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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-11 · Heft 28 (11.7.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 28 (11.7.1847)
Date
1847-07-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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SSL Schon im Herbste v. I. sollte es fertig sein! Bald werden wir uns abermals an der Frucht des Herbstes erfreuen, aber die Früchte der Arbeit jener Commisston scheinen auch dann noch nicht reif zu sein. In der kleinern Gemeinde Goldberg, wo der wackere Vorsteher Josephden Sinn für das Bessere immer mehr zu wecken fich uncrmüdet bestrebt, hat man einstweilen das Hamburger Tempelgebetbuch eingeführt. Holdheim macht augenblicklich seine letzte Inspektionsreise in Mecklenburg. Wir fteuen uns mit ihm, daß er bei dieser Gelegenheit noch einmal die Resultate seiner siebenjährigen Wirksamkeit überschauen und das frohe Bewußtsein mitnehmen kann, in dieser kurzen Zeit Außerordentliches geleistet, aus einem lange wüste und brach gelegenen Stück Landes, das er vorgefundcn, einen fruchtbaren Boden geschaffen zu haben, der, wenn sein Nachfolger gleichen Samen ausstreuet, eine recht reiche und gesegnete Ernte verspricht. Möge Einhorn die Erwartung rechtfertigen, die man hier von ihm hegt! Möge er, wie Holdheim, stets entschieden, freisinnig, muthvoll und wahr auftreten! Verschiedenes. (Vom Neckar, im Juni 1847.) — Im Brachmonate scheint auch das öffentliche Leben brach zu liegen; auf die schwäbischen Convulsionen und Cravalle ist eine Abspannung in allen Kreisen eingetreten. Die Maßregeln gegen die Theucrung beschäftigten die Regierung und die einsichtsvollen Bürger. Es ist Großes geleistet worden und besonders geschah des Guten viel in jüdischen Gemeinden. Der Staat hat dies auch anerkannt, da mehrere jüdische Gemeinden bedeutende Summen zur Unterstützung ihrer Armen von der Centralleitung des Wohlthätigkeitsvereins überwiesen bekamen. Auf besonderen Befehl des Königs ist ein Buß- und Bettag in allen Kirchen und Syna. gogen des Landes angeordnet worden. In den Spnagogen wurde er am Sabbath den 19. Juni d. I. begangen; der vorgeschriebene Text zur Predigt war: Klagelieder 3,22 bis 25.— Die Theuerung hat auch Veranlassung gegeben, daß die Königs. Israel. Oberkirchenbehörde dem Bezirksbeamten des Oberamts Neresheim, Herrn Oberamtmann Preu eine Belobung für sein unermüdetes Streben, die bürgerlichen und kirchlichen Verhältnisse der Israeliten seines Bezirks zu heben und zu fördern, hat zugehen lassen. Es ist diese Belobung freudig von der ohngefähr 1400 Seelen der israel. Bevölkerung des Bezirks begrüßt worden: denn besonders auch den Instruktionen unseres Bezirksbcamten an unfern Abgeordneten Holzinger haben wir es zuzuschreiben, daß derselbe die Sache der Juden in derKammer so warm vertrat. — Ausgangs dieses Jahres wird unser ordentlicher Landtag wieder eröffnet und die Revision des Judengesetzes vom Jahre 1828 wird berathen werden. Wir müssen fürchten das Beispiel norddeutscher Staaten könnte reactionar auf unsere Zustände wirken, da wenn auch unsere kirchlichen Zustände durch die Umsicht der Königl. Oberkirchenbehörde stets fich heben, doch unsere bürgerlichen noch im Argen liegen. — In einer der größten Gemeinden Würtembergs ist der Recurö gegen den Beschluß der israel. Oberkirchenbehörde, die das Amt des Vorsängers von dem des Katecheten nicht getrennt wissen will, an das Ministerium eingelegt worden. Im Interesse des Gottesdienstes wäre es sehr zu bedauern, wenn das Ministerium den Beschluß der Obcrkirchenbehörde aufheben würde. Mit großer Energie hat die Oberkirchenbehörde bis jetzt darauf hingewirkt, daß durch Lehre und verbesserten Gottesdienst, der den Anfodecungen der Zeit gemäß geregelt, zur Hebung des religiösen Gefühls viel beiträgt, das Institut der Winkel-Rabbis aufgehoben wurde, daS zur Verdummung des Volks viel beigetragen hat und jetzt sollte durch einen widersinnigen Wunsch einer durch besondere Umstände irregeführten Gemeinde das fast zwanzigjährige Streben der Besser - gesinnten aufgehoben werden. Es würde dahin kommen, daß jede Gemeinde sich einen besonderen Chas'n anstellen würde und wenn Lehrer und ihre Familien nicht von den Trillern und den disharmonischen Tonläufen des Borbeters satt werden, können sie verhungern. Und gegenüber der christlichen Kirche ist das Amt des Cantors und Lehrers stets vereinigt uni nur in größeren Städten ist eine Ausnahme von der Regel gestartet. — Allerdings muß auch zugestanden werden, daß noch wenige Lehrer die gehörige musikalische Bildung erlangt haben, um das Vorbeten nach dem geläuterten Geschmack der Jetztzeit zu versehen, es liegt dies aber in ihrer mangelhaften Ausbildung. Die Oberkirchenbehörde hat viele Hunderte darauf verwendet, daß das Porschen der Hinterviertel am Schlachtvieh bei uns eingeführt wurde. Was wurde damit erzielt? Die Hyperorthodoren essen auch das Geporschte nicht, die sogenannten Neuen haben die Gänse nngeschecht und das Fleisch ungcporfcht sich zu Gemüthe geführt und die einigen Wenigen vom religiösen ^uste-.VMieu hätten es auch machen können, wenn sie keinen geporschten Nierenbraten bekommen hätten. — Biel zweckmäßiger wäre es wenn man einige tüchtige Gcsanglehrer im Lande aufstellte, die in den größeren Gemeinden Synagogengesang und Männerchöre einführcn wurden. So viel musikalische Kenntnisse hätte jeder Lehrer, um die gut geübten Chöre

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