mächtiger als alle Lehre. Ihm verfallen wir alle. — Zum Abendgebet verfam. melte sich zu meiner Verwunderung, da doch ein Werktag war, der größte Theil der Gemeinde, welche im Vorbeigehen gesagt aus 65 Gliedern besteht. Das Alter der Synagoge ist sonderbarer Weise auf der Wetterfahne zu lesen. Die Gottesdienstord. nung die gewöhnliche, das Innere trüb, verfallen, schmutzige ge. schmacklose Betpulte, ein unförmlicher Almemor und auf der Brüstung der die Frauenhalle bildenden Gallerie und zwar echt symetrisch ziemlich an dem einen Ende, sind die Worte zu lesen: re. rb -MNM. Wenn dies das Thor zum Himmel ist, dachte ich, dann danke ich höflich für rc. — Die hiesige vereinigte Elementar« und Religionsschule — 60 Schüler zählend — ist eine der ältesten in Bayern und der an ihr angestellte Lehrer, der gemüthliche, echt fromme Neubürger, einer unserer geschicktesten Lehrer, als welcher er bei Juden und Christen in der größten Achtung steht. Man zeihe mich nicht einer Vorliebe zu meinen Standesgenoffen und einer Lobhudelei meiner Freunde. Wer die bisher genannten Männer kennt, stimmt mit meinem Urtheil über, ein und bei diesem Stand der Sache verliert Niemand. Jndeß werden wir auf Mittelgut auch noch stoßen. Es besteht hier eine eigne isr. geschlossene Gesellschaft, wenn ich nicht irre, Har. monie genannt, bei der es recht anständig hergchet, hervorgerufen durch christliche Unduldsamkeit, welche in einer kleinen künstlichen Residenzstadt noch eine breitere G.undlage hat. Während meiner Anwesenheit sollte ich ein Pröbchen davon erfahren. Dem fürstlichen Hause wurde ein Erbprinz geboren. Die Beamtenwelt, das Spießbürgerthum waren entzückt. Beglückwünschungs-Depu. tationen wurden ins Schloß geschickt, auch der isr. Vorstand durfte nicht zurückbleiben. So weit wäre alles in Ordnung. Was eine stille Familie beglückt, dessen darf sich ein fröhliches Haus doppelt freuen und es steht dem Unterthanen, es steht dem Israeliten wohl an, seine Theilnahme zu bezeigen. Aber nun kommt, was nicht in der Ordnung, was sogar gegen alle göttliche und menschliche Ordnung streitet. Der Magistrat beschloß dem Fürsten einen Fackelzug zu bringen. Alle Bürger werden dazu geladen und nur die Judenhäuser im Auftrag des gestrengen Hrn. Bürgermeisters übersprungen; und wie denn der Diener den Herrn im niederen Sinn zu überbieten strebt, duldet der gnädige Herr Polizer nicht, daß ein abgehaltncr Bürger seinen jüdischen Nachbar zum Fackelträger für sich bestellt. Die Juden dürfen schlechterdings nicht dabei sein. Die Oettinger Israeliten sind aber nicht so Lammesnatur, sich ungeahndet kränken zu lassen und innerhalb