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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-11 · Heft 28 (11.7.1847) · page 6

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 28 (11.7.1847)
Date
1847-07-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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SSL von, ist der beste Beweis hiefür der Umstand, daß wir emancipirt sein wollen, daß wir keinen heißern Wunsch im Herzen tragen, als dem Wohle der Landes, in welchem unsre Wiege gestanden, woran wir mit allen Fasern unseres Gemüthcs hangen und das wir mit aller Kraft unsrer Seele lieben, alle unsere Kräfte und Fähigkeiten widmen zu können, und daß wir seit einer Reihe von Jahren keines der uns zu Gebote stehenden Mittel, die uns zu diesem Ziele führen könnten, unbenutzt gelassen haben." „Man sage aber nicht, «„dieser Wunsch zeuge von einer Gleichgültigkeit gegen die Religion!"" Man sage nicht: „„weil wir die Wohlthatcn der Emancipation genießen wollen, deßhalb setzen wir die Religion, die derselben entgegentritt, hintenan!"" Das wäre ein Vorwurf, den wir wahrlich! nicht verdienten. Denn wären wir gleichgültig gegen unfern jüdischen Glauben, eS würde unbegreiflich sein, wie wir anstehen könnten, denselben aufzugeben, da mit dem Austritte aus demselben und mit dem Uebertritte zu einem andern Bekenntnisse alle Schranken fallen und unverzüglich das Recht uns wird, wonach wir Verlangen tragen. Wir lieben vielmehr unsere Religion, trotzdem wir um ihretwillen noch viel zu dulden haben, auf das innigste, hangen treu ihr an und sind jedes Opfer, das sie von uns fordert, zu bringen bereit; wir lieben sie, weil wir in ihr Beruhigung und Befriedigung finden, aber erst, wenn man uns als gleichberechtigte und freie Bürger des Vaterlands anerkannt hat, find wir im Stande, allen Anforderungen zu genügen, welche sie an uns stellt. Wir theilen einen Glauben mit den Juden Frankreichs, Englands, Hollands, Belgiens und Kurhessens, und wie in diesen Ländern die Religion unsere Glaubensgenossen nicht hindert, gute, treue und nützliche Bürger zu fein und allen Pflichten und Aemtern, die man ihnen anvertraut, mit Eifer und Pünktlichkeit und zur Zuftiedenheit und zum Segen Aller obzuliegen: so enthält dieselbe Religion auch für uns kein Hinderniß, vielmehr ist sie es, welche die reinste Liebe zum Bater-!ande und die Anwendung aller unsrer Kräfte zum Wohle desselben von uns fordert. Möge die Zeit nicht mehr fern sein, wo man uns von der Theilnahme an dem Wirken und Streben für das Wohl unsers so theuern Vaterlandes, für das Wohl unserS geliebten Mecklenburgs, nicht länger zurückweiset'" Gestatten Sie mir nun, mich zu den kirchlichen Angelegenheiten zu wenden, und Ihnen auch über diese einen, wenn auch heute nur kurzen, Bericht zu geben. Vielleicht bin ich bald so glücklich, Ihnen mehrere und größere Resultate der Bestrebungen rcn Gottesdienst den Anforderungen des reinen Judenthums und der Gegenwart immer entsprechender einzurichten, mittheilen zu können. In einigen Gemeinden, namentlich Schwerin, Waren, Bützow und Goldberg, ist seit Ostern der dreijährige Cyclus eingeführt, das Institut des Methurgeman wicderhergestellt und die Haftarah in hebräischer Sprache aus dem Gotteshause geschwunden. Diese wird von dem Geistlichen deutsch vorgetragen, und wir rathen allen denjenigen, in und außerhalb der Rabbiner- Versammlung, welche dem deutschen Elemente in den Synagogen noch immer keine volle Berechtigung zuerkennen wollen, weil.... doch nein, nein, keine Gründe! einen vernünftigen Grund haben diese Leute für die Behauptung, daß die hebräische Sprache nimmer aus den jüdischen Gotteshäusern schwinden dürfe, nicht, und die unvernünftigen und albernen mag ich nicht niederschreiben— einem Sabbathgottesdienste in einer der obengenann. ten Gemeinden beizuwohnen, damit sie sich von dem wohlthuenden Eindruck überzeugen, welchen das verständliche Wort auf alle Gemüther hervorbringt, und daraus schließen, welcher heilsame Erfolg erst dann erzielt werden muß, wenn der ganze Gottesdienst in deutscher Sprache abgehalten wird; vielleicht legen sie alsdann ihren Jrrthum oder — Eigensinn ab. Daß mit Einführung der erwähnten Reformen zugleich die Wiederholung des Maftir-Abschnittes und an Festtagen u. f. w. das Ausheben zweier Thorah-Rollen weggefallen ist, versteht sich von selbst. In Folge der Einrichtung, die Vorträge aus dem Pentateuch ins Deutsche zu übersetzen, um den Zuhörern den Inhalt zugänglich zu machen, stellt es sich immer mehr heraus, wie wünschenswerth es sei, denselben nicht mehr 1S1D iPl ltP^nD, sondern nur mit angemessener Auswahl vorzulesen; läßt man die unerquicklichen und obscönen Stellen unübersetzt, so fragt das Auditorium mit Recht: Warum das, was man uns in verständlicher Sprache zu geben sich scheuet, dennoch in der Ursprache vortragen? Was wird damit bezweckt? Höchstens der Gottesdienst noch langweiliger ge. macht, als er leider schon ist. Wollte man sie aber übersetzen, so würden die Synagogen bei diesem Theile der Liturgie bald leer sein. Durften die Alten verordnen: "Ul JUtM* rwyo pwn nwyo l’tMinö so nehmen wir für uns das Recht in An. spruch, diese und ähnliche und alle die Gegenwart nicht mehr angehende und ansprechende Stellen ganz wegzulassen. Ein Theil des Gottesdienstes der R.-B. wäre somit, in mehren Gemeinden wenigstens, eingeführt; aber noch immer fehlt die Hauptsache — das deutsche Gebet. Ehe indeß das Gebetbuch erschienen, ist es, will man nicht der Willkühr Thür und Thor öffnen, kaum räthlich, damit anzufangen. Aber warum zögern die Herren Commissionsmitglieder mit der Herausgabe desselben so lange? Sind sie noch immer nicht einig?

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