Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1847)
- Date
- 1847-09-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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SOS ser natürliches Recht als Menschen sei, Theil zu nehmen an allen Vorteilen und Bürven der bürgerlichen Gesellschaft; denn darüber erhob sich nie ein Zweifel in uns, und die Aufklärung hat ihn glücklicher Weise nunmehr auch bei der christlichen Bevölkerung beseitigt, obschon Privatinteressen sich gar oft des Vorurtheils und Mißverstandes bedienen, und die öffentliche Anerkennung zurückdrängen; vielmehr ist diese große Wahrheit, der schönste Lehrsatz des Christenthums, schon so tief in das gesellschaftliche ^eben eingedrungen , daß wir uns nicht auf sie zu berufen nöthig haben vor einem König und einem Volke, die gemeinschaftlich sich entschlossen 'zeigen, den Prinzipien des Rechts und der Wahrheit zu huldigen; aber wohl haben wir uns gefragt, ob eine unterthänige Bitte um feierliche Anerkennung dieses natürlichen Rechts vereinbar ist mit der Wohlfahrt des Landes, so wie mit den übrigen Zeitverhältnissen, und erst nachdem wir dies mit aller möglichen Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit zu ergründen gesucht nnd nachdem unsere auf diese Prüfung gestützte Ueberzeugung die Frage bejaht, wagen wir es, dem Throne Ew. königl. Majestät mit der untertänigen Bitte zu nahen, den Beweggründen zu diesem Gesuch gnädige Aufmerksamkeit zu schenken. Die öffentliche Meinung hat nunmehr die religiöse Duldung als eine christliche Psticht anerkannt. Die falschen Begriffe von der Feindseligkeit der mosaischen Religion gegen das Christenthum, so wie von den das Gesammtleben gefährdenden Lehren ihrer Bekenner find gewichen. Viele Ursachen, die früher unter einigen Volksklasscn feindliche Gesinnungen gegen die mosaische Bevölke. rung veranlaßten, haben aufgehört. Die verschiedenen Glaubensbekenner respectircn die gegenseitige Gewissensfreiheit in dem Maße, als sie zur Einsicht gelangen, daß die Religionen Menschenliebe, freies Forschen und Sittlichkeit zum Ziele haben; bald find alle bereit, ihre früheren Zrrthümer, sowie ihre bessere Ueberzeugung einzugcstehen. Es ist daher wahrscheinlich, daß gerade jetzt, wo die Nation, gestützt auf das Vertrauen zu den edelsten Gesinnungen Ew. königl. Majestät und der Thätigkeit der Negierung für ihre wichtigste Angelegenheit entgegensehend, sich über alle Vorurtheile, Mißverständnisse und Bedenklichkeiten zu erheben sucht, welche durch Jahrhunderte die Entwicklung des Nationalgeistes in wahrer menschlicher Beziehung und in Rücksicht auf den gemeinsamen Nutzen aller Volksklassen gehemmt haben, das schwedische Volk bereit sein wird, den rechten Geist seiner Gesetze zu erkennen, unv vollständiges unv unbeschränktes Mitbürgerrecht auch den Landsleuten zu verleihen, die durch bisher geltende getrübte Begriffe über allgemeines Menschenrecht verurtheit find, ausgeschlossen zu bleiben vom Genüsse der werthvollsten Vortheile des bürgerlichen Lebens. Zn einem Augenblick von solcher Wichtigkeit, wo das schwedische Volk von seinen eigenen Zeitbedürf, niffen zu einer freimüthigen und vorurtheilsfreien Forschung in alle seine inneren Verhältnisse aufgefordert wird, wird die öffentliche Meinung die Unbilligkeit einer solchen Ausschließung beherzigen. Sie wird, bei Betrachtung des Strebens der mosaischen Bevölkerung nach Bildung und Sittlichkeit, so wie der Theilnahme für das Allgemeine, die sich selbst aus der hier begehrten Gleichstellung kund gibt, zur Erkenntniß gelangen, wie ungerecht es sei, diesen Theil der schwedischen Bevölkerung in einer so zurückgesetzten Stellung verharren zu lassen, so daß ihm sogar gesetzlich die Möglichkeit benommen ist, sich zu einer gleichen Stufe der Bildüng mit den übrigen schwedischen Unterthanen zu erheben. (Schluß folgt.) Jüdische Bettelei. Lehrerbesoldungen. (Aus Würtemberg.) -- Die Gemeinde Pflaumloch hat zu ihrem Synagogenbau einen Staatsbeitrag von 500 ff. erhalten. — Der Menschheit wie dem Judenthum sind wir schuldig, auf bezügliche allgemeine Gebrechen und deren Abhilfe in dieser so weit verbreiteten Zeitschrift aufmerksam zu machen. Würtemberg und höchst wahrscheinlich auch andere süddeutsche Länder wird seit Kurzem sehr häufig von vagirenden Israeliten Rheinbayerns, des Elsaßeö re. heimgesucht. Junge Leute beiderlei Gelchlechts, welche auf rechtliche Weise sich nähren, dem Mitmenschen wie dem Staat gleich nützlich sein könnten, bringen ihr Leben mit Bettel zu, fallen ihren Glaubensgenossen, welche sie auf ihren Wanderungen brandschatzen, sehr zur Last, oder schaden sonst empfindlich. So haben z. B. im Laufe dieses und letztern Monats solche Leute durch Hinterlassung von Faustpfändern — angebliche Diamantkreuze — leichtgläubige Leute in etlichen Orten Würtembergs, um bedeutende Summen geprellt. So entfernt diese Sache von uns zu liegen scheint, so nahe berührt sie uns. Es heißt eben „Juden" haben es gethan, nicht Deutsche, Franzosen rc. Die betreffenden Gemeindevorsteher, Rabbinen, Lehrer rc. könnten sich darum für Moralität, Menschheit und Judenthum große Verdienste erwerben wenn sie mit Einsicht und Energie dahin zu wirken suchten, ihre Mitbrüder an ansässige, solide Beschäftigungen eingewöhnen und dabei erhalten. — Bei nächstem ordentlichen Landtag soll auch das Schulgesetz revidirt werden. Es könnte für die Gemeinden wie für den Staat nur nützlich werden, wenn unter Andern auch die Einkünfte der israelitischen Lehrer durch Gehaltserhöhung und Aussetzung von Emolumenten verbessert würden. Denn so viel hat sich bis heute erwiesen, daß ein fleißiger sparsamer Familien-