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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-29 · Heft 35 (29.8.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 35 (29.8.1847)
Date
1847-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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*70 kündeten. Herr Adler liebt solche Spielereien und werden sie nur nicht übertrieben, haben sie auch etwas für sich. Später gab der Lehrer resp. Vorsänger Herr Maison, (Bruder des Predigers vr. Frankfurter in Hamburg wenn gleich nach frührer Weise einen andern -Namen führend), in schönen und gewählten Worten den Lebenslauf der Verstorbenen im freien Vortrag. Ein bayerischer Rabbiner würde es um keinen Preis geschehen lassen, daß der Lehrer nach ihm besser spricht. Den weiteren Verlauf dieses Aktes konnte ich nicht abwarten. Ich hörte nur noch die deutsche Gebetsformel, welche vor der Versenkung des Sarges vom Vorsänger gesprochen wird. Deutsch beten beim Sterben und Beerdigen, das würde bei uns viele Ohren beleidigen. — Die Synagoge zu Oberdorf hat noch die veraltete Ständeeinrichtung, keinen geordneten Chorgesang und über die Vorsängcrei herrscht Zerwürfniß in der Gemeinde. Viele wollen einen musikalisch gebildeten Vorsänger, und das ist Herr Maison, wenn auch ein guter Prediger und Lehrer, nicht. — Die Schule mit 120 Kindern und auf zwei Lehrer in zwei geräumigen schönen Lehrzimmern vcrtheilt ist eine Volksschule d. h. sie muß von der politischen also auch christlichen Gemeinde erhalten werden. Auf dem Wege des Vergleichs jedoch zahlt diese jährlich 350 fl. zur Schulerigenz. Bei geringerem Interesse für jüdisch politisches Leben und neuere jüdische Literatur, herrscht jedoch großer Sinn für Wohlthatigkeit. In der letzten bedrängten Zeit bildete sich hier ein Armenverein, dem ein Zuschuß von 200 fl. aus der Staatskasse zu Theil wurde. Für die Hebung des bürgerlichen und religiösen Sinnes dieser so wie aller Gemeinden seines Amtsbezirks wurde kürzlich der Oberamtmann Hr. Preu, Seitens der isr. Oberkirchenbehörde belobt. Wen es noch befremdet, daß eine isr. Behörde einen christlichen Beamten belobt, dem sagen wir noch, daß sie ihn auch in Geldstrafen nehmen darf/und gleichwohl ist Würtemberg ein so {guter christlicher Staat, wie das „intelligente Preußen." — Eine neue werthe Bekanntschaft machte ich in der Person deS Amtsverwesers Hrn. A. Elsäßer, eines jungen sehr begabten ManneS. Er hatte studirt und konnte Familienverhältniffe wegen, seine Studien nicht vollenden: Herr Elsäßer ist ein Schul- ' lehrer und ein Poet dazu. Er dichtet, sonder Spaß, sehr schön und mehre seiner poetischen Geistesprodukte find bereits in die Oeffentlichkeit getreten. Nächstens gedenkt er einen Band Gedichte herauszugeben. — Feldbau wird von vielen hiesigen Israeliten mit Umsicht und großem Fleiße betrieben und Herr Nathan ist Besitzer einer frequenten Gastwirthschaft. Ja der Nahe betreibt ein Jude eine Mühle, die Heidemühle. Herr vr. Esfinger ist ein junger geschickter Arzt, jüdischen Glaubens. Aufhausen, eine kleine Strecke von Oberdorf entfernt, hat eine aus 80 Gliedern bestehende jüdische Gemeinde mit einer Volksschule, womit schon ausgedrückt ist, daß sie über 50 Kinder zählt, denn in Würtemberg wird eine israelitische Schule zur Volksschule und muß von der politischen Gemeinde gänzlich erhalten werden, wenn sie stene Kinderzahl umfaßt. So zahlt die christliche Gemeinde für den Gehalt des Lehrers und hat erst kürzlich bedeutende Baulichkeiten im jüdischen Schulhaus vornehmen lassen? Natürlich müssen auch die jüdischen Gemeindeglieder nach dem Steuerfuß concurriren. Eine schöne geräumige Synagoge mit Subsellien und einem Chorplatz in der Mitte findet man hier. Ich halte die derartige Anbringung des Chorplaßes, va der Chor die Gemeinde vertreten und in'später Zeit mit ihr gemeinschaftlich fingen soll, für zweckmäßiger als die in vielen Synagogen erbauten sogenannten Emporkirchen. Der hiesige Synagogenchor singt herrlich. Herr Lehrer und Vorsänger Frank besitzt ein vortreffliches Organ, versteht es auch, sich und dem Gottesdienst eine feierliche Haltung zu geben. Der Gesangstücke werden aber von Zeit zu Zeit immer weniger und ich bevaure, daß sogar die Oberkirchenbehörde dieselbe reduzirt hat. Freilich so lange das Volk den Gesang nur als einen Ohrenschmaus ansiehet und allmählich an denselben gewöhnt gleichgültig wird, ist wenig gewon. nen, aber nach meinem Gefühl ist ein schöner Gesang ein Erbauungsmittel, das ich höher noch als die Predigt anschlage. Meint da auch bei uns mancher Rabbiner Wunder, was er thüt, wenn er die 'NN, die Ncn rc. nicht mehr singen, sondern nur sagen läßt. Gassenhauer passen freilich nicht dazu, aber angemessen, wozu manche so zu sagen vererbte Melodien gehören, sind wohl geeigenschaftet ein reuiges Gcmüth zu erheben, unv zu erbauen. Den Gesang, der zwischen -dem gedehnten und eintönigen Choral, von dem man ja auch in den protestantischen Kirchen jetzt abgeht, und den leiernden verwelilichten Stücken die richtige Mitte hält, möchte ich um keinen Preis in unsren Synagogen vermissen. — Der Sabbarh, welchen ich hier zribrachte. war negen der herrschenden Noth iin ganzen Lande zum Gebet und Bußetag bestimmt worden. Ueber den Tert: iJEH ’D 'n.HDn u. s. w. vom König selbst erwählt, wurde heute in allen Synagogen und am folgenden Sonntag in allen Kirchen gepredigt- Herr Frank behandelte den Tert recht brav, brachte ihn mir der Sisra unv Haphtara Onp riST'S') in Verbindung, theilte etliche Seiteuhiebe über Vorkommnisse in der Gemeinde aus, und seine jedoch nur abgelesene Predigt ward mit verdienter Aufmerksamkett

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