Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-25 · Heft 30 (25.7.1847) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 30 (25.7.1847)
Date
1847-07-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567129--2746-2570700
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

236 einziges, daß es dieselben seit Zähren mit der Sabbatbruhe bezeugt hätte. Und das beweist, daß diese Verbindung dieser Gedanken mit der Sabbathrube für Herrn vr. Holdheim ein Spiel reiner Willkühr ist." Letzterer Gedanke ist ernsthaft und ich werde ihn ernsthaft beantworten, alles frühere ist Spott. Aber was würden Sie dazu sagen, wenn ich Hrn. vr. Holdheim mit gleicher Münze dienen wollte? Das was Hr. vr. Holdheim (Protokolle S. 60 ff.) über das Wesen der Zeit, der Ewigkeit, der Gotteszeit u. s. w. sagt, ist sehr schön und tief, ob auch wahr, wollen wir dahingestellt sein lassen. „Aber die Verbindung dieser Gedanken mit der Sabbathrube, die Idee nämlich, daß diese Gedanken durch die Sabbathruhe bezeugt und symbolistrt werden, müssen wir der Originalität des vr. Holdbeim — oder richtiger des vr. Bähr, Symbolik des mosaischen Cultus II. S. 537 ff., welchem Holdbeim wörtlich folgt — als ibm zugcböriges Verdienst anrechnen." Wie wäre es, mein lieber Hr. Redacteur, wenn ich hier Alles, was Holdheim gegen mich vorbringt, wörtlich abschriebe und nur die Namen wechselte und vr. Hirsch, vr. Holdbeim oder Bähr setzte? So unrecht würde ich dabei nicht thun, wie sich jeder Leser leicht überzeugen kann. Und nun ernsthaft: Zst es Willkühr, wenn ich in einer Welt, wo immer noch des Nutzens wegen gearbeitet wird, wo also die Arbeit nicht selbst Genuß und sich selbst Lobn ist (und nur für eine solche ist der Sabbath als Tag; die andere ist ganz Sabbath) wenn ich in einer solchen Welt, durch die Nube am Sabbath, abgcseben von der sonstigen Feier desselben, die sittliche und nicht blos symbolische That vollfnhrt sebe, daß der Ruhende sich als Herrn über jeden Eigennutz, als freien Arbeiter und nicht als Lohudiener erweise? Zst cs nicht eine sittliche That, wenn ich auch dem verlockendsten Gewinn an diesem Tage entsage, um so mich zu bewahren, daß ich überhaupt nicht des Gewinnes wegen arbeite? Ist die Verbindung dieser That mit der Sabbathrube eine willkübrliche, d, h. äußerliche, oder ist nicht die Sabbathruhe, wie wir sie alle aus unserer Zugend noch kennen, diese That selbst? Ist diese Verbindung seit den Schöpfungstagen verborgen gewesen" und erst von mir erfunden, oder sagt nicht schon das alte rabbinische Wort: 73'jn rrrp 7D mry N’n tyia dasselbe? Freilich, wo am Sabbath blos deshalb geruhet wird, weil die Ruhe vorgeschricben ist, da ist sie träge Nube, Müssiggang und kaum eine religiöse Handlung zu neunen. Wo aber geruhet wird, um zu bezeugen, daß der Mensch Herr über den Gewinn der Arbeit ist, daß also dieser ihn nicht zum Arbeiten zwingen kann, daß also die Arbeit während der Wochentage auch nicht des Gewinnes, sondern des Berufes wegen geschiebet, da kann ich in der Rübe nicht leeren Müssiggang und nicht eine blos symbolische Handlung, aber auch nicht ein bloßes Mittel zur sonstigen Feier sehen, sondern sie ist, wenn irgend etwas eine sittliche That, eine Pflicht, die ich mir selbst schuldig bin, eine Uebung in der wahren Freiheit. Weder durch Spott, noch durch die willkübrliche Behauptung, dieser Gedanke sei von mir willkührlich mit dem Sabbath verknüpft, läßt sich dieser innere und wesentliche Zusammenhang dieser Zdee mit dem Sabbath znrückweisen; denn ein Zeder, der je am Sabbath auf eine gewinnbringende Arbeit verzichtet bat, diese sittliche That geübt, ist sich dieser seiner Freiheit über den Nutzen der Arbeit mehr oder minder deutlich bewußt geworden. Es thut mir wirklich leid, Herr Redacteur, daß Sie meiner Kritik der Protokolle der dritten Rabbinerversammlung keinen Raum in Jbrem Blatte gestatten konnten; ich habe dort manche Mißverständnisse zu beseitigen gesucht. Genehmigen Sie, mein lieber Freund, die Versicherung unbegrenzter Hochachtung von Ihrem Samuel Hirsch. Luxemburg, den 30. April 1847. Geschichte des Tages. Die Romantik. / (Frankfurt a. M. im Juli.) — Als man im Früh« fahre 1844 zu London damit umging, eine Gesellschaft zu dem Zwecke zu bilden, die Juden wieder als unabhängige Nation in; Palästina zu firnen, empfahlen wir derselben in diesen Blättern (I. 1844, No. 21,) unter andern Hrn. Sachs, zu jener Zeit in Prag, dermalen in Berlin, „um einen Zug nach dem gelobten Lande in Israel zu predigen, und sich solchem demnächst als , Felrprediger anzuschließen." Wenn es wahr ist, wie vielfach be«; hauptet wird, daß sich derselbe gegen einen einflußreichen christli« j chen Staatsmann oder Mann des christlichen Staates zu Berlin i aus Veranlassung des königl. preußischen Judengesetz-Entwurfes dahin geäußert, die Juden hoffen allen Ernstes auf einen Mes«

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.