Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-22 · Heft 34 (22.8.1847) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 34 (22.8.1847)
Date
1847-08-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567133--2783-2570751
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

269 die unverständlich gewordene Sanitätslehre zu einer künstlich zusammengefügten Symbolik umbildete. — Der, bei einer gewissen Fraktion wieder unflrbenden, dogmatisch christlichen Tbeologie ist die Symbolik unentbehrlich, ihr ist Vas ganze alte Testament Prototyp des neuen Testamentes und der Kirche, an ihrer Spitze stehet der Glaube, dieser Sohn des Gefühls, und erst durch diesen wird die Erkenntniß vermittelt. Anders ist es in der jüdischen Theologie, Hie Symbolik der Kabbala gehörte in ihr niemals zur Volks-Religion. Sie lieferte in ihrer Allgemeinheit für das Leben die Ausbildung des Ceremoniels, und für die Erkenntniß den Rationalismus, durch die Adoption der Symbolik stellen wir uns demnach entwetcr auf das Gebiet der ann'qm'rten Kabbala oder auf das der alt christlichen Dogmatik. — Außer den Vorschriften über die Festceremonieu. (Mazzoth-Essen, Huttenwohnen), welche eine historisch symbolische, und den Vorschriften über den Opfcrritus, welche eine psychologisch symbolische Bedeutung haben, sind alle übrigen Vorschriften des Pentateuchs nur auf rationellem Wege zu motiviren. Sie alle tragen den Grund in sich selbst, sind Selbstzwecke, obgleich die Verbindung von den gegebenen Mitteln mit dem zu erzielenden Zwecke nur durch die Ansichten jener Zeit und die Einwirkung jenes Klima's erklärt werden kann. Die Speisegesetze sind demnach ebenfalls durchaus keine Symbole, sondern Selbstzwecke; sie sind Sanitätsgcsetze der Zeit, des Ortes und der Verhältnisse und bilden als solche einen integrirenden Thcil des theokratischen Gesetzbuches; allein auch die übrigen Vorschriften des Pentateuchs müssen als solche Selbstzwecke betrachtet werden, welches nachzuweisen eine spätere Abhandlung zur Aufgabe sich setzen wird. — Geschichte des Tages. Verschiedenes. (Aus Würtembcrg. im August.) — Der Perfivie der zionSwächterlichen Clique fehlt der iesuitische Takt, sie läßt sich auf Lügen ertappen unv daß ein Lügner em gutes Gedächtnis haben müsse, das scheint ein unbesonnener Correspondent des Alto, naer Nachtwächters vergessen zu baden. Während vor Kurzem erst derselbe in einem Artikel aus Würtemberg über die bodenlose Reformsucht der Oberkirchenbehörde und derRabbinen klagt, bringt eine der neuesten Nummern No. 25 — ein Schreiben im Zopf, styl, mit einem Gemengsel von lateinischen, französischen und heb» räischen Brocken in orientalischem Deutsch, das in Hyperbeln das hyperorthodore Streben der schwäbischen Juden preist. Die Oberkirchenbehörde wird zu einem Jnquisitionsamte, alle Jsabella von Kastilien, gestempelt, da sie über einen neumodischen Lehrer eine schwere Untersuchung verhängt haben soll. —?? — Herr Dr. Ennoch schmunzelt in seinem Briefkasten schon gar ergötzlich darüber unv bittet um Mirtheilung der eingeleiteten Untersuchung. Der Herr Zionsrevacteur möge sich kein unnützes Briefporto verursachen. mit dieser Untersuchung ist es Nichts. Doch wenn er durchaus an Untersuchungen Freude hat, so möge er in Schwaben jene heilige jüdische Vehme errichten; ich schlage ihn zum Stuhl. Meister unv seinen Correspondenten zum Nachrichter vor. — Die Talmud treibenden Lehrer in Würtemberg sind auch nur noch sporadisch zu finden, wir müssenfür die zweideutige Ehre die jener Correspondent uns zuerkannte danken, die Zeit in der Talmud in den Schulen getrieben wurde ist hinüber. Wir achten talmudische Gelehrsamkeit, aber nicht unsere Jugend soll in der Schule mit dialektischem Zeug die Zeit vergeuden und gerade jene Gemeinden, in denen noch Talmud-Brüverschasten bestehen sind nicht die Mustergemeinden. Kirchenrath Maier hatte ganz recht, wenn er in der Rabbinerversammlung sagte, am wenigsten gesielen ihm die sogenannten „schöne D’ru ^>’3. Denn diese find von einer Arroganz bcsessen,ldie kein besseres Institut in ihrenGemeinden aufkommen läßt. Besonders jammert jener Bericht über die Re. formen des Rabbinen Gülvenstein, der die Sivroth gevritttheilt hat, so daß dadurch die jüdische Kalender-Rechnung Gefahr läuft vom Volke vergessen zu werden unv das wäre gewiß arg. denn dann könnten die Eltern vergessen durch ihre Kinder das EH'n und ntfisn Geld dem Lehrer zu schicken. Solche gute alte Bräuche wünscht der Zionswächter ausrecht zu erhalten. Sehen wir wie viele fromme Sklstungen bei uns mißbraucht werden, und wie eben die Orthodoxie Vorwand zu Geldert'chleichungen wird. An den Todestagen fremder Stifter sammeln sich einige privilegirte Müßiggänger in der Synagoge, plappern sinnlos einen Abschnitt Mischnaiith unv schnappen den Stiftungen das Geld weg. Das ist Beutelschneiverci. Wie viel Gutes könnte durch manche reiche Stiftung geschehen, wenn nicht das Privatinteresse emzelner diplomatischer NabbiS ihren Deutel als das Höchste ani'eben würde. Es ist sebr zu bedauern, daß die im Kgl. Regiernngsblatte vom 27. Oct. 1331 m dem Artikel, der über den GeschastskreiS der israelitischen Oberkiichenbehörde handelt, angeordueten periodischen Vissralionen rer Amtsführung der Rad-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.