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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-18 · Heft 29 (18.7.1847) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 29 (18.7.1847)
Date
1847-07-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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228 Wahrheit so bestehende darzustellen, liegt allein schon des Verletzenden genug, was nicht meine Ansichten, sondern meinen Charakter antastet. Denn der müßte wohl der Schlechteste unter den Schlechten sein, der mit Absicht seine Gemeinde täuschte, der mit dem Heiligsten nur seinen Scherz triebe! Hr. Holdheim mag meine Vota tadeln, er mag meine Vorträge kritistren, aber er lasse mir — das möge er sich merken — den Charakter unangetastet; denn, was diesen betrifft, darf ich mit meinem ganzen Leben und Wirken die Vergleichung mit ihm nicht scheuen. Und was sollen denn gar jene kindischen Anspielungen bedeuten von „poetischen Ergüssen", „poetischen Launen" und dergl. mehr? Zst es ihm denn so völlig unmöglich, sich ein Gemüth zu denken, welches mit Wärme und Innigkeit die Religion umfaßt, ohne deshalb den freieren Gedanken in Beurtheilung der religiösen Zustände auszuschließen? Wenn mich Gott eines winzigen Strahles nur jener Himmelsflamme gewürdigt har, welche die Herzen für alles Hohe und Göttliche entzündet, ich will ihm dafür dankbar sein, so lang Odem in meiner Seele ist; wenn er mir von der heiligen Quelle nur ein kleines Bächlein in mein Feld gelenkt hat, ich will damit das mir zugewiesene Stückchen Land im Dienste Gottes und der Menschen freudig zu tränken suchen, so lange ich lebe. Mag Hrn. Holdheim die Poesie als ein Eindringling gelten, mag er ihr auf seinem Lebenswege wenig begegnet sein, mir soll sic auf dem mühevollen Pfade des Berufes eine tbeuere Begleiterin sein und bleiben. Und sollte nicht in der That die Religion von dem belebenden Hauche der Poesie sich lieber berührt fühlen, als von der Eiseshand secircnder Dialektik? Wohlan denn! Hr. Holdheim lasse mir die Poesie, ich lasse ihm die Dialektik, lpbm nsrn wy in*\x *). Leopold Stein. *) Herrn Holdheim hat es auch beliebt, meine in der dritten Rabbiner-Versammlung in Betreff der Sabbathverlegung gesprochenen wenigen Worte mit einem langen, unfreundlichen Commentar zu begleiten. Hierüber kurz nur Folgendes. Herr Holdheim har in der genannten Versammlung über den betreffenden Gegenstand nur wenige Worte gesprochen, — desto mehrere hat er in den Protokollen drucken lassen —, und auch wir glaubten uns deßhalb sehr kurz darüber fassen zu müssen. Nähere Ansichten über den Gegenstand habe ich in meinen beiden in Betreff der dritten R.-V. in der Allg. Ztg. d. Judenth. veröffentlichten Erklärungen niedergelegt. Da nun Hr. Holdheim auf diese nicht einging, so halte ich sein Raisonnemcnt einer besondern Widerlegung nicht für bedürftig. Anmerk. d. Eins. Geschichte -eS Tages. Die Männer des Volks, herausgegeben von 1Or. Eduard Duller, F. Lieferung, (B.2, Lief. 2,) Frankfurt a. M. Verlag von I. V. Meidinger, 1847. Gabriel Rießer von Jakob Weil. / (Frankfurt a. M. im Juni.) — Gehört Rießer unter die Männer des Volks? Die Frage hatte auch der Herr Verfasser seiner Biographie an sich gestellt, und diese beginnt mit einer rechtfertigenden Beantwortung. „Ein Mann des Volkes soll ein Kämpfer sein für Wahrheit, Recht und gesetzliche Freiheit." Ist aber jeder Kämpfer für Wahrheit, Recht und gesetzliche Freiheit darum Mann des Volkes, und ist jeder Mann des Volks Kämpfer für Wahrheit, Recht und gesetzliche Freiheit? Tausende haben gekämpft und gelitten für diese edlen Güter der Menschheit, und ihre Namen waren vom Volke nichl gekannt, und hat etwa Napoleon, dieser Mann seines Volkes, dessen Namen die Welt erfüllte, gekämpft für Wahrheit, Recht und gesetzliche Freiheit? Gar ein Mann des Volkes pur excelleuce „ohne vom Volke gekannt zu sein," scheint uns paradox, da wir nicht im Stande sind, uns einen Mann des Volks zu denken, der dem Volke unbekannt geblieben, selbst dem gebildeteren Theile desselben. Schlagen wir die hiesigen christlichen Einwohner auf 60,000 an; wie viele von ihnen kennen den Namen Rießer überhaupt, oder mehr als ganz oberflächlich? Vielleicht 60, gewiß nicht 100, und es dürfte, von der jüdischen Bevölkerung abgesehen, schwerlich auf 1000 Deutsche einer kommen, dem dieser Name bekannt wäre. Und doch müßte Rießer, wenn überhaupt ein Mann deö Volks, ein Mann des deutschen Volks sein, da weder er selbst noch der Herr Verfasser seiner Biographie das Vorhandensein eines jüdischen Volks in unserer Zeit zugeben werden. Nichts liegt uns ferner als die Absicht, dem großen Verdienste Rießers um unsre deutschen Glaubensgenossen die Anerkennung zu versagen, oder der Hoch-, achtung und Liebe, welche diese für ihn fühlen und so vielfach kund gegeben, und die wir im vollen Umfange theilen, Abbruch zu thun, und gleich wenig haben wir dagegen, daß eine Biographie desselben, eigentlich, wie es anders kaum möglich, eine Uebersicht seiner literarischen Wirksamkeit gegeben werde; allein in dieser Sammlung scheint sie nicht am Platze. Wenn Sie uns nun fragen, was denn am Ende daran gelegen, ob sie da oder sonstwo abgedruckt sei? so sagen wir, cs liegt allerdings daj ran, cs ist selbst nothwenvig, daß von befreundeter Seite eine > wohlgemeinte Rüge, je eher, desto besser, erfolge. Wie viel und 1 oft haben wir nicht schon von jüdischer Anmaßung, besonders

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