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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-25 · Heft 30 (25.7.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 30 (25.7.1847)
Date
1847-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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sias, der sie nach Palästina zurückführen werde, um sich dort als unabhängige Nation neuerdings zu firiren, so hat er sich nicht blos unserer scherzweisen Empfehlung würdig, sondern vollkommen consequent gezeigt. Ob man auch dem Herrn Dr. Veit in Berlin gleiche Consequenz nachrühmen kann, der einerseits gegen den Entwurf eine löbliche, selbst schriftstellerische Thätigkeit entwickelt hat, uns anderseits unsren Empfohlenen protegirt, scheint fraglich. Es will uns nehmlich bedünken, als sei das Streben des Herrn Sachs mit dem des Gesetz-Entwurfes identisch, Absonderung und Zsolirung der Juden als Asiaten inmitten der europäischen Menschheit; hier freilich aus anerzogenem Borurtheil und Verachtung, bei ihm aus anerzogenem Vorurtheil und Dünkel, hier ein ausgestoßenes, bei ihm das auserwählte Volk, gemeinsames Feldgeschrei: Zion. Die Nomantik hatte sich in der traurigen, aber befruchtenden Regenzeit der Fremdherrschaft als ansteckender Miasm in den höheren geistigen Schichten Deutschlands entwickelt, wo sie nun als Krankheit einheimisch geworden, und von da aus höchst nachtheilig auf die nicht angegriffenen Theile des geistigen Lebens-, selbst des Staats-Organismus wirkt. Die warnende Stimme des alten, in Wort und Geist wie Lutherurkräftigen Voß ward hinweggefrömmelt und hinweggewitzelt, überwinselt und überhört. „Was wi'," schreibt er im Jahre 1819*), „mit unsrem Griesbach manchmal als flüchtige Modesucht, als ansteckenden Pips unter verdumpften Zärtlingen, die an ungewohnter Heitere sich verschnupft hatten, mitleidig belächelten, das kann, wenn nicht Einhalt geschieht, zu einer hartnäckigen Seuche sich verschlimmern, zu einer hinraffenden Geistcspest." Und im Jahre 1830 **): „Die Schmach des Napoleonschen Jochs war getilgt durch den begeisterten Kampf der Freiheit. Gemeinsame Roth, gemeinsame Rettung, hatte Deutschlands Völker in Bruderliebe vereint, es ruhte der Zwist eifersüchtiger Stände und Bekenntnisse; wir hofften Annäherung, bürgerliche Verträglichkeit billige Ausgleichung. Aber die Heiterkeit nach dem Sturm war falsch; verdächtige Nebel stiegen, womit noch die erfreuende Sonne zu ringen hat. re. Einstimmig mit den Vorschreiern protestantischer Denkfreiheit arbeiteten flisternde Politiker, die um Völkerruhe besorgt schienen, re. An Fürsten und ihre Gewaltigen drängte man sich mit treu besorglichen Wahrnehmungen, wie täglich die altdeutsche Redlichkeit sich vermindere. Das Volk schwatze von unmäßigen Auflagen und deren Gebrauch, von steigendem Uebermuth, von Verderbnissen der öffentlichen Haushaltung. Die schäm- *) Wie ward Friz Stolberg ein Unfreier? abgedruckt in Paulus, Sophronizon, H. 3' **) Bestät i gung der Stolbergischen Umtriebe. lose Aufklärung drohe, wie die Mysterien der Religion, auch die Staatsgeheimnisse zu entweihn. Würde das vorwitzige Klügeln nicht bald gebändigt, nicht bald einfältige Frömmigkeit hergestellt durch geistliche Macht; so sei es um den Thron geschehen, wie um die Stützen des Thrones, den Avel. rc. Auf dem historischen Grund des Mittelalters beruhe die Rechtmäßigkeit, wie des Reichshauptes, so aller zu Unterbefehl, ovcr zu Folgsamkeit, gebornen Reichsglieder, und wie der Mutierkirche, so der Töchter; auf dem historischen Grunde müsse gehegt unb gepflegt werden das heilige Sinnblümlein Lehr-, Wehr- und Nähr stand, re. Auf mein Wort, gutmüthige Lichtfreunve, in dem mystischen Nebel schleicht noch mancher schaafahnliche Wolf umher, re. In Deutschland war die Schule der Romantiker immer südländischer erhitzt, theilS durch Lechzen nach Ruhm, der bequem aus dem Modebüchlein sich schöpfen ließ, theils auch durch anderes als Kunstbedürfniß. rc. Wie hätte Stolberg in besseren Tugen mit uns gelacht zu den Abspurigkeiten dieser im Bettcltone psalmovischen Wildsänge! Und wie erstaunte ich bei der Wundermähr, daß Friedrich Leopold Stolberg in Verkehr war mit solcherlei lieber. läufern: mit einem politischen Romantiker der Tröst-Einsamlen, der den Auftrag einer diniehassenden Ritterschaft übernahm, abgestorbener Verdienste, unabsterbliche Vorrechte zu vertheidigen; und mit dem romantischen Politiker Adam Müller, der nicht viel Heller als sein Namensvetter, unser nur von Vornehmen geachteter Prophet, in die Zukunft blickt." rc. Auch seine im Jahre 1824 erschienene Antisymbolik brachte gleichen Stoff zum Nachdenken. Von „den mancherlei Mode-Mystikern, die in Religion, Poesie, Geschichtsforschung, Weltweisheit und Naturkunde, den gesunven Menschenverstand mir phantastischem Dunst umnebelten, und wovon mancher Nachmodelnde nicht wissen mochte, was er that*), beherbergt Berlin keine kleine Anzahl; die vormals ju. gendlichen Schwärmer sind nun ergraute Politiker, was sie immer angestrebt, haben sie wirklich erstrebt — Einfluß auf die Regiclungsangelcgenheiten. Dagegen vermögen wir nichts, und vertrauen überdies auf eine mächtige Bunvesgenossin, die Zeit. Wohl aber möchten wir beitragen, daß der romantische Schwindel nicht auch die Judenheit ergreife, daß diese keine erst ver Kraft und dann der Unkraft geweideten Prediger des Unverstandes, wie Zacharias Werner hervorbringe, und nicht innerhalb derselben zu der alten neue Verwirrung hinzukomme; und dagegen hoffen wir, werden die gemachten neuesten.Erfahrungen auch bei den romantischen Kunstgläubigen als wirksames Heilmittel dienen, denn da der Romantiker alles schon weiß, alles besser versteht, sich iu *) Ebendaselbst.

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