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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-09-12 · Heft 37 (12.9.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 37 (12.9.1847)
Date
1847-09-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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305 nrr Mitglieder so weit herabgekommen, daß sie jetzt kaum mehr als 10 Familien zählt, welche zu den Lasten der Gemeinde contribuiren können. Nun ist seit einem halben Jahre der Lehrer durch Alter und Krankheit völlig dienstuntauglich geworden. Nach den bestehenden allgemeinen Schulverordnungen muß in solchen Fällen der Lehrer für die Aufstellung eines Gehülfen einstehen, erhält aber zu diesem Zwecke fast ohne Ausnahme eine bedeutende Geldunterstützung aus der Kreisschulkasse. In diesem Falle jedoch ertheilte die Kreisregierung der israelitischen Gemeinde den Auf. trag, einen Gehülfen aufzristellen ohne sich darüber auSzuiprechen, j auf welche Weise für die Sustentation desselben gesorgt werden i sollte. Da die Gemeinde sich dessen weigerte und mit Vorstellung | ihrer ohnehin gedrückten Lage erklärte, daß sie unmöglich noch eine j neue Last sich aukbürven lassen könnte, bfichli die Regierung als ■ ErekutionSmittel die Synagoge zu schließen, so daß diese Gemeinde, welche jährlich für Synagoge und Schule 4—500 fl. aufzubringen hat, in diesem Augenblicke weder einen öffentlichen Gottesdienst hat, noch ihre Kinder den nothwer.digrn Unterricht genießen. Sind das nicht himmelschreiende Ungerechtigkeiten? Den Brtheiligten blieb nichts anderes übrig, als sich beschwerend an die höchste Stelle zu wenden, und es steht mit Zuversicht zu erwarten, daß jene willkührliche Maaßregel wieder aufgehoben werde. Doch geht daraus zur Genüge hervor, welchem dringendes Bedürfniß die Regelung unsrer kirchlichen Angelegenheiten und Wie es Pflicht aller derer sei, welche etwas dazu beitragen können, die Hände nicht müßig in den Schooß zu legen, sondern den günstizen Zeitpunkt zu benutzen. Von unseren politischen Verhältnissen, von unfern Wünschen und Hoffnungen in Bezug auf dieselben, in meinem nächsten Benchte. — M - Aufzeichnungen eines reisenden Schullehrers. (Fortsetzung.) Die Zahl der Kinder ist im Verhältnis zur Zahl der Gemeindeglieder (einige und sechzig) nicht groß, was theils von früher erschwerter Ansässigmachung, theils von Auswanderungen herrühren soll. Herr Lehrer Hochstätter ist nicht mehr jung, steht aber noch rüstig seiner Schule vor und hat wie die meisten dayr. iss. Lehrer schon viel durchkämpfen müssen. Mehre Handwerker leben ausschließlich von ihrer Hände Fleiß, die meisten übrigen treiben ordentlichen Handel und zwar viele im Großen. Eine seltene Erscheinung ist cs jedenfalls, daß ein benachbarter Beamter seinen Sohn einem hiesigen Kaufmann, jüdischen Glaubens in die Lehre gab. Großer Wohlstand herrscht im Orte und die schönen Wohnhäuser mit den vielen, dem Dorfe ein städtisches Ansehen gebenden Firmas, geben hiervon Z ngniß. Hier und in mehrern andern Orten wurde ich, obschon weder ein Bilcerbänvler noch ein Maler, vielfach nach einer weitern Lieferung gewisser „Bilder" gefragt. Auch werden in der hiesigen wie in anderen isr. Schulen Schwabens die Volks- und Jugendschriften von Krämer häufig zu Preisebüchern benutzt. - Wenn aber Jemand noch so beschränkt und eingenommen ist, zu glauben, in Baiern dürfe kein Jure eine öffentliche Charge bekleiden, so wisse er uns es sei zu aller Welt Kunde hier gesagt, daß hier ein Jude wohlbestellter, dienstbeflissener und wühlbewaffneter — Bettelvogt ist. — Endlich noch, was immer zuletzt kommt, etwas vom Tode. Die Cholera, unglückseligen Andenkens, und das deshalb an die Gemeinden ergangene gerichtliche Verbot, an dieser Seuche Verstorbene nach dein bisher gemeinschafilichen Begräbnißplatz Wallerstein bringen zu dürfen, bat hier und in vielen benachbarten baic» rischen und würtembergischen Gemeinden zur Errichtung eigener israelitischer Friedhöfe veranlaßt. So führt auch das Schl.mmste noch Gutes mit sich! — Weil ich dich, m. l. L., auf dem kürzesten Wege wieder von dieser Wanderung, auf der du mich begleitest, zurückbringcn will, so mußt Du Dich, was Dir schon als einen Lrs.r des „J'raclit" schwer fallen wird, mit mir zu einem Rückschritt nach den beiden Gemeinden Kleinerdlingcn u. Everheim entschließen. In diesen Gemeinden, crstcre zählt 34 Geimiudcgliercr und ihre Religionsschule 12 Schüler und letztere von erster Sorte 24 Stück und von letzter 20, kommt man inv^ß mit dem Rückschritt wider alles natürliche Gesetz sehr gut fort. Sie sind die Höolen der Hypeioflethovorie und Du kannst hier junge Männer mit langen Bärten sehen, die in neuester Zeit die Form sogenannter Christusbärte angenommen haben. Was doch die Mode auch ihr Gutes hat! Die Lehrer dieser Gemeinde sind von den wenigen daierischen Lehrern, welche diesem Geiste dienen und der von Kleinerdlingen heißt im uneigcntlicheu Sinn oder wie der Talmud sagen würde "inj ’3D — Heller. — In der Start Nördlingen selbst wohnten vormals viele Juden und zeugen noch viele Erscheinungen hievon. De Juden in den umlregenden Orten sind Nachkömmlinge von ihnen. Die hiesige Beck'schr Buchhandlung beschäftigt sich viel mit dem Verschluß jüdischer Werke, klagt aber sehr über die Lauheit des jüdischen taufenden Publikums. Von Harburg, das auf meiner weiteren Tour liegt, kann ich nur wenig sagen. Die Gemeinde, aus fünfzig Gliedern bestehend, zählt viele gebildete Familien, doch fehlt es auch nicht an Verbildung. So erzählte mir ein Fieuu",

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