Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1847)
- Date
- 1847-09-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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LSS gerade die reichste Lebensquelle, den Beden für jedwe-! den Fortschritt in sich, wenn wir cs nur so anffassen, wie es sich selbst in seinen Urkunden und seiner Geschichte tsinstellr. Hiernach rubet es einzig und allein auf dem Glauben an einen einzigen Gott, der da ehemals ein israelitisches Volk und später eine jüdische Religionsgemcinde und dieser auch ein Bewußtsein ihrer selbst und mit ihm Leben und unversiegbare Kraft zum Fortbestehen verlieh. Was sonst noch das geistige Leben jener Bekenner des einzigen Gottes in religiöser, sittlicher und politischer Beziehung ausmacht, war und blieb bedingt durch Zeit, Geschick, Lokalität und so vieles Andere, was den Entwicklungsprozeß der Menschen und Völker bedingt. — Diese Auffassung allein entgeht den Einwürfen des Juda Alpha cher, da sie, obgleich der Erscheinung des Judentdums man höhere und geschichtlich notk wendige -Berechtigung zuerkennt, doch dieses selbst auf seine einzige charakteristische Idee beschränkt und jede falsche Vermittelung zwischen ihm und seinen Urkunden, in welchen seine Erscheinung sich ausspricht, zurückweist. Und wahrlich es ist an der Zeit, daß wir mit der Wahrheit voll und entschieden hervortrcten, und namentlich sollte der geniale Gründer der historischen Schule hier mit einem muthvollen Beispiele vorangehen. Denn daß ihm wirklich das Unhaltbare seiner rationalistischen Bermittclungstheorie entgangen sei, vermögen wir kaum anzunehmen. Er mochte vielmehr gleich wie die christlichen Rationalisten, sich bei seiner Vermittelung mehr von dem Gedanken leiten lassen, daß auf diese Weise der Schrift ihr göttliches Ansehen mehr erhalten, die Reform in engere Verbindung mit ihr und der Geschichte betrachtet, und ihr dadurch leichterer Eingang verschafft würde. Aber es ist dieses nicht so. Unsere Zeit ist nicht mehr die des Ki mch i und Ra chm an ides, wo es, um vor der Verketzerung eines großen Lehrers abzumahnen, genügte, auf sein Leben nach dem Gesetze der Tradition, auf die literarischen Verdienste um dieselbe hinzuweisen; nein, unsere Zeit sieht sich, noch schärfer als Alphacher die Prinzipien des Mannes an, und sind diese dem unbefangenen Auge nicht talmud- und schriftgemäß, dann hilft keine Vermittelung, kein rationalistisches Unterscheiden und Verdecken mehr, sondern dann verurtheilt die orthodoxe Richtung, und ihr Urtheil ist auch ein wahres, begründetes, weil auf jenen. Seite die Wahrheit, die Begründung fehlt. — Darum entschieden heraus mir der Wahrheit in der Theorie sowohl, wie auf dem Gebiete der Praris und des Lebens. — Und wenn wir in letzterer Beziehung uns wieder an den einstigen Vorkämpfer des religiösen Fortschrittes wenden, so geschieht dieses nicht ebne das Gefühl aufrichtigen und schmerzlichrn Bedauerns. Geiger, das sind wir gewiß, wurde der Rabbinerversammlung eine viel weitere Grenze einraumen, wenn er nicht mit seinem eigentlichen und nächsten Wirken der Breslauer Gemeinde angebörle. Diese Stellung macht ihn ängstlich, ist Schuld daran, daß er auch von der Versammlung deutscher Rabbinen fordert, sie solle keine Reformen gut heißen, für welche die Gemeinden im Allgemeinen noch nicht empfänglich seien. Aber er har damit nicht Recht! Es soll vielmehr die Rabbinerversammlung durch ihre freien Aussprüche die Gemeinden auch weiter bringen, durch ihre moralische 'Autorität auch der Ucberzeugung der Entschiedenen und der vielen Schwankenden und im Vorwärtsschreiten Begriffenen Halt u. Vorschub geben. Und keine Gemeinde würde über das, was ihr Rabbiner im Vereine mit seinen Brüdern im Amte Freies ausspricht, demselben ihr Vertrauen entziehen, wenn er nur in seinem eignen Kresse sich von Zwang gegen seine Pflegbefoklenen frei hält, und sonst in seinem eignen Leben billige Rücksicht auf das noch herrschende Vorurtbeil nimmt.*) Namentlich würden wir es beklagen müssen, wenn die Ansicht von Geiger (tm neuesten Hefte seiner Zeitschrift), daß die vierte Rabbinervcrsammlung Betreffs der Speisegesetze sich auf die Beseitigung von usa, nnnyn, u. beschränken möge, Eingang fände. Dieses wird und kann keiner Partei genügen. **) sondern muß Unzufriedenheit und Erbitterung in allem Hervorrufen und noch mehr als es die in demselben Geiste gefaßten Sabb a th b e sch lüsse vermocht haben. — *) Dieses beweisen die Rabbinen Einhorn und Wechsler, welche in Beziehung auf die Sveisegesetze viel freiere Anträge für die vierte Rabbinerv.'rsammlnng gestellt haben, ohne daß ihnen deßhalb irgend eine Anfechtung Seitens ihrer Gemeinden wiederfahren wäre. — **) Over sollte es wirklich ein Publikum geben, vas auf die Beschlüsse der vierten Rabbinerversammluug die Äüchen-Resorm von ltl’3 (Fleisch-Ding und Milch-Ding) vornehme, nicht aber ein Gleiches in Beziehung auf ."Ill'klLt nrvto und selbst ni2-)ü thäte.