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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-11 · Heft 28 (11.7.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 28 (11.7.1847)
Date
1847-07-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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SS4 später zu leiten. In einigen Jahren wäre denn ein wohlgeordneter Gottesdienst im ganzen Lande eingeführt. Von der nächsten Rabbiner-Versammlung in unserm Nachbarlaiwe hören wir noch wenig. Zu bedauern wäre es, wenn unser Kirchenrath Maier auch diesmal abgehalten wäre Theil an ihr zu nehmen. Wir wünschen vielmehr, daß sämmtliche wissenschasilich gebildete Rabbinen Würtcmbergs der R.'V. bciireten würden, damit ihre Protokolle in Würtemberg amtliche Autorität ansprechen können. — Dem Vernehmen nach, soll es den baierischen Rabbinen gestattet worden sein an der R. - B. Theil zu nehmen und Rabbiner Aub aus München soll seinen Beitritt schon angezcigt haben. — Den Theilnchmcrn der N.-V. dürfte es erwünscht sein, darauf aufmerksam gemacht zu werden, daß sehr viele Vagabunden, meist Polen, die jüdische Welt auf den Grund, wahrscheinlich erschlichener Zeugnisse , von achtbaren Rabbinen, in Contribution setzen und daß man zuletzt auf solche Zeugnisse durchaus keinen Werth mehr legt. Die verehrten Herren sollten bei Gelegenheit der R.-V. vertraulich die Sache besprechen ynd gegenseitig in der Erthcilung solcher Zeugnisse eine gewisse Norm festhalten. Es thate zuletzt Noth, man organifirte besondere Polenversorgungs-Anstalreu. Sorgen mir für unsere Arme, die gegenwärtig in trauriger Lage sind. 15 Der jüdische Kalender. In der Zeitung des Judcnthums vom 11. Juni Nr. 3 fordert Hr. Rabbiner Oppenheimer die Forscher auf, „ihren Blick zu richten auf die schwierigen, so zu sagen räthselhasten Punkte in der Geschichte des jüd. Kalenders die eines Alexanders bedurften, um eine. Losung hcrbeiführen zu können." Zu diesem Zwecke giebt er mit ungemeiner talmudischer Gelehrsamkeit das Wesentlichste, was im Talmud und in dessen Fortsetzern diesen Gegenstand, von AntigvnuS Sochcus , bis zu den Geonim, seit mehr als tausend Jahre, in verschiedenen Schulen und an verschiedenen Orten geäußert worden. Aus diesem gehet hervor, daß: Unter Andern die größte Meinungsverschiedenheit darin bestehet, ob nach Moses die Bestimmung der Feiertage nach astronomischer Berechnung oder nach dem Lichterscheinen des Mondes festgesetzt wurde. Letzte stützt ihre Angabe darauf, daß die Stelle, dieser Monat Hl tsnnn sei auch der Erste, sich nicht aus den Monat, sondern auf den Mond beziehe. Diese beiden Traditionen, nämlich die astronomische und die auroptische, zu vereinigen, wurde von späteren Lehrern, namentlich R.CHananel, BechaiundAvrabanel ausgesprochen: Unsere astronomische Berechnung als Geheimlehre H3i>n HO die uns von Propheten und von ausgezeichnetenLehrern bekannt gemacht wurde ist vonMoses überliefert, nebenbei aber die Mondbeobachtung als Accomodation an das Volk das in Ermangelung eines Kalenders daran das leichteste Kennzeichen hatte, beigegeben worden. Der Knoten wäre demnach zerhauen, aber nicht gelöst: denn beide sich widersprechende Traditionen, in 'eine zu vereinigen, widerstehet jeder besonnenen Kritik: da jede für sich selbst aller Wahrscheinlichkeit entbehrt. Die astronomische Zeit, d. h. der Lauf rer Sonne und des Mondes, wornach sich die Bestimmung der Feiertage zu richten hat, ist Gemeingut der ganzen Welt, und nicht von Gott an Einzelne als Geheimniß anvertraut worden, sondern Jedem ist Gelegenheit gegeben, und jedem Lehrer die Pflicht auferlcgt, sie zu beobachten, die Feiertage darnach zu bestimmen, und dem Volke bekannt zu machen; von der andern Seite ist dem Ausspruch: dieser Monat sei euch der Erste, die Deutung zu geben, Gott zeigte dem Moses den Neumond, und sprach: So sollt ihr ihn sehen und heiligen, und daraus folgern wollen: Ihr sollt euern Jahresanfang und Festrechnung nur nach dem Monde bestimmen, höchst gezwungen, und dem Sprachgebrauch zuwider. Aber wozu die vergebliche Mühe, einen Faden zu finden, um aus diesem rabbinischen Labyrinth zu kommen, und sich widersprechende Tradition erdenken, wo die offene schriftlich vor Gott gegebene Offenbarung uns den geraden, festgebahnten Weg vorzeichnet. Sehr richtig folgert Hr. Oppenheim: Wenn man nun diese verschiedenen Angaben und Behauptungen, die alle im Talmud ihre Beweise zu finden glauben, vergleichet, könnte man wirklich an die Lösung dieser Frage zweifeln, und wir müssen uns mit dem Aussuchen der historischgewissen begnügen: Es mag daher einem Laien erlaubt sein, als Aufmunterung für Theologen einen schwachen Beitrag zu dem Hiftorischgewissen zu liefern: Wenn wir in den Sinn der göttlichen Gesetze eindringen wollen, dürfen uns nicht zur Richtschnur dienen Gesetze und Gebräuche vergangener Jahrhunderte, in welchen wir unter verschiedenen Völkern lebten, von deren Sitten und Gebräuche immer etwas in unserer Nationalität zurückblieb, was vorzüglich bei unserer Kalenderrechnung sich Nachweisen läßt: Wir müssen an den Stand der Nation denken, in der sie sich zur Zeit des Auszugs aus Aegypten und der Gesetzgebung befand. (Schluß folgt.) Verlaa der I. C. Hermann'sche n Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offcubach.

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