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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-07-04 · Heft 27 (4.7.1847) · page 3

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 27 (4.7.1847)
Date
1847-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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211 und der Irrwahn der Zeit die Ursache davon in dem Aufenthalte der Juden suchte? Soll ich Sie daran erinnern, wie Kaiser Sigismund allen Juden den dritten Pfennig abforderte? wie ein anderer Fürst einem Juden jeden Tag einen Zahn ausziehen ließ, bis dieser endlich am neunten Tage die verlangte Summe zahlte? Es wird nicht nöthig sein fortzufahren; wollte man erschöpfend sein, so könnte man mit solchen Beispielen ein ganzes Buch füllen. Vergegenwärtigen Sie sich nun noch, wie den Juden im Mittelalter kein anderer Erwerbszweig gestattet wurde, als Wucher und Handel, und ich glaube, es liegt der Beweis klar vor, daß es den Juden von Anfang an fast unmöglich gemacht worden ist, sich mit uns zu vereinigen, es liegt der Beweis vor, daß es fast keinen allgemeineren Fehler der Juden giebt, worin wir nicht ihre vortrefflichen Lehrmeister gewesen wären. Wenn die Geschichte uns Das, was ist, erst recht erkennen lehrt, wenn sie uns zeigt, wie es geworden und damit die Zukunft deutend sagt, waS wir handelnd sollen und dürfen, so, glaube ich, liegt klar vor, daß wir die Juden, rechtlich uns gleichstellend, Gerechtigkeit üben, zugleich aber auch klug und in unserm Interesse handeln. Damit betreten wir den einzig möglichen Weg, um die unverkennbaren Fähigkeiten und Talente der Juden uns ganz anzueignen, sie aus den schlüpfrigen Nebenwegen, wohin sie gedrängt, auf die Allen gangbare Straße zu führen. Man liebt nur ein Vaterland, das uns liebt, man wohnt nur gerne in der Heimath, die uns nicht von sich stoßen will. Dies beachte man, und die in Zeiten der Unterdrückung entstandene Verunstaltung des Messias-Glaubens, welcher in seiner Reinheit nichts ist, als der auch uns bekannte Satz: „Es wird ein Hirt und eine Herde sein!" wird bald verschwinden. Man gebe den Juden im vollen Sinne des Wortes ein Vaterland, welches sie mit liebenden Armen aufnimmt, und der ersehnte Messias ist da! Es versteht sich, daß man dabei nicht blos an das Nächste denken und nicht erwarten darf, daß Fehler, die im Laufe der Jahrhunderte eingeprägt und eingeimpft worden sind, nun mit einem Male, wie durch den Druck einer Maschinerie, verschwinden werden. Die Antipathie, welche wir noch jetzt meistens gegen die Juden haben, die Geneigtheit, sie im Rechte und in den geselligen Beziehungen zurückzusetzen, ist, wenn wir recht zusehen, nichts Anderes, als der Rest einer aus dem Mittelalter herübergekommenen, fortgeerbten, mit der Muttermilch eingesogenen, instinktartig gewordenen, inhumanen Gesinnung, worunter die Juden so lange gelitten. Ich glaube, dies sagen zu können, weil ich mich selbst aus früherer Zeit nicht rein davon weiß. In späterer Zeit bin ich fast nie auf einen gewöhnlichen Schacherjuden gestoßen, ohne daß er mir die Unbildm vor die Seele geführt hätte, welche unsere Vorfahren an den seinigen begangen, und ohne daß mir eine Mahnung geworden wäre, wie die jetzt lebenden Geschlechter Das wieder gut zu machen haben, was die früheren gesündigt, um die Menschenwürde da wiederherzustellen, wo andere Menschen sie bis auf den letzten Rest zu unterdrücken bemüht gewesen sind. Was die Vergleichung mit den Waldensern und ähnlichen Verfolgten soll, sehe ich nicht recht ein. Sie haben eine Zeit lang gegen Druck und Verfolgung kämpfen müssen, warm aber vor dieser Zeit und auch später wieder gleichberechtigt mit den übrigen Bewohnern des Landes. Die Juden aber habm wir in Deutschland nicht einen Augenblick im Genuß voller Rechte gesehen. Und gleichwohl, meine Herren! haben die Juden, denen man immer vorrückt, sie seien keine Dmtfche, für deutsche National - Unternehmungen schon oft Gut und Blut gesteuert, und haben durch hervorragende Talente einen so wesentlichen Antheil gmommen an der deutschm Kulturgeschichte. Da sind sie Deutsche, da nehmen wir die Arbeit ihrer Geister auf, eignm sie uns an, aber, wenn sie Rechte haben wollen, sind sie keine Deutsche. Wenn der Abg. Henß bei dieser Gelegenheit der Leibeigenschaft erwähnt, so spricht dieser Vergleich gerade recht entschieden gegen ihn. Die leibeigenen Bauern brüteten in dumpfer Niedergeschlagenheit in Deutschland dahin. Man nahm ihnen ihre Fesseln, und sofort begann eine regere Entwickelung. Die Juden aber sind bis jetzt bei uns halb rechtlos; die Scheidewand besteht noch, wodurch sie nicht sich selbst zu einem besonder« Körper im Staate machen, nein! wodurch sie dazu gemacht werden. Ich finde es begreiflich, daß Jemand daran zweifeln kann, ob sie, rechtlich uns gleichgestellt, schnell ihre Eigmthümlichkeit aufgeben, und sich uns anschließen werden; aber das klingt mir fast wie Hohn, daß man verlangt, sie sollten ein Vaterland als das ihrige lieben, das sie zu-

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