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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-09-12 · Heft 37 (12.9.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 37 (12.9.1847)
Date
1847-09-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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306 er fei kürzlich mit dem Eilwagcn am Abend dort angekommen. Da habe zu seiner und der Reisegesellschaft Belustigung ein jüdisches Mädchen auf offener Straße den Monolog aus der „Jungfrau von Orleans" deklamirt. — Man findet hier eine hübsche Synagoge, in der die. Feier des Gottesdienstes durch einen guten Sängcrchor unter Leitung des tüchtig musikalisch gebildeten Lehrers Herrn Bcrolzheimer erhöhet wird. Der Rabbiner Herr Selz ist ein junger Mann, der regelmäßige Studien gemacht. Seine Predigten liest er aber ab, wie ich schon in Deggingen gehört, woselbst er auch jährlich einigemal predigt. Wenn würtembergische Lehrer ihre Predigten ablescn, so kann dies bei ihren vielen und vielerlei Berufsgeschästen einige Entschuldigung finden, ein baierischer Rabbiner, der so wenig Beschäftigung vorschristlich hat und so ganz Herr seiner Zeit ist, sollte aber doch, will er ihnen einen guten Eindruck sichern, seine wenigen Predigten memoriren. Anfangs einige Mühe nicht geschcuet, und es geht. Müssen dies doch christliche Geistliche thun und haben jede Woche zu predigen! Warum will man cs ihnen nicht hierin gleich thun? — Wir haben junge Rabbiner — wir verwahren uns aber ausdrücklich, Herrn Rabbiner Selz in diese Kategorie zu stellen — die seit einiger Zeit gar fromm sind und die weidlich über Reformversuche und ihre öffentlichen Organe schimpfen. Vielleicht hören wir aber, weil ein gewisses System gerichtet ist, bald eine andere Sprache. — Die hiesige Schule zählt nur 30 Schüler, alle munter und freundlich dreinblickcnd. Diese geringe Zahl soll von der erschwerten Ansäßigmachung durch den nun verstorbenen herrschaftlichen Beamten herrührcn. Der jetzige — es ist derselbe, welcher seinen Sohn einem jüdischen Handelshause in Deggingen in die Lehre gab — soll von diese.n Pharaonischen Verfahren entfernt sein. — Es muß sich hier Der, welcher für den lieben Magen sorgt, besser stehen, als der, welcher anderswo geistige Nahrung spendet. Der frühere Hülfslehrer Weinbach hatte eine gute Schulstellc in der Pfalz aufgegebcn, um hier Schächter zu werden. Dazu gehört aber auch wieder eine eigene Neigung! — Wir erzählen nichts von unserer Fahrt auf der Eisenbahn, denn die Judensrage wird in Deutschland nicht mit Dampf betrieben und dürfen wir daher diese heterogenen Dinge auch hier nicht in Verbindung bringen. Wir versetzen dich aber sogleich und schneller noch als die Eisenbahn nach Augsburg. Den dortigen jüdischen Zuständen thut aber einige Dampfkraft dringend Roth. Auf der ganzen Reise und nirgends fand jch sie so im Argen liegend. Du findest hier keine israelitische Schule, keine öffentliche Anstalt für den Religionsunterricht der jüdischen Kinder und man darf sagen fast keine Synagoge. Denn als das Haus, in welchem sich das enge Betstübchen befand, zum Verkaufe kam, gab man sich der Hoffnung hin, die aus 12 Gliedern bestehende sehe reiche Gemeinde — sie zählt einen Millionär und mehre, die Hunverttansende besitzen zu den ihren — werde das Haus erwerben. Aber nem! cs ging in den Besitz eines Christen über unv die Augsburger Jnvenlchaft ist mit ihrer Andacht zur Miethe zu einem Garkücher geflüchtet. Von der Stube, der Speisestube, gelangt man in ein beschränktes Kämmerchen, groß genug für die Stände unv um sich allenfalls noch zum Nachbarn zur lauten Besprechung von Börsenangelegenheiten bewegen zu können. Eine finstere Klause neben an, die bei Hellem Tage beleuchtet werden muß, dient dem schönen Geschlecht zum Orte des öffentlichen Gebets. Muß der Spe.sewirth eines schönen Tages diese gemiethete Wohnung räumen, so sehen wir nicht, was die Andächtigen (?) anfangen werden. Doch der Rabbiner, den wir bald näher kennen lernen werden, führte ja beim Auszug ans der alten Synagoge den Spruch an: re. ’ötf ns “P3TX "ttPN D'pD t>D3 - (Fortsetzung folgt.) Bekanntmachung. Nachdem in Folge diesseitiger Bekanntmachung vom 24. Juni o. (Franks. Journal No. 176) die Mitglieder der Rabbinerversammlung in Betreff der für die 4. Versammlung festzusetzenben Zeit ihre Stimmen anher abgegeben haben, sieht sich der Unterzeichnete Ausschuß zu folgender Veröffentlichung veranlaßt. Von den Mitgliedern der dritten Rabbinerversammlung haben zwölf in schriftlicher Mittheilung ihr Bedauern ausgedrückt, daß es ihnen, nachdem die Versammlung am bestimmten Termine nicht abgehalten werden konnte, amtliche Verhältnisse unmöglich machten, an einer noch im Laufe des Jahres 1847 abzuhaltenden Versammlung sich zu betheiligen. In Berücksichtigung dieser Aeußerungen glaubt nun der Unterzeichnete Ausschuß, sein Mandat nicht zu überschreiten unv im Sinne der übrigen vcrehrlichen Mitglieder zu handeln, wenn er hiermit erklärt, daß die 4. Rabbinerversammlung auf nächstes Jahn verschoben und am 17. Juli 1848 eröffnet werden soll. Mannheim, 26. August 1847. Der Ausschuß für die vierte Rabbiner - Versammlung. Wagner, Vorsitzender. A. Adler. S. Adler. Formstecher. Stein. — iimnmmii—im Literarische Anzeige. ' Wir sind im Stande, einen gebildeten und aufgeklärten jun. gen Mann einer Familie, besonders in einer größeren Stadt, als Hauslehrer zu empfehlen. Eisenach, im Aug. 1847. Die Red. des Israeliten des 19. Jahrhunderts. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlnng iu Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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