Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 38 (19.9.1847)
- Date
- 1847-09-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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29S dem sym bolisch en Zeitalter deS ersteren gekommen. Allein noch ist es sehr ungewiß, ob die Propheten eine andere Ansicht vom mosaischen Ceremonialgesetz hatten, oder auch nur daran dachten, daß dasselbe abrogirt werden könne; vielmehr läßt ihr Schelten auf die Uebertretcr der Speisegcsetze (Zes. 66, 17) sowie die ausführliche Betrachtung welche Ezechiel (Kap. 40—48) dem künftigen Tempel- und Operdienste widmet, das Gegentheil vermutben. Mit der Symbolik, welche aber Holdbeim Bäbr entlehnt und die den Grundgedanken seines Reformprinzips ausmachr, hat cs aber sein sehr Mißliches; denn erstens ist die Annahme, daß das Alterthum den religiösen Gedanken für sich gar nicht, sondern nur äußerlich und sinnlich, als Symbol, geschaut habe, unpsychologisch und unbistorisch;- unpsychologisch, weil der geist-'ge Eurwickelungsproceß, w'e wir ihn bei jedem Menschen wabrnekmen, nicht Gedanke und Bild, Geist und Phantasie, in der früheren Stufe, z. B. bei dem Kinde getrennt, sondern immer verbunden erscheinen läßt, so daß Gedanke und Bild immer zusammen sind, und zwar beide erst dunkel und unvollkommen, und nur allmählich klarer und vollkommener. — Aber auch unhistorisch ist jene Ansicht, da die Geschichte aller alten Völker eben sowohl von den ersten Religionsideen, zu welchem sich ihr Geist erhob, als von dem Ausdrucke, den sie denselben gegeben, zu berichten weiß. Am allerwenigsten stimmt jene Auffassung des Mosaismus mit den mosaischen Urkunden selbst überein, da diese nicht nur neben gar vielen Geboren den Zweck, und neben gar vielen Einrichtungen die Bedeutung hinstellen, sondern auch nicht selten Lehren über die Idee au sich, (z. B. über Gott und seine Eigenschaften) vortragen. Nicht minder batte Hold beim bas, was schon Voß und andere Gelehrten gegen die Kreuzer sche Symbolik eingewendet, vornehmlich aber der Umstand, daß die Symbolik von Bäbr und seinen Vorgängern auf christlichem Boden entstanden, um auf diese Weise dem Juden schon in der Heilsökononnc eine Stelle, aber doch nur eine vergängliche anzuweisen, abhalten sollen, sich nicht mit solcher Hingebung jenem S ysteme zuweudcu und auf seinem schwankenden Grunde das ganze Reformgebäude des jüdischen Lebens aufzmuhren. Da schlägt Geiger einen andern Weg ein. Judenlhum ist ihm der ganze tieje Gehalt der Idee von einem einigen und heiligen Gott, von der reinsten Menschenliebe, von der Fortdauer unseres Geistes und der immer zunehmenden und nicht vollkommen werdenden Veredlung unsres Geschlechts. Diese Idee konnte aber im Mosaismus noch nicht zur vollen Erscheinung kommen; sondern mußte nach dem Bedürfniß der damaligen Zeit sich noch mit manchen Formen umgeben, manche Hülle anlegen. Reiner und die Form als ein Unwesentliches proklamirend sei sie schon hervorgetreten im Mosaismus, während der Talmud durch seine Gesetzgläubigkeit sie wieder erstarrt bat. Doch stets sei sie das Bewegende und Treibende gewesen, was dem Judenthum seine Lebenskraft verliehen; ihr und den drängenden Ansprüchen des Lebens habe selbst das talmudische Zeitalter sich nicht entziehen können, wenn es sie auch nicht anerkannte, vielmehr jeden Fortschritt in das Wort der Schrift und die Aussprüche früherer Zeiten hineinlegte. Der Beruf der Gegenwart sei nun, die Idee von ihrem unangemessenen Ausdruck und der sie umklammernden Form zu befreien, und dem immer fortschreitenden Bewußtsein und dem Leben in seinen höheren sittlichen Ansprüchen gerecht zu werden, was denn auch Tradition im wahrhaften Sinne sei. — Diese Auffassung in der Hauptsache und was namentlich den Unterschied zwischen der Idee und ihrer Erscheinung betrifft, dem Rationalismus in der christlichen Kirche gleich, trifft denn auch der Vorwurf, welchen die neue spekulative Theologie dem rationalistischen Systeme macht, daß nämlich wenn man die Schrift unbefangen lese, ein solcher Unterschied nicht zugegeben werden könne, vielmehr das, was man Form und Erscheinung zu nennen beliebe, die Idee selbst treffe, die sich für sich als eine mangelhafte, unvollkommene, von falschen und phantastischen Vorstellungen erfüllte darstcllen, wie denn überhaupt jene Unterscheidung von dem kantischen Systeme, das so viel mit dem Dinge an sich und seiner Erscheinung zu tbun habe, veranlaßt worden, während die neue Philosophie mit Recht behauptet, daß die Form nur die versichtbare Idee und wiederum diese nur die verhüllte Form sei, beide aber sich nicht aufheben und beschränken, sondern vielmehr bedingen und ergänzen. — So muß denn auch die historische Schule, wie Geiger sein System nennt, sich vor den Angriffen des Juda Alp hach er flüchten! Aber darum geräth das Judenthum selbst nicht in Gefahr, sondern birgt