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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-18 · Heft 29 (18.7.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 29 (18.7.1847)
Date
1847-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ZZ9 auf journalistischem Gebiete, welchem die Sammlung doch nur zuzuzählen, hören müssen, und es könnte wohl bei dieser Veranlassung an diese wieder erinnert werden. Es ist erklärlich, wie dies dem sonst sehr scharfsichtigen Herrn Verfasser der Biographie begegnen konnte; cest Ull vieux de la vieille, er kämpft selbst, wie auch aus den verschiedenen von ihm veröffentlichten, in den Anmerkungen angezogenen Brochüren zu entnehmen, seit länger als dreißig Zähren mit anerkennenswerther Beharrlichkeit für die Emancipation der Juden, setzt daher eine größere allgemeine Theilnahme als die wirklich vorhandene für diese Angelegenheit und deren Vertreter zum voraus. Das Recht heischt diese Emancipation, die Freiheit gebietet sie; ein Staat ohne vollständige Gewissensfreiheit weicht ab vom normalen Rechtszustande; wer an des letzten Herstellung arbeitet, macht sich nicht blos um die unter der Abweichung Leidenden, sondern überhaupt um den Staat, selbst um die Menschheit verdient, und nimmt überdies die höchste Achtung in Anspruch, wenn er, wie Rießer, „der Anwendung der hohen Lehren der Freiheit auf eine wenig beachtete Minderzahl ein ganzes reiches Leben weihet und in mancher Beziehung opfert." Dies allein macht ihn aber noch nicht zu einem Manne des Volks. „Viele deutsche Schriftsteller", heißt cs in der Biographie, „sind zu nennen, welche von diesem Standpunkte aus für das in den Inden verletzte Recht mit Kraft und Warme gekämpft; doch sind es drei, welche vor allen verdienen an die Spitze gestellt zu werden: Dohm, Börne und Rieß er." Der Geschichtschreiber mag nach den ihm vorliegenden Daten immerhin Dohm, welcher die Emancipation der Juden in Deutschland, vielleicht in Europa, zuerst ausführlich und fpeciell angeregt, Rießer, der sie so sehr gefördert, über Börne setzen, der sie nur beiläufig berührt; unwillkührlich aber vermag die Biographie nur diesen als „Volksmann" zu bezeichnen, was er, wie wir hinzufügen, nicht parceque, sondern quoique geworden. Daß wir es offen bekennen, das deutsche Volk scheint uns auch in der Jndenfrage der politischen Mündigkeit um vieles näher als vor zwanzig Jahren, keineswegs aber noch so weit vorgerückt, daß dem vorkämpfcnden Schriftsteller solche Werthschätzung von ihm zu Theil werden könnte. Börne hat auch in Beziehung auf diese Frage nachhaltiger ans das Volksbcwußtsein gewirkt als Rießer, weil seinen schaffenden Geist ein vollständiger Staats-Umbau beschäftigte, in welchem ein Ghetto keinen Raum mehr fand, während dieser sich auf den Nachweis beschränkte, daß ein solches dem vorhandenen, wie jedem künftigen Staatsgebäuve zur Unzier gereiche. Wenn aber die Biographie, um ihre paradoxe Grundlage zu stützen, aushebt, was Rießer gegen den Uebertritt zum christlichen Glaubensbekenntnisse gelegentlich äußerte, so müssen wir dies aufs Entschiedenste mißbilligen; wir hatten in diesen Acußerungen Rießcrs nie anderes als Flecken zu finden vermocht, geeignet den uns in seinen Schriften gebotenen klaren Spiegel feines reinen Gemüthes zu trüben. Der Herr Biograph scheint dieses selbst gefühlt zu haben, und fügt in einer Anmerkung hinzu, „daß es sich hier nur von denen handle, welche sich nicht auö Uebcrzeugung, sondern aus Interesse zum Religionswechscl bewegen lassen." Diese Phrase aber halten Wir darum für ganz falsch, weil sie nur zwei Motive zum Glaubenswechsel anerkennt, (religiöse) Neberzeugung oder (gemeines) Interesse, während es deren unzählige, darunter tadellose, ja höchst ehrenwerthe geben kann. Wie wir nicht mehr in den Zeiten leben, wo zum Ehristenthum übergetretcne Jurcn ihren früheren Glaubensgenossen durch Schriften und sonst zu schaden suchten, so ward gleich richtig für die Juden in den sie betreffenden Verhandlungen der preußischen Stände hervorgehoben, daß diejenigen, welche die jüdische GlaubenSgenossenschaft verlassen, darum nicht mehr aufhörten, von der Familie als ihr angehörig betrachtet und behandelt zu werden. Die Biographie stellt Börne „als Volkofreund im umfassendsten Sinne des Worts" dar, läßt „seinem redlichen Gemüthe" Recht widerfahren. Das schließt den Gedanken an gemeines Interesse aus, und man müßte nach jener Phrase annehmen, Börne habe aus Neberzeugung den Glauben gewechselt; eine Annahme, gegen welche dessen Leben. Wirken und Schritten das unverwerflichste Zeugnis' ablegen; er selbst hat, beiläufig bemerkt, die leibliche und gecstige jüdische Abstammung niemals verläugnet oder verläugnen können. — Die Biographie zählt uns selbst unabsichtlich zu einer Klasse Leute, welcher wir uns nicht anzugehören bewußt sind, nehmlich zu den „Dandics unter den jüdischen Glaubens, genossen," denen der Titel der Rießer'schcn Zeitschrcft: der Jude anstößig gewesen sein soll. Wir bekennen, daß auch uns derselbe höchlich mißfallen hat, nicht etwa weil diese Bezeichnung nach dem Cprachgebrauche eine wenig ehrenhafte Nebenbedeutung hat, der Inhalt des Blattes war am besten geeignet, sie vollständig wieder zu Ehren zu bringen. Wenn es vielmehr insbesondere darum zu thun sein mußte, für solches unter dem christlichen Publikum Leser zu finden, so war ein Titel schlecht gewählt, der dieses nothwendig mehr abstoßen als anziehen mußte. Wie wenige jüdische Leser würden nicht eine Zeitschrift finden, welche den Titel führte: Der Christ, unv weshalb sollte die Rießersche: „DerJude" eine verhältnißmäßig größere Anzahl christlicher Leser gefunden haben? Auch Sie waren bei der Wahl des Titels für Ihr Blatt unsres Dafür-

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