Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1847)
- Date
- 1847-06-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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205 Allgemeinen soviel Werth auf das frische, fortschreitende Leben legt, dem todtcn Buchstaben gegenüber. Das in unseren jüdischen Schulen gesetzlich eingeführte Religionsbuch kennt keinen verwerflichen, unstttlichen Grundsatz; es heißt da u. a. 22) Bekennen sich denn nicht alle Menschen zu Einer Religion? Rein; über die Art der Gottesverehrung sind die Menschen nicht einerlei Meinung. Es giebt also verschiedene Religionen, die aber alle Einen Gott und Schöpfer anerkennen, der nur das Wohl seiner Geschöpfe will. Daher lehren auch unsere Weisen: „Die Frommen aller Nationen haben Antheil an der zukünftigen Welt, d. h., gelangen zur ewigen Seligkeit. " „Denn hochgepriesen ist mein Name unter den Nationen, von Sonnenaufgang bis zum Untergang; allenthalben wird meinem Namen geopfert und geräuchert und mit reiner Andacht geopfert, spricht der Herr des Weltalls." 3) Von den Pflichten gegen unsere Neben m e n sch e n. 201) Wie drückt sich die heilige Schrift über die Pflichten aus, die wir gegen unsere Nebenmenschen zu beobachten haben? „Es ist dir gesagt, o Mensch, was gut ist, und was der Herr von dir fordert, nämlich: Gerechtigkeit ausüben, Treue und Wohlthun pflegen, und in stiller Demuth wandeln vor deinem Gott." „Du sollst deinen Nächsten lieben, so wie du dich selbst liebst. Ich der Ewige (befehle es dir)!" 202) Machen diese Pflichten auch einen wesentlichen Theil unserer heil. Religion, aus? Allerdings sind sie das; die Liebe des Nächsten ist die Grundlage aller Gesetze und fließt unmittelbar aus der Liebe zu Gott. 203) Mache mir begreiflich, wie die Liebe des Nächsten mit der Liebe zu Gott verbunden ist? Wer Gott aufrichtig liebt und ehret, der liebt auch alle diejenigen, die Er nach Seinem Ebenbilde erschaffen und zur Vollkommenheit und Glückseligkeit bestimmt hat. „Zbr seid Kinder des Ewigen, eures Gottes." Welches rechtschaffene Kind aber wird nicht gerne mit allen Kräften dazu beitragen, daß seine Brüder sich Wohlbefinden können, und daß der sie alle liebende Vater an dem Wohlergehen seiner Kinder Freude haben möge. 204) Und wie müssen wir, nach der Erklärung unserer Weisen, den Ausdruck der Bibel verstehen, wo es heißt. „Den Ewigen, deinen Gott, sollst du lieben und ihm anhangen?" „Das heißt: du sollst deinem Gotte nachahmen und Werke der Gnade und Barmherzigkeit üben; wie Er ist crbarmungsvoll, so sei auch du barmherzig; wie Er ist wohlwollend, sei auch du wohlwollend; Er ist aügürig, so erstrecke sich auch dein Erbarmen über alle Seine Geschöpfe." 205) Wie drückt sich ferner der Talmud darüber aus, daß die Liebe des Nächsten die Grundlage aller Gesetze sei? Rabbi Akiba (einer der vorzüglichsten unserer Ge setzlehrer) pflegte zu sagen: „Ter Hauptgrundsatz unserer Religion ist in dem Gebote selbst enthalten: Liebe Deinen Nächsten wie drch selbst.'" Ilnd als einst ein Heide unfern großen Lehrer -piu lel über die jüdische Religion befragte und in wenig Worten wissen wollte, worin sie eigentlich bestände, antwortete ihm Hillcl: „Thue deinem Nächsten nicht, was du nicht willst, daß man dir thue? Hierauf beruhet das ganze Gesetz; alles Uebrige ist nur der Kommentar oder eine Folge davon." (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Weimarsche Landtags - Verhandlungen. (Fortsetzung, s. Nr. 24.) / (Frankfurt a. M., im Mai.) - Wir müssen rcrmuthen, daß der Wahlmovus im Großherzoglhnme Weimar ein höchst freisinniger directer ist, wir wüßten uns sonst die vielen gewöhnlichen Physiognomien nicht zu erklären, denen wir wie unter den Spaziergängern in Gölhe's Faust unter den Rednern des dorngen Landtags begegnen, oder wovon ihre Aeußernnzen bei dieser Gelegenheit uns das Spiegelbild zurückwerfen. Ihre Leser mögen selbst urtheilen. Hr. Thümmler beginnt damit sich zu wundern, daß das „längst schon fast in allen Tagesblättern eine Nolle spielende Won: Emanzipation der Juden, auch bis in diesen Saal gedrungen, es ist ihnen wohl noch nie so viel Toleranz zu Theil worden,;tJ gerade jetzt in einem Jahrhunderte, und doch sind sie uie'u ,.ncre-