Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1847)
- Date
- 1847-08-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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S68 5, 63. Zend Avesta 1. o.)' Eine Leiche verunreinigt durch Berührung (Manu 5, 87.) durch ihre Nähe im Leichenzuge (das. 103.) oder durch den Ort wo sie liegt. (Z. Av. Vendidat Farg. 7.) Bon dieser Unreinigkeit befreit, unter andern Mitteln auch das Berühren einer Kuh (Manu 5, 87.) Ucberhaupt wird dem Aufenthalte einer Kuh und ein Bestreichen mir deren Miste eine physisch und moralisch,reinigende Kraft beigclegt. (das. 105. 124.) Derjenige, welcher gewisse Gegenstände gestohlen hat, muß als Sühnmittel die fünf Dinge verschlingen, welche eine Kuh hervorbringt. (Milch, geronnene Milch, Butter, Urin und Koth. (das. 9, 165.) Auch den Aegyptern war die Kuh Hieroglyphe der Zsie. (Herod. 2, 41.) Cs wird hierdurch über den Ritus mit der rothcn Kuh (4 Mos. 19,) noch einiges Licht verbreitet.*) Ausführlich wird die Reinigung der verschiedenartigen Gefäße, Gerälhschaften u. s. w. beschrieben, (Manu 5, 112—126.) wodurch wir unwillkührlich nicht nur an 4 Mos. 31, 22. &3. sondern auch an Schulchan Aruch Orach Chajim451 erinnert werden. So wie öfter die Brachmanischen Vorschriften uns auf jene des Talmuds Hinweisen und den Ursprung mancher derselben erklären. Hierher gehört besonders die ausführliche Auseinandersetzung über die Grade, die Zeit, und Gebräuche der Trauernden. So muß sich der Trauernde gewisser Speisen, besonders des Fleisches enthalten, und entlegen auf - der Erde schlafen. Die Trauerzeit währt langer oder kürzer nach dem Grade der Verwandtschaft, nach dem Range des Lehrers, oder nachdem der Trauernde die Todesnachricht in naher oder entfernter Zeit nach dem Absterbcn erfahren hat. Verschieden jst auch die Trauerzeit desjenigen, welcher die Todtenbeine sammelt (Manu 5, 73—87. vcrgl. Schulchan Aruch Jore dca 378. 387.402. 403.). Alle Glieder unter dem Nabel, sowie dieCrcremente sind unrein (Manu5, 132. 135. Schulchan Aruch Orach Chajim 74 — 88 u. a. St.) Wer in den Wedas lesen oder seine Nahrung nehmen will muß seinen Mund' ausspülen und sich wajchen. (Manu 5, 138.) Die Möglichkeit, daß der Brack,mane vor der ihm bestimmten Zeit sterben kann, wird unter Anderem auch dadurch erklärt, daß er cs vernachläßigt *) Ob man wirklich damals schon eine Ahnung von irgend einem Analogon der Kuhpockcnimpfung hatte? — die Wedas zu studiren, (Mann 5, 4.) sowie überhaupt dem Studium der Wedas dieselbe Znsiuenz auf die menschliche Glückseligkeit zugeschrieben wird (das. 4, 260.) welche die Rabbinen dem min niD^n zuerkcnnen. — Im ganzen würde eine wissenschaftlich aufgestellte Parallele zwischen den Lehren Manu's, Zöroaster's und den der Rabbinen, viele Religionslehren und Anordnungen der letzter» erklären und darthun, daß das jüdisch religiöse Leben zu keiner Zeit gegen die Einwir, kung seiner Umgebung sich abzuschließen vermochte. *) Doch liegt die weitere Ausführung dieser Idee nicht in der Aufgabe gegenwärtiger Abhandlung, in welcher vorzüglich nachgewicsen werden sollte, daß die Reinigungs- und Speisegebote des Pentateuchs Sanitätsvorschriften sind, welche durch locale und temporelle Verhältnisse bedingt, in den übrigen Religionslehren des Orients sich wiederfinden. Es erscheinen zwar in spätern Schriften diese Sanitätsvorschriften so sehr mit den mythologischen Vorstellungen des Orients vermischt, daß sie sehr leicht für Symbole und Hieroglyphen metaphysischer und ethischer Theologumenen gehalten werden können, doch tritt im Manu, in dieser ältesten heidnischen Quelle derselben, eine solche Symbolisirung noch nicht hervor, hier erscheinen sie noch — freilich nicht in der wissenschaftlichen Form einer heutigen Makrobiotik — in ihrer ursprünglichen Gestalt als Sanitärsvorschriften, zu welchen die Reinigungsmittel, Baden, Mundausspülen und der Genuß von geläuterter Butter sich ganz gut eignen, und erst später als die Medicin im Laufe der Zeit durch fortgesetzte Erfahrungen gegen daseiende Krankheiten neue Präservative entdeckte und den Charakter der früheren Krankheiten, gegen 'welche jene Präservative ausgestellt waren, nicht mehr kannte und dadurch jenePräservative selbst nicht mehr zu erklären vermochte, wurden jene alten räthselhaft gewordenen Sanitätsvorschriften mit den astronomischen, metaphysischen, historischen und ethischen Mythen in Verbindung gebracht und in Symbole und Hieroglyphen umgewandelt. Tie specnlirende persische, und die plastische ägyptische Mythologie waren die Lebrerinen dieser Umwandelungen, zu welchen die spätere Thcosvphic und Kabbala in die Schule gingen und , *} 3n einer bereits oben erwä'hnden Schrift «die Religion > des Geistes," suchte ich das Uebergehcn heidnischer Begriffe und j Lehren ins israelitisch religiöse Leben an mehreren Stellen nach- ' zuweisen, vergl. S. 278 u. f. 315 u. f. 343 u. f.