Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 34 (22.8.1847)
- Date
- 1847-08-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SSV moralische Vollkommenheit zu verstehen ist, wird als Ideal aufgestellt, weßbalb alles Schädliche (n«oo) entfernt gehalten werden mußte, welches diese Vollkommenheit (nttmp) Zerstören könnte. Es schreibt zwar auch noch die heutige, ganz besonders homöopathische, Medici» der Diät einen mächtigen Einfluß auf des Menschen physisches und psychisches Leben zu, aber in weit höherem Maaße that sie dieß im Alterthume. Es mag dieß in der damaligen Ansicht der Medicin vom menschlichen Leben zumTheile begründet gewesen sein, zum Theile aber auch dadurch gerechtfertigt werden, daß damals der Mensch noch mehr in einer einfacheren Unmittelbarkeit zum Naturleben sichbefand, noch weniger durch eine raffinirte Erziehung zum Kunstprodukle umgewandelt war und deßhalb die verschiedenartigen Wirkungen der Speise und Getränke deutlicher wahrnahm als dieß heute der, dem ursprünglichen Naturleben ziemlich entfremdete Europäer vermag. Hätten die Speisegesetze des Pentateuchs statt einer diätetischen eine symbolische Bedeutung, wie dieß di? Symbolomanieder neuesten Zeit zu beweisen sich bemüht, so würden sie in den andern Gesetzbüchern des Orients nicht so deutlich sich wicderfinden, wie dieß wirklich der Fall ist. — Denn das Symbol ist die Sprache des Volkes, die Hieroglyphe ist eben so verschieden wie das lebendige Wort, meistens Produkt des Klima's, weßhalb eine und dieselbe Hieroglyphe bei den verschiedenen Völkern oft grade die entgegengesetzten Bedeutungen symbolisirt, welches aber bei Sanitätsvorschriften, die aus der Erfahrung gezogen werden, nicht der Fall sein kann. Ein flüchtiger vergleichender Ueberblick über die verschiedenen Speisevorschriften des Orients möge uns die Aebnlichkeit zeigen, welche unter denselben herrschet. *) Zn Indien ist den „wiedergcbornen Menschen," unter welcher Bezeichnung die edleren Kasten verstanden werden, der Genuß vieler Speisen aus dem Pflanzen- und Thierreiche verboten. Dem Brachmanen und dem ägyptischen Priester sind diejenigen Gewächsarten *) Quellen: Les livres sacres de l’orlent etc. par 6. Pauthier. Paris 1842. Rhode Zendsage. Kleuker ZentAvesta. Herodot. vergl. 8. Munk, Beflextons sur le culte des anciens hebreux. dans ses rapports avec les autres cultes de l’antiquite etc. La bible par 8. Cahen tome quatricme. Paris 1833. verboten, (Manu 5, 5. Iuvenal satyr. 15, 9. 10.) welche die Zsraeliten, in Aegypten zur niederen Kaste gehörend, dort umsonst gegessen haben. (4 Mos. 11, 5.) Außer in drohender Lebensgefahr ist den Brachmanen der Genuß des Fleisches nur dann erlaubt, wenn das Tbier als Opfer den Göttern geweiht war. (Manu 5, 7. 22. 27.) Verboten sind ihm verschiedene Arten Milch (das. 6. 8. 9.) verschiedene in Säuere übergegangene Getränke (das. 9. 10. vergl. 3 Mos. 10, 8—tl. 4 Mos. 6, 3. 4.) Tbiere, welche keine gespaltene Klauen haben, mit Ausnahme derjenigen, welche namhaft aufgezählt werden, (das. ll.deßgleichen bei Zoroaster. Bun- Dehesch 14.). Ausdrücklich verboten wird außer dem Kameele und anderen Tbieren (das. 18.) auch das Schwein, das. 14.) welches ebenfalls derAegypter (Herod. 2, 47.) und der alte Araber (Munk l. o.) als verboten betrachteten. Verboten sind ferner entlegen wohnende unbekannte Thiere, (Manu 5,17.) und Fische ohne Schuppen, (das. 16.) Tie ägyptischen Priester enthielten sich aller Fische, weßhalb sie auch dort für die niedrigen Kasten so billig waren. (4 Mos. 11, 5.) Die Perser versetzen die Wasserthiere ins Reich des Ahriman's (Plutarch de Is. et Osir.) Von den Vögeln dürfen nur diejenigen genossen werden, welche als erlaubte bekannt sind. (Manu 4, 11 — 14.) Mehrmals wird hervvrgehobcn, daß die Raubvögel verboten sind. Dagegen wird das durch ein Tkier Zerrissene ausdrücklich erlaubt, (das. 131.) wodurch sich das besonders modificirte Verbot desselben im Pentateuch (2 Mos. 22, 30.) erklären läßt. — Außer diesen diätetischen Vorschriften liefert uns der alte Orient noch andere Sanitätsverordnungen, welche sehr oft an diejenigen des Pentateuchs erinnern. Die Elephantiasis wird als die Strafe der Sünde betrachtet bei den Indern (Manu 5, 164.) und bei den Persern. (Herod. 1, 138 ) Zoroaster läßt den Aussatz durch AKriman entstehen (Zend Avesta. Vendidat Farg. .18.) Gin Haus wird gereinigt dadurch, daß man. es abkratzt und neu übertüncht. (Manu 5, 122.) Eine Gebärerin wird unrein (Manu 5, 62.) ebenso dieMenstruirende, welche beide für ihre Reinigung eines Bades sich bedienen müssen, (das. 66.) Die Zeit der Unreinigkeit für eine Gebärerin gibt Zoroaster ziemlich übereinstimmend mit dem Pentateuch an. (.^end Avesta l. e,) Eine Pollution macht unrein und verlangt ein Reinigungsbad und gewisse Gebete (Manu