Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-09-19 · Heft 38 (19.9.1847) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 38 (19.9.1847)
Date
1847-09-19
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567137--2821-2570713
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

303 Vater, sofern er nicht Privatvermögen zusetzen kann, sich mit dem dermaligen Lehrergehalt elendiglich zu halten vermag. Die Roth ist darum bei manchem größer, als man ahnet. Uns sind geschickte Lehrer bekannt, die — wer sollte es glauben,^ und dennoch ists pure Wahrheit — sich an wohlthätige Reiche, an Verwandte und solche, welche über Zehnt von Brautleuten zu verfügen haben um milde Gaben brieflich gewendet haben. Wie gefährdet die Wirksamkeit solcher Männer ist, welche gewöhnlich dabei Vorsänger, Prediger, Präsidenten des Kirchen- Vorsteher-Amtes rc. sind, läßt sich leicht ermessen. — Kürzlich vertheilte der katholische Kirchenrath die ausgesetzten Preise für eine Preisaufgabe, welche er den ihm unterstellten Schullehrern vorgelegt hatte. Den ersten Preis erhielt der israelitische Schulmeister Leopold Hofheimer in Kappel. — Verschiedenes aus Bayern. (Schwabach in Mittelsranken Bayerns im Sept.) — Dahier ist eine sogenannte Jeschiwa alten Schlags im schönsten Anflug begriffen, zur Zeit aus neun Stück Bachurim bestehend. Altona hat auch sein Contingent dazu gestellt. Man lernt, lärmt, geht in die Mikwa, widmet sogar täglich eine Stunde der D’Jlsn nSD und unser Rabbiner Wechsler beredet sich und Andere, er erhalte und baue das ächte alteJudenthum an. Dem Vernehmen nach will der Staat das nun entbehrlich gewordene Irrenhaus dem Herrn Rabbiner und seiner kleinen Schaar einräumen und sich so das Verdienst erwerben, einer Lehranstalt für jüdische Theologie, wesentlichen Vorschub geleistet zu haben. Das Ding hat aber auch seine gute Seite und zwar für die Taschen des Rabbiners, der sich dadurch und durch sein ganzes Gebähren in den Augen der ungebildeten Landleute mit einem gewissen heiligen Nimbus umgiebt, also daß man sagt: Das ist noch ein Frommer! So läßt diese Woche ein Landmann aus dem Rabbinatsbezirk Fürth den Akt der Leviratsehe dahier vernehmen, was ihm einen Kostenbetrag von circa 50 fl. veranlaßt. Von Fürth selbst jedoch klagt Wechsler, daß die Zahl derer, welche kirchliche Akten von ihrem zuständigen Rabbiner und nicht mehr wie zur Zeit wechselnder Parteiung durch ihn vornehmen lassen, immer kleiner wird. Es ist aber auch wirklich völlig unrecht, daß Herr Rabbiner vr. Loewi in Fürth sich immer mehr Zutrauen erwirbt und dadurch die Verdienste Wechslers schmälert. — Unsere Hyperorthodoren — und Wechsler ist deren Häupter eines — sind dermalen sehr thätig. Vor wenigen Tagen war der Sohn des bekannten fränkischen Zeloter hier und am andern Tag mit dem ersten Hahnenschrei ist Wechsler nach unsrer Äreishauptstadt abgereist. Ob nun einem im Anzuge begriffenen Verbot der HIPSD entgegen zu wirken — wie sie sagen od. um überhaupt einem finstern Plan gegen die wiederauflebenve bessre Richtung bezüglich unseres Kirchenwesens zu dienen, vermag ich nicht zu bestimmen. Etwas führen fie im Schild und ihre Rührigkeit, wenn es ihre Sache gilt, sollte und könnte uns zum Muster dienen, auch in unsrer Weise auf ehrlichem Wege thätig zu sein. In welcher Achtung aber unser Rabbiner bei unfern Lokalbehörden steht, mag der Vorfall zeigen, daß seinem Sohn kürzlich bei Entsprechung aller gesetzlichen Erfordernisse die Ansäsfigmachung verweigert worden ist. Hat man auch die Engherzigkeit des Magistrats hiebei zu beklagen: einem Rabbiner von zeitgemäßer Bildung, der sich eurch sein exzentrisches Wesen nicht lächerlich macht, wäre so etwas nicht widerfahren. Eben so nimmt die k. Inspektion des hiesigen Schullehrer-Seminars gar keine Notiz mehr von ihm. Sie wies die kürzlich neu aufgenommenen Jünglinge (Obermeier und Neuburger) nicht nur zu keiner Prüfung in der Religion bei dem Rabbiner, sondern stellt es, ganz gegen die allerhöchste Verfügung vom 14. März 1844, den Seminaristen anheim, ob sie Unterricht bei ihm nehmen wollen. Die dem früheren Seminaristen ertheilte Note brachte fie gar nicht in Anschlag. Wir beklagen dies um der Sache willen, können jedoch nicht bedauern, wenn unsre angehenden Lehrer jedem Einfluß Wechslers auf ihre Berufsbildung entrückt werden. Aber warum läßt er sich diese Ungesetzlichkeit, diese Zurücksetzung gefallen? Wir antworten: gelte eö einem jüdischen Lehrer, einem jungen Rabbiner, einer Partei in einer Gemeinde rc. da sollten Advokaten und Lohnrößler in Bewegung gesetzt werden, aber einer christlichen Stelle entgegen treten? Nimmermehr. Im Uebrigen gehen wir hier »fleißig in die Schule, halten alljährlich unsere nmyD msn und freuen uns mit der größten Mehrheit einen so berühmten Rabbinen zu haben, der für uns fastet, für uns betet und für uns fromm ist und wofür wir gebührendermaßen mit guten Geschäften vom Himmel bedacht werden. Zn unsrer Synagoge geht alles den liebt,. Schien» rian, von unserer Religionsschule nehmen die Behörden so viel als keine Notiz und wenn bo emancipirt wird, sind wir auch darunter. Amen, so geschehe auch! Ein Unbärtiger.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.