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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-25 · Heft 30 (25.7.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 30 (25.7.1847)
Date
1847-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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LL8 alle Zustände versetzen kann, und sie alle übersieht, so ist die Er. fahrung allein ihn zu belehren und zurechtzusctzcn im Stande. Jüdische Zustände. (Hamburg im Juli.) — Ich habe Ihnen über die jüdischen Zustände in Hamburg und Altona lange nicht geschrieben, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sich nichts zugetragen, was eines Berichtes werth gewesen wäre. Der Cbacham ety. mologisirt, eregetisirt, dogmatisirt nach wie vor, und die Gemeinde der Frauen „bleibt ganz dumm," nach wie vor. Salomon und Frankfurter predigen, jeder auf seine Weile, man kommt und hört, man erbauet, man langweilt sich, je nachdem der Redner und die Hörer gestimmt sind, man besucht und verläßt das Gotteshaus nach wie vor. -Herr Ettlinger in Altona halt zuweilen eine deutsche Rede, besucht die Mckwa sehr fleißig, stuoirt Talmud und Poskim, als wäre er in diesen Büchern noch Anfänger, nach wie vor. Herr Enoch redigirt den Zionswächtcr, freuet sich mit jedem Rückschritt in der Menschheit und möchte viel darum geben, wenn Israel bei seinen vielen Krebsschäden ganz und gar — zum Krebs würde, nach wie vor. Also was soll ich Ihnen schreiben! blos die politisch socialen Versammlungen bieten ei. niges Interesse dar, sie werden von Juden und Christen fleißig besucht, es werden daselbst mitunter recht interessante Reden gehalten — unsere Zeit ist ja in jeder Hinsicht eine beredte zu nen. nen — Männer von Ansehen und Bedeutung, deren Namen und Worte einen guten Klang haben, nehmen die Rechte der Juden in Schutz, sprechen sich für die Emancipation derselben unverholen aus, und fühlen und erkennen es, daß man uns unrecht thut. Jndeß das Gute und Bessere gedeihet auf unserem Boden sehr langsam, und im Ganzen ist alles noch nach wie vor. Blos die unter dem Name „der Jude" von Ed. Cohn redigirte Zeitschrift steht einer Metamorphose bevor, es soll dieses Blatt nämlich fortan der Phönix genannt werden in Israel, denn Christen kau« fcn und lesen leider! keine den jüdischen Interessen gewidmeten Blätter und Bögen. Ich fürchte nur, es gehet dem Blatte wie den jüdischen Patienten, die kurz nachdem sie — gebenscht werden — einen andern Namen erhalten — in der Regel sterben. Doch ich will den Teufel nicht an die Wand malen, und viel, mehr dem Wundervogel mit seinem goldenen Gefieder fröhlich entgegen sehen. Die Michael'sche Bibliothek hat noch immer keinen Käufer gefunden. Wenn wir sie doch hier behalten könnten! Der Katalog der hebr. Bücher erscheint nunmehr im Drucke, und dürfte wohl die Aufmerksamkeit der Kenner aus sich ziehen. Die Zahl der Jünger in unsrer Religiousschule wächst zwar, aber sehr mäßig und langsam, und ist mit der Zunahme der Schüler in Breslau und Berlin gar nicht zu vergleichen: n*n CP1? sagen die Alten; die Krämer- und Handelsstadt ist dem religiösen Elemente nicht eben sehr günstig, und die härtesten Strafreden hielten die Propheten an Sivon und Tyrus. Hoffnungen in Bayern. Aus Bayern im Juli.) — AIS ich in No. 25 d. B. das Bedenken las, das Sie, Herr Nevacteur der Nachricht von der allerhöchst gegebenen Erlaubnis zum Besuche der Nabbinerversammlung Seitens unsrer Rabbiner und der Hoffnungen, welche ich daran knüpfte, in einer Anmerkung hinznfügten, da hielt ich Sie doch für gar zu bedenklich und wenn ich sagen darf, für gar zu ungläubig. Ich muß nun aber selbst seine Richtigkeit, wenn auch nicht bezüglich der Hoffnungen, so doch bezüglich der Nachricht selbst einräumen. Sie war in den gelesensten, zenfirten, bayer'schen Blättern enthalten, man machte schon die Männer namhaft, welche die Rabbinerverfammlung besuchen werden und da man bekanntlich das gern glaubt, was man wünscht, so stand ich mit der Mittheilung dieser Nachricht nicht an. Die Erlaubniß zum Besuch der Rabbinerverfammlung ist bis jetzt aber weder nachgesucht, noch gegeben worden. Deshalb dürfen wir aber unsere Hoffnungen auf ein Besserwerden in unfern kirchlichen Derhältnissen durchaus nicht aufgebcn. Unser Cultusminister Herr v. Zurhein ist dem Fortschritt hold, das steht fest. Sprechender Zeuge dessen sind seine Reden beim letzten Landtag und er hat wiederholt sowohl der Münchner isr. Deputation wie einer solchen der Oberpfälzer Gemeinden erklärt, der Minister werde nicht anders sein wie der Reichsrath. Unsere Rabbinen sollten aber diesen guten Glauben um so mehr zu einem allgemeinen Ausdruck zu bringen suchen*), als bereits unsre Hyperorthodorcn bemüht sind, der besseren Richtung entgegen zu wirken. Mehr Thatkraft legen sie an den Tag, das muß man ihnen lassen. Jener durch seinen blinden Eifer wie durch seine Ignoranz bekannte Mann aus Franken, der schon so viel verdorben hat und nimmer ruhet, war in München thätig und hatte sich den allerneuesten, ich wollte sagen den allerjüngsten, mit Rednertalent begabten Rabbinern beigesellt, ob in einer speciellen Rabbinatsgeschichte oder ob zur Gegenwir. kung im Allgemeinen oder beides zugleich, vermochte ich nicht in Erfahrung zu bringen. Sie sind klug wie die Schlangen, diese Herren, aber nicht ohne Falsch wie die Tauben und verstehen es *) Herr Rabbiner Dr. Löwi in Fürth hat letzten Schebuoth die Confirmation in früherer feierlicher Weise wieder abgehalten.

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