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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-08-29 · Heft 35 (29.8.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 35 (29.8.1847)
Date
1847-08-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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»80 angehört. *) Der deutsche Gesang der Jugend, wozu die weibliche immer mehr herbeigeholt wird, schien mir aber ganz spurlos in der Gemeinde vorüberzugehen, wie ich schon öfter und an andern Orien zu beobachten Gelegenheit hatte. Man hört ihn an, wie man weiland einen Tl'Iitl' ’ö anhörte, viele machen sich mit ihrer Sidra oder ihrem R2& pp’H inzwischen fertig, aber von Andacht keine.Spur und wäre sie, um mit Shakspeare zu sprechen, so wohlfeil wie die Brombeeren. — Die hiesige Gemeinde - Registratur bewahrt mit lobenswerther Dankbarkeit ein Exemplar jenes polemischen Werks, Tariak aus, das i. I. 1680 der damalige Vorsänger Salomon Zewi gegen den Borenz'schen Schlangrnbalg geschrieben hat. Man wird angenehm von dem vielen Wissen und dem Muth dieses Mannes überrascht, überzeugt sich aber auch aufs Neue, wie ein 'jüdischer Schriftsteller erst sterben muß, um Anerkennung zu finden. Salomon Zewi soll auf den Straßen Regeneburgs Hungers gestorben* sein. — Vor wenigen Tagen war in die hiesige Gemeinde ein Jüngling zurückgekehrt, der in päbstlichen Diensten sechs Jahre in einem Schweizerregiment gestanden hatte. Er kann die Humanität res jetzigen Pabstes nicht genug loben und versichert mir, daß die italischen jüdischen Ge-- meinden noch ganz auf altem Standpunkt stehen. — Den würtemberg'schen Lehrern stehen nicht unbedeutende Mittel zur Vergrößerung der Schulbibliothek zu Gebot. Für ihre Confereuzarbeiten und den Gang zu denselben erhalten sie eine kleine Remuneration. Eine Stunde von hier liegt das Städtchen Lauchheim, in dem 25 jüdische Familien wohnen, mit einer kleinen Schule und einer alten Synagoge. Eins nur fällt mir auf, wie sich der dortige. sehr gebildete Lehrer Herr Wassermann mit der Schächterei befassen mag. Zum diesseitigen Rabbinatsbezirkgehört auch Ellwangen woselbst 4 jüdische Familien wohnen, zwei Wirthe ein Prokuramor und ein Buchhändler, Herr Heß, dessen i. I. 1828 den Ständen } übergebne Denkschrift nicht ohne Einfluß auf die Verhandlung bezüglich der Juden blieb. Auf dem hiesigen Gymnasium studiren mehre isr. Jünglinge, worunter auch ein junger strebsamer Lehrer, Herr Stern, aus dem nicht fernen Teufstetten, welches dermalen keine schulpflichtigen Kinder hat und inerhalb sechs Jahren auch keine «bekommen wird. Wie kommen nkn in die Gemeinde P flau ml och und ich stehe nicht an, sie als eine der fortgeschrittensten, wackersten Ge¬ *) Ein sehr schönes, im ächten Gebrtstone gehaltnes, dem Vernehmen nach von Herrn Kirchenrath vr. Meier gefertigcs Gebet, ward am Schluß vorgetragen. meinden zu bezeichnen. Eine großartige, durch ihr Aeußeres schon imponirende Synagoge, deren Glockenschlag lustig durch das große Dorf hin erschallt, von innerer splendider Einrichtung, in welcher auch ein Plätzchen für eine Orgel reservirt ist, mit geeigneten Räumlichkeiten für die Sänger und Sängerinnen; eine von 60 Schülern besuchte, gut fassionirte Schule, deren Lehrer den Titel Musterlehrer führt, was so viel als bei uns Vorbereitung-- oder Präparandenlehrer bedeutet, der aber wirklich nicht nur ein Musterlehrcr, sondern auch ein musterhafter Mensch, dessen Umgang mir immer höchst belehrend ist; ein mit Geschmack angelegter, mit jungen Bäumen alleeartig bepflanzter Begräbnißplatz mit einem Leichenhaus, die Grabsteine numerirt und auch mit deutschen Epitaphien versehen; eine freundliche Gemeindestube, geschmückt mit den Bildnissen jüdischer Koryphäen;, eine aus circa 80 Gliedern bestehende Gemeinde, die sich allbrw Besseren anschließt, mrt mehreren Wohlthätigkeitsvereinen und einem Vorstand, Herr Elias Pflaum, der kürzlichst erst von der Oberkirchenbehörde für seinen Eifer in der Förderung alles Guten in der Gemeinde belobt worden: Dies find die Wahrnehmungen, welche m:ch zu obigem Urtheil bestimmen,, däs'Jever mit. mir theilen wird, der die hiesige Gemeinde näher noch als ich kinnen zu lernen Gelegenheit hat. In der hiesigen Synagoge wird die vorgeschriebene Ordnung strikte beobachtet. Sie wurde mit einem Kostenaufwand von 20,000 fl. erbaut, wozu die Gemeinde nur 500 fl. aus Staatsmitteln erhielt und eine Schuldenlast von 10,000 ff. sich auferlegte. Der Lehrer genießt großes Zutrauen; von jenen Zerwürfnissen und jener Streitlust, in andern Kreisen so vielfach zu Hause, weiß man hier nichts, kommt überhaupt in Würtemberg bei einer vorhandnen überall kräftig und ungesäumt eingreifenden Oberkirchenbchörve nicht Literarische Anzeige. Im Besitze einer Parthie der nachfolgenden Bücher erlasse ich solche, soweit der geringe Vorrath reicht, das Erempl. 3. 5 Sgr. und können dieselben durch jede Buchhandlung bezogen werden; in Frankfurt am Main durch I. D. Sauerländer: Salomon Pleßner, Confirmationsreden f. d. israel. Jugend, zugleich ein passendes Geschenk am Einsegnungstagt. — — — Traureden f. Israeliten. Zugleich ein passendes Geschenk an Hochzeittagen. Berlin im Juli 184/. Usernbach jun. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a.^M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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