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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-04 · Heft 27 (4.7.1847) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 27 (4.7.1847)
Date
1847-07-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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SLS rückstößt, sie sollten in Kreise eintreten, die man ihnen verschließt, sie sollten so sein, wie wir, die wir uns für bevorrechtet und besser achten. Man fragt den Gefangenen, der sich nach der Freiheit sehnt, nicht, warum er immer in seinem Kerker bleibe, noch den Vogel, der im Bauer eingeschlossen ist, warum er sich nicht unter das fröhliche Chor mische, welches eben fliegend am Fenster vorüberfliegt. Denken sie sich, meine Herren! wir würden genöthigt, unser Vaterland zu verlassen. Nähme uns ein anderes Land woblwollend in seine Arme auf, es würden, wenn wir selbst auch die deutsche Natur nicht verleugnen könnten, unsere Nachkommen sich bald dem neuen Vaterlande wie ursprüngliche Söhne desselben anschließen. Sie würden es aber nie, wenn man uns und wenn man sie wie Paria's behandelte, sie vielleicht daneben auf Beschäftigungen verwiese, welche leichter als andere Veranlassung geben zu sittlichen Entartungen, j. B. auf den Wucher, auf den Schacher. Dann wären sie ja bleibend auf sich selbst hingewiesen, sie würden und müßten, wenn nur ein Funke von Kraft noch in ihnen wäre, sich auf sich selbst zurückzicben, ihre Eigenthümlichkeit bewahren, aber nicht die reine ursprüngliche, sondern eine entartete. Um an einen gedachten Fall etwas Wirkliches anzuschließen, so weise ich auf Amerika hin. Dort werden die fremden Einwanderer, jedenfalls aber ihre Nachkommen, da man ihnen die Bürgerrechte nicht vorenthält, gute amerikanische Bürger. Dagegen leben deutsche Christen in der Türkei seit Jahrhunderten unterdrückt in ganz ähnlichen Zuständen, wie bei uns die Juden. Meint der Abg. Henß, daß es das von Geschlecht zu Geschlecht unvermischt fortfließende germanische Blut ist, welches unsere Stammesgenoffen uns dort in so trauriger Gestalt erscheinen läßt? Ich glaube kaum. Er sagt ferner: Warum verheirathen sich die Juden nicht mit Christen? und antwortet: Weil sie ihren Stamm rein erhalten, sich nicht an Deutsche anschließen wollen. Auch hier wäre zunächst zu fragen: Wer trägt die Schuld davon? und wie kann es anders werden? Allein es verhält sich auch nicht ganz so. Viele Juden heirathen allerdings Christinnen deshalb nicht, weil sie wünschen, daß ihre Frauen über religiöse Dinge ihre Anschauungsweise theilen. Und ganz derselbe Grund hält gewiß meistens die Christinnen ab, einem Juden die Hand zur Ehe zu reichen. Andere aber, und gerade die gebildeteren, vermeiden einen solchen Schritt, weil, nach der gegenwärtigen socialen und rechtlichen Stellung der Juden, ein ungleiches Verhältniß und störende Lebensbeziehungen zu Dritten die Folge sein würden, und ich glaube kaum, daß sie so ganz unrecht haben. So ist es auch gerade die jetzt an den Uebertritt zum Christenthume geknüpfte Erlangung äußerer Vortheile, welche häufig den edleren Juden von diesem Schritte abhält. Blicken wir aber nach diesem geschichtlichen Rückblick auf den gegenwärtigen sittlichen Zustand der Juden zurück! Sind sie denn wirklich sittlich so entwürdigt, wie man gewöhnlich sagt? und sind sie im Verlaufe der Zeit gar nicht vorgeschritten? Meine Herren! ich glaube aus eigener Erfahrung den sittlichen Zustand der Juden recht genau zu kennen. Ich fetttie unter ihnen manche wirklich edle und vortreffliche Menschen, deren Charakter den Christen als Vorbild dienen kann; ich weiß ferner, daß der Mehrzahl der Juden neben vorherrschenden Fehlern auch vorherrschende Tugenden eigen sind, z. B. Mäßigkeit, Wohlthätigkeilssinn, eheliche Treue, größere Gewissenhaftigkeit bei Eidesableistungen, Folgsamkeit gegen Gesetze. Dabei verkenne ich nicht die korrespondirenden Fehler Vieler, worunter der durch die lange Unterdrückung hervorgerufene Mangel an Selbst- und Ehrgefühl, als die Mutter der übrigen, voranstcht. Aber im Ganzen ist auch hier ein Fortschritt nicht zu verkennen. Dies bestätigen auch die an die Landes- Direktion erstatteten Berichte eines tüchtigen Geschäftsmannes, der mit vieler Kenntniß des Lebens, besonders der jüdischen Verhältnisse, auch einen gerechten und humanen Sinn verbindet, ich meine den Justiz-Amtmann Zwez, früher in Lengsfeld, jetzt in Ticfenort. Und dann, meine Herren, übersehen wir doch bei dieser Frage den Balken im eigenen Auge nicht. Aus allen diesen Gründen stimme ich für Das, was mir von der Humanität, dem Christenthum, dem Recht und der Politik geboten scheint, für vollständige Emanzipation, werde mich aber, wenn die Mehrzahl im Landtage einen nicht so raschen Uebergang wünscht, auch dem Eingangs gedachten Mittelweg anschließen. Spricht man von den Gefahren, welche die In-

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