Mannheim
Compact Memory

Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-18 · Heft 29 (18.7.1847) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 29 (18.7.1847)
Date
1847-07-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2566751-2567098-2567128--2736-2570689
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SS7 seiner Ueberzeugung gemäß erkläre, es ohne Scheu aus« spreche, wo er den einfachen Wortstnn der Schrift nicht im Einklänge mit der talmudischen Erschwerung erkennt, das Andere aber, daß die talmudische Satzung im Leben entwurzelt zu werden verdiene, dem Ausspruch eines Rabbinenvcrcins überlasse. Hierin scheint mir nur Vernunft- und pflichtmäßiges Handeln zu liegen. Auch bei dem in Rede stehenden Falle mit der Spannader glaubte ich nicht anders verfahren zu dürfen. Als sich nun nach meinem betreff. Vortrage in der Gemeinde das Gerücht verbreitet hatte, der Rabbiner habe;m°i t: „mattir“ gewesen — eine Ausdrucksweise, die ich wohl durchaus nicht für die richtige halte, die aber der alten Anschauung gemäß einmal gang und gäbe ist, daß der Rabbine erlaubt („mattir ist") oder verbietet („assert") — so wäre es weit leichter, ja, es wäre nach dem Urtheile der Weltleute wobl auch klüger gewesen, zu schweigen, und das Lob, welches mir, privatim und öffentlich, über die Aushebung jenes Speiseverbotes gezollt worden, ruhig einzustecken. Ich will mir durchaus nichts zu Gute darauf thun, daß ick anders gehandelt. Von meinem Gewissen und der Liebe zur Wahrheit angetrieben, fühlte ich mich genöthigt, wenn ich auch im Voraus wohl wissen konnte, dadurch den Ultra's auf beiden Seiten nicht zu genügen, den wahren Sachverhalte, wie ich that, zu veröffentlichen. Hr. Hold heim nennt das Feigheit, während ich den Rabbinen einen Feigling nennen würde, der in eimr großen Gemeinde nicht den Math hätte, seinen eigenen Weg zu gehen, der sich gegen seine Uebcrzeugung einem der beiden Extreme unbedingt hingäbe. Zn meinem ersten Vortrage an die Gemeinde, hatte ich Veranlassung genommen zu bemerken, daß ich in dem Tadel der extremen Richtungen mein Lob sinden würde. Oder hindert vielleicht das Hrn. Hold heim, daß ich meine Mirtheilung in der allg. Z. des Judenthums mit der Bemerkung eröffnete, mein Vortrag habe bei dem orthodoxen Theile" der Gemeinde ungewöhnliche Sensation erregt? Run, so kann ich ihn versichern, daß ich auch in diesem seinem Tadel nur Lob für mich finden wurde. Denn, mag ein Rabbiner immerhin darauf verzichtet haben, dem altorthodoxen Thcile feiner Gemeinde zu Willen handeln zu können, immer bleibt er doch Rabbiner der ganzen Gemeinde, immer ist er doch auch jenem Theile für sein Reden und Handeln verantwortlich. War ich also der Ansicht, daß die hiesigen Orthodoxen im Rechte gegen mich gewesen wären, im Falle ich der unmittelbaren Znswerksetzung der betreffenden Reform das Wort geredet hätte, so freue ich mich, ihnen gegenüber mich erklärt zu haben, wenn gleich Jeder wohl zugeben muß, daß ich jenen Orthodoxen und ihrem sterilen Systeme in meinem erwähnten Aufsätze keineswegs Schmeichelworte gesagt habe. — Soviel von der Sache. Nun auch etwas von der Person. Denn, laßt uns einmal dieß Alles bei Seite setzen. Herr Holdheiin i st anderer Ansicht als ich, er glaubt steif, in der Erklärung einer Schriftstelle habe ein Rabbiner allerdings alle daraus resultirenden Reformen zur unmittelbaren Einführung ins Leben anempfohlen — gilt! er mag darüber immerhin streiten, die Finger dagegen nach Herzenslust in Bewegung setzen, aber wer gibt ihm ein Recht, mir der Faust um sich zu fahren? Kann Hr. Holdheim sich denn gar nicht von dem Gedanken trennen, daß nur seine Meinung die eines aufrichtigen Mannes sei, jede andere aber nothwendig als eine unwahre verdammt werden muffe? ist Hr. Holdheim ein katholischer Bischof, daß seine Ansicht alleinseligmachend wäre? ein Ketzerrichter, daß er Gesinnungen vor seinen Stuhl ladet? — Wie darf er Jemanden so leichthin der schweren Schuld zeihen, daß er mit Kanzel und Predigt, Gott und Gemeinde, nur seinen Scher; treibe? Er leibt in seinem Aufsatze zuerst meinen bittersten Gegnern Worte, voll hämischer Ironie, ja, Verdächtigung! das läßt mich kalt; das ist eine Angriffsweise, an die ich gewöhnt bin. wiewohl ich freilich Hrn. Holdheim für unwürdig zu halten glauben durfte, daß er solchen Gegnern sieb zum Wortführer anböte. Gleich darauf aber macht er Ernst; die den Gegnern in den Mund gelegten Gravamina adoptirt er als ferne eigenen Kinder, indem ihm meine Erklärung in der AUgem. Ztg. des Judemh. „wider"— wie viel Freundschaft liegt in diesem tiefgefühlten leider! - den augenscheinlichsten Beweis (hört!) gegeben habe, daß mein Vortrag nichts als eine poetische Spielerei sein sollte, und wie weit ich davon entfernt sei, mit der Reinigung der Religion auf den Grund meiner Ueberz-ugung Ernst zu machen " In diesen Worten, auch wenn sie nicht die Absicht hatten, die früheren mit geschickter Taktik Anderen in den Mund gelegten Beschuldigungen als ni

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.