Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 37 (12.9.1847)
- Date
- 1847-09-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2566751-2567098-2567136--2810-2570721- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
303 lassen, geeigneten Ortes dagegen Verwahrung rinzulegen, daß solches nur unter Vorbehalt ihrer Rechtszuständigkeiten aus dem Edikte zu geschehen habe. Sie haben sich zugleich um Schutz in ihrem von der Vundesakte gesicherten Besitzstände an die deutsche Bundesversammlung zu wenden, in angemessener Weise, allein den Rechtspunkt im Auge haltend. Durch wen solches zu bewerkstelligen? sind wir freilich bei unserer Unbckanntschaft mit den Einrichtungen der betreffenden Gemeinden anzugeben nicht im Stande; wir glauben jedoch, daß jeder Einzelne, dem durch die neue Gesetzgebung von der Bundesakte gewährleistete Rechte entzogen werden wollen, den Schutz des Bundes anzurufen befugt ist, und eben so jede einzelne Gemeinde. Gemeindevorsteher aber, welche sich nicht für legitimirt dazu halten sollten, hätten sich von den Gemeindegliedern mit Vollmacht versehen zu lassen. Welcher auch der Erfolg dieses Schrittes fei, immer wird am besten auf diese Weise das Recht kommender Geschlechter und die Achtung der Mitwelt gewahrt werden. (Schluß folgt.) Verschiedenes ans Würtemberg. Vom Neckar (im August.) — Die schwäbischen Zeitungen brachten am Ende v. M. die Kunde, daß Bcrthold Auerbach mit seiner Gattin wieder in die Heimath gezogen ist. Hat man sich in diesen Spalten in der neuesten Zeit gestritten, welche Eigenschaften einen zum „Manne des Volks" stempeln, so wird jeder mir beipflichten, wenn ich unfern Auerbach den ächten Mann des Volks nenne. Die Freude, die sich in den verschiedensten Blättern über die Heimkunft des gefeierten Verfassers der Dorfgeschichten kund gab, legte Zeugniß davon ab, wie gerne die Schwaben ihren liebenswürdigen Volksdichter in ihrer Mitte sehen. Auerbach in seiner bescheidenen Einfachheit hatte sich jede Föte verbeten, und traf schnlichst erwartet aber unverhofft, in seinem Geburtsorte Nordstetten im Schwarzwaldc ein; er konnte es aber doch nicht verhindern, daß sein Geburtshaus bekränzt und ihm eine- Ehrenpforte von den grünen Fichten des Schwarzwaldes errichtet ward. Ein Comitö der israelitischen Gemeinde empfieng ihn an der Schwelle seines väterlichen Hauses und sein wackerer Lehrer — Bernhard Frankfurter, Bruder des Tcmpelpredigers — überreichte ihm eine Bewillkommnungs-Adresse im Namen der Gemeinde. Der Schwarzwälder Bote brachte ein Sonnett von A. Elsäßcr auf Berthold Aucrbach'S Rückkehr in die Heimath. Das neueste Heft des deutschen Volksblatts von Kapf und Süßkind empfiehlt besondersAuerlachsGkvattersmann und seine | Dorfgeschichten als Bolkslektüre. Berthold Auerbach hatte in seiner Kindheit schon von dem Fanatismus der hypcrorthodoren Partei zu leiden, so daß seine Freunde amtliche Hülfe dagegen anzurufen für nöthig fanden. Sein Lehrer nämlich, der obengenannte Bernhard Frankfurter, sah früh ein, daß Auerbachs eminente Anlagen in einer wissenschaftlichen Anstalt besser entwickelt würden, als in der Talmud-Schule zu Hechingen, wohin ihn seine Eltern gebracht hatten, und veranstaltete, daß er in das Lyceum zu Karlsruh ausgenommen wurde, neben welchem er auch noch die dortige Talmud-Schule frequentirte. Ein dortiger naher Anverwandter Auerbachs, von dem er erkleckliche Unterstützung erwarten durfte, nahm Anstoß daran, daß derselbe das Lyceum besuchte, und machte allerhand Umtriebe, den jungen Lyceisten von Karlsruhe zu entfernen. Oberrath Eppstein aber nahm sich Auerbachs an unv zeigt heute noch die Noten, die er in dieser Angelegenheit gewechselt hat. Später wurde Auerbach im Gymnasium zu Stuttgart seiner trefflichen deutschen Aufsätze wegen der Liebling des Professors von Rcinbcck. Am Gymnasium schon schloß Auerbach eine innige Freundschaft mit Naphthali Frankfurter, nunmehrigem Tempelpredigcr in Hamburg. Zn dessen Hause zu Lehrensteinsfeld und Braunsbach schrieb er den größer» Theil seiner früheren Werke und jetzt noch stehen die beiden Freunde in lebhaftem Verkehr mit einander. Ein anderes junges Talent hat sich aus einem stillen Dorfe am Neckar Bahn bis zu den Palästen gebrochen, wo cs schöne Anerkennung findet. Albert Güldenstem hatte sich der Gnade zu erfreuen, von König Wilhelm in seinem Atelier besucht zu werden. Der König ließ sich die Arbeit, die Güldenstein für die Villa des Kronprinzen gefertigt hatte, zeigen; sprach zu dem jungen Künstler: „Sie müssen schon entschuldigen, wenn ich Ihnen Einiges tadle, ich habe im Leben schon viel gesehen." Beim Weggehen sah der König einige von Güldenstein moeellirte Thiergruppen und sagte: «So, Sie machen auchThiere, ich habe in meiner Wilhclma — maurisches Bad beim Rosenftein — eine schöne Gruppe von meinem seligen Vater, wollen Sie mir ein Scitcnsiück dazu fertigen und das Modell dazu von Nom aus mir senden." Güldenstein fertigte aber das Modell sogleich — ein Leopard, wie er auf eine Gazelle springt übergab es dem Hofmarschall unv erhielt Abends den Auftrag, die Gruppe in Marmor für dni König auszusührc». Ausgangs vorigen Monats ist der junge Künstler schon nach Nom abgegangen; wir werden von dort aus öfters Nachricht von ihm erhalten.