Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1847)
- Date
- 1847-09-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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304 Aufzeichnungen eines reifenden Schullehrers. (Fortsetzung.) Das hiesige Gymnasium und die polytechnische Schule werden von mehreren isr. Jünglingen besucht. Sie erhalten auf höhere Anordnung Religionsunterricht in wöchentlich 2 Stunden von Seiten des Rabbiners, müssen aber die Kosten hiefür (60 ff. jährlich) selbst bestreiten. Unsere Regierung ist oft zärtlich für den isr. Religionsunterricht besorgt; es darf ihr aber nichts kosten. — Der zuständige Rabbiner hat aber seinen Sitz Ln dem eine Stunde entfernt liegenden Dorfe Kriegs ha der, welches 60 Gemeindeglieder, mit einer Religionsschule von nur 30 Kindern besucht, besitzt, die in einem kürzlich erst neu und zweckmäßig hcrgerichteten Lokale von dem Religionslehrer Hrn. Dachmann angemessenen Unterricht in täglich 4 Stunden erhalten. Dieses Lokal wurde min TiDbn1? verstiftet und konnte also nicht zweckmäßiger verwendet werden. Sehr befremdete es mich, in einem anständigen Wirthshaus eine echt jüdelnde Unterhaltung mit anhören Zu müssen. Lärmend und schreiend saßen modern gekleidete Leute bedeckten Hauptes um einen Tisch herum und stritten sich um eine Melodie, ob sie am ll"' od. 2"' gesungen werde. Endlich wurde der competenteste Richter der Vorsänger aus dem Garten zur Entscheidung herein geholt. In diesem Kreise fiel mir ein junger Mann von feinerm Benehmen auf. Ich erfuhr, daß es der Kaufmann Jakob Feucht war, in dessen schönem Hause der Prinz Luitpold mit Gemahlin bei letzten Revüe sich einlogirt und seinem Wirthe mit Zusendung seines und seiner hohen Gemahlin Bilvniß in köstlichem Rahmen nebst Handschreiben beehrt hatte. Ich ließ mir spater das schöne Haus nebst den Bildnissen zeigen. Man trifft überhaupt hier und in andern schwäbischen Dörfern herrliche Häuser von Juden erbaut und bewohnt. Aber die hiesigen Jsrae. Uten machen es nicht wie die HH. Augsburger; sie wollen nicht in Häusern von Cedern wohnen, während die Lade Gottes hinter Teppichen ruhet. Obgleich sich hier eine ziemlich schöne Synagoge befindet, die erst noch nicht lange durch Subsellien re. verschönert worden ist, so wollen sie gleichwohl eine neue großartige Synagoge an die Straße hin bauen und soll bereits hiezu ^ein durch freiwillige Gaben aufgebrachter Fond von 10,000 fl. vorhanden sein. — Es besteht hier ein Verein, der für jüdische Handwerkslchrlinge das Lehrgeld bezahlt und seit der langen Zeit seines Bestehens schon viel geleistet hat. — Hr. Rabbiner Guggenheimer, in den fünfziger Jahren stehend, genießt allgemeine Achtung. Er ist einer der ersten geprüften und deutschpredigenden Rabbiner gewesen, der auch viel über sich sprechen lassen mußte. SiWWredigten, die er frei und unabhängig vom Conccpt etwas zu rasch vorträgt, find gehaltreich. Die in der schwäbischen Synagogrnordnung angeordnete Confirmation hat er schon einigemal feierlich abgchalten. Die Kudern Rabbiner dieses Kreises ignoriren diese Bestimmung gänzlich. Eben zur Zeit meiner Anwesenheit hatte sich ein kleiner Federkrieg gegen ihn erhoben. Ein schöngeistiger Commis glaubte ihm eine öffentliche Rüge ertheilen zu müssen, weil er bei einem vorkommendcn Todesfall unaufgefordert keine Grabrede gehalten hatte. Herr Guggenheimer replizirte angemessen und mit Würde. Eine Duplik strich die Augsburger Zensur und man wollte sie durch die Münchner bringen. Ob cs gelang, hat für uns alle kein Interesse. In dem nahen St epp ach wohnen 40 Judenfamilien, welche eine alte verfallene dickbauchige Synagoge und eine von 16 Schülern besuchte Religionsschule haben. Doch haben alle Religionslehrcr dieses Kreises wenigstens 200 fl. Gehalt, während die Mittelfrankens in der Regel nur 150 fl. beziehen. Was Umsicht und Beharrlichkeit in jedem Gebiete vermögen, das beweist wieder der hiesige Religionslehrer Herr Laudenbachcr, mein theuerer Freund und früherer Seminargenosse. Seit 10 Jahren arbeitet er an der Zustandebringung einer vereinigten Schule; wiederholte mißlungene'Schritte bei der Gemeinde, den Schulbehörden, der Kreisregierung schreckten ihn nicht ab, immer wieder neue Versuche zu machen. Die Gemeinde hat sich endlich in ihrer großen Mehrheit dafür erklärt. — (Fortsetzung folgt.) Literarische Anzeige. Sehr bedeutende Preisermäßigung. Von nachstehenden Werken hat die Unterzeichnete Buchhandlung de» ganzen Verlag an sich gekauft und um dieselben auch den Minderbegüterten zugängig zu machen, den Ladenpreis von 3 Thlr. 15 Sgr. auf 1 Thlr 10 Sgr. Herabgesetzt, wofür sie durch jede Buchhandlung des In« u. Auslandes bezogen werden können. Einzeln genommen kosten dieselben: 1 Pleßner, Sal. Fest-Reden od. Fest-Vorbereitungsreden für Isr. auf alle Feste des Jahres. Berlin 1841 27 Bogen 8°. statt 2 Thlr, für 24 Sgr. 1 — — Confirmationsreden f. d. isr. Jugend. B er lin 1839 6» 12 Bogen statt Thlr 10 Sgr. 1 — — Trauungsreden f. Isr. 1839. 12 Bogen 8" statt V. Thlr. für 10 Sgr. Alle 3 Werke auf einmal genommen statt 3'/2 Thlr. für 10 Sgr. Die Reden des geistreichen und gelehrten Verfassers zeichnen sich durch Stärke der Ueberzeugung, durch Eifer für den Glauben und durch Wärme des Gefühls aus, und selbst die Gegner seiner Grundsätze gestehen seinen Vorträgen großen Eindruck zu. Diese werden immer eine unerschöpfliche Quelle v. Belehrung für Schule und Haus und von Anregung und Muster für Prediger u. Lehrer sein. Letzteren besonders dürften diese Schriften, so wie zu Geschenken für Confirmanden zu empfehlen sein. Buchhandlung von Emanuel Mai in Berlin. (Unter der Linde 58.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlnng tu Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.