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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-04 · Heft 27 (4.7.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 27 (4.7.1847)
Date
1847-07-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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S13 den-Emanzipation bringen könnte, so muß man sich sehr | vor Uebertreibungen und vor einer wirklich lächerlichen | Iudenangst hüten. I In Belgien, Holland und Frankreich sind die Au-! den emancipirt. Zn allen diesen Ländern hat man im Ganzen nur Vortheile von der Emanzipation verspürt. In Frankreich bezeugte der Minister Msrilhou im Jahre 1830 in der Pairskammer, auf vorhergegangene Befragung der Adminstrativ - Behörden, den Juden Folgendes : „In den öffentlichen Aemtern, wozu sie berufen, unter den Fahnen der Heere, in Wissenschaften, Kün» sten und in der Industrie haben sie in einem Vierreljabrbundert die Verleumdungen ihrer Gegner auf das Vollständigste Lügen gestraft." Schon früher hatte Napoleon ausgesprochen: Es giebt keine Bürgerkrone, welche die Juden nicht errungen. Auch in Deutschland sprechen sich die achtbarsten Männer, selbst Ständekammern, für die Emanzipation aus; die Stadt Berlin und mit ihr die meisten Städte haben gerade jetzt ihre Deputaten instrnirt, auf dem Preußischen Landtage dafür zu stimmen. Dies Alles erwägend, macht es auf mich wirklich einen traurigen Eindruck, wenn ich bedenke, daß wir in einem deutschen Ständesaale Das hören mußten, was der Referent am Schluffe seines Vortrages sagte. In England, Frankreich, Holland und andern zivilisirten Ländern räumt man unbedenklich den Juden Rechtsgleichheit ein. Weder in den Ständekammern, noch in Ministerien, denkt man daran, die Sache als etwas anzusehen, was das Wohl des Staates erschüttern könne. Aber dort entfaltet sich die eigene Nationalität zu einem blüthen- und früchtereichen Baume, in dessen Schatten alles Große und Herrliche gedeiht. Wandern Einzelne aus, so finden sie in anderen Welttheilen Kolonien des Heimathslandes und das Meiste wieder, was ihnen im Vaterlande lieb und werth war. Geht der Brite in die Fremde, so gebt das Hochgefühl von ganz Altengland mit ihm zu Schiffe, segelt mit ihm durch alle Meere und verläßt ihn nicht, wenn er in einem andern Reiche den Fuß an's Land setzt. Geht der Franzose über den Rhein, so geht mit ihm die Liebe zu dem „schönen Frankreich," das doch weit weniger schön, als unser Deutschland ist; und dies Gefühl macht ihn überall stolz. Wir aber lassen jährlich unzählige unserer Bürger auswandern in fremde Staaten. Ihre Kräfte geben dem Vaterlande verloren; sie finden nirgends eine deutsche Kolonie, nirgends eine deutsche Heimath wieder.! Die Meisten, die in das Ausland reisen, bemühen sich (ich habe es leider selbst gesehen), dort ihre deutsche Eigenthümlichkeit zurücktreten zu lassen, Viele geizen selbst zu Hause um die Gbre, mit einem Ausländer zu conversiren, seine Sprache zu radebrechen. Aber wenn wir unterdrückten Menschen ihre Rechte gewähren sollen, da thun wir, als ob der Staat in seinen Grundvesten wankend würde, als wenn Deutschland darunter zu Grunde gehe, wir sprechen es in einem Ständesaale aus: würden die Juden emanzipirt, so winke als letzter Stern der Hoffnung — Amerika. Und doch glaube ich nicht, daß der Referent, wenn der von ihm gefürchtete Fall eintreten sollte, sich dorthin wenden könnte; denn er fände ja dort wieder, was ihn von hier vertrieben — den emanzipirten Juden. Nein! die Hoffnungssterne, wonach er dann blicken müßte, liegen nach der entgegengesetzten Himmelsrichtung zu: nach Osten, an die Ufer der Weichsel oder Wolga müßte er seine Schritte wenden; denn dort befolgt man solche Grundsätze, wie er sie heute vertritt! — Geschichte des Tages. *) Weimarsche Landtags - Verhandlungen. (Schluß.) / (Frankfurt a. M. im Mai.) — Warum sollten wir es Ihnen nicht gestehen? Unser hat sich bei diesen Verhandlungen ein wehmüthiges Gefühl bemächtigt. Nicht wegen der Juden« fache; wir wissen den Borurtheilen, Privatrücksichten und Sonderintereffen Rechnung zu tragen, sind auch über den endlichen Ausgang unbesorgt und nicht im Zweifel, es handelt sich dabei nur um das Früher oder Später. Wie aber im Gebete sich die Mahomedamr gegen Mekka, die Zuden gegen Jerusalem kehren, so hatte man uns von früher Jugend gewöhnt, auf Weimar als auf die h. Stadt zu blicken, wo in Deutschland *) Wir bedauern, daß wir höchst interessante Mittheilungen aus Berlin, die Landtags-Verhandlungen über den Entwurf eines Judengesetzes betreffend, wegen der bekannten Bundes" Gesetzgebung nicht abdrucken lassen konnten. Redaerion.

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