Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 25 (20.6.1847)
- Date
- 1847-06-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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199 über eine Bürgschaft seines Fortgangs auf der Bahn des Lichts und wurde darum seine Berufung zu diesem Posten überall, wo Volksbildung noch ein Folio hat, und dieser Kreis ist groß, freudig begrüßt, so hat er gleich durch die verordnungsmäßige Erklärung beim Antritte seines hohen Amtes, daß auch unser Kirchen- und Schulwesen zu seinem Departement ressortirt, jener kränkenden Jgnorirung der jüdischen Sachen, welche sich unter dem Minister v. Abel zeigte, die Spitze abgebrochen. Man sah doch, daß unser gedacht wurde. Aber die günstige Wendung unsrer Sache zeigt sich neben minder wichtigen Erscheinungen am herrlichsten in der Nachricht von München v. 14. d. M. daß unfern Rabbinern, welche die Erlaubniß zum Besuche der deutschen Rabbinerversammlung in Mannheim höhern Orts nachsuchen, diese erhalten *) nun ist cs klar, daß man den Fortschritt, die Reform in unserem Kirchenwesen will, und an unsern Rabbinen ist es von dieser Erlaubniß recht zahlreich Gebrauch zu machen und den günstigen Zeitpunkt zu nützen, um mit Umsicht und Mäßigung die nöthigen Schritte ins Leben zu setzen. Nunmehr kann man sich nicht mehr mit der bisher gerechten Einwendung decken: es sind uns die Hände gebunden. In den größern Gemeinden fühlt man das Bedurftüß der Reform und auch die kleinern, in welchen doch immer eine achtungswerthe Minorität sie wünscht, werden bald Nachkommen, wenn nur von oben ein anderer Wind geht und die politische Stellung eine bessere wird. Dieser hochwichtigen Nachricht, die nach den bisherigen Vorgängen, bei der Menge unsrer tüchtigen Rabbiner und der vielen Gemeinden in unserem Vaterlande, von mächtiger Wirkung auf den Fortgang der Reform sein wird, und die sich bereits in der Kleinlautigkeit unserer Hyperorthodoren zeigt, deren etliche vielleicht in der nächsten Zeit eine andere Sprache, als die bisherige führen werden — dem Staate gegenüber resp. der Gewalt, wissen sie gar gut der Zeit Rechnung zu stehen — will ich noch einige minder wichtige Vorkommnisse berichtlich beifügen. — Zn Mittelfranken starb ein alter Rabbiner. Der Rabbinatsverband ward aufgelöst. Institutionen, die den Mammon in Anspruch nehmen, aufzuheben, dazu sind unsre frommen Landgemeinden gar bereitwillig. Da hat denn eine solche Gemeinde unter allen Rabbinern des Landes keinen finden können, der bigott und alt genug war — letztres war das Hauptverdienst — an den sie sich anschließen mochte und wählte daher *) Wir vermögen nicht die großen Hoffnungen unseres Correspondenten und namentlich die, welche er an die Erlaubniß zum Besuch der R. - B. knüpft, zu theilen. Die Red. aus der Ferne einen solchen, der allerdings ausschließlich jenes Verdienst befaß. Die k. Kreisregierung machte aber kurzen Prozeß und organisirte die Sache nach Maßgabe der Verbindungswege und der Entfernung. Da schreien sie denn über verletzte Gewissensfteiheit und vergessen, wie ihr Gewissen und ihre Freiheit der Leitung und Beaufsichtigung bedürfen. Weiland bei der Organisation des Schulwesens gings auch so und ging gut. — Hört es ferner: Unsre Frommen akkomodiren sich ganz den Zeiterscheinungen. Läßt sich der Rabbi Wolf Hamburger in Fürth lithographiren und in alle Welt versenden. Mag man auch über die Verdienste dieses Mannes nicht in das Horn seiner Lobhudler stoßen, immerhin hat er roch in der Welt etwas geleistet, er ist alt, jene Eitelkeit ist verzeihlich. Da kommt denn nun aber sein Schüler, der Rabbinatsverweser Wechsler in Schwabach und läßt sich, jedoch «ohne sein Wissen" gleichfalls lithographiren. "Wieder ohne sein Wissen," sendet er die allerliebste Lithographie, in der der schwarze Doppelbart das Schönste sein soll an die Lehrer seines Distrikts, um sie Stück für Stück 12 kr. zu colportiren. Run wenn Wechsler fürchtet, seine Verdienste möchten einst vergessen werden, die wohlconservirenden Wohnstuben von zwei Landleuten zu Mindebach, dreien zu Georgensgemünd und von fünfen zu Roth bei Schwabach werden die Bürgschaften seiner Unsterblichkeit bewahren bis in Olims Zeiten. — Durch allerhöchstes Rescript ist den jüdischen Irren der Besuch der neuen öffentlichen Irrenanstalt zu Erlangen gestattet und find daher Synagogen-Collekten überall veranstaltet worden. Durch frühern allerh. Erlaß sind die Zuchthäuser den jüdischen Züchtlingen mit gleicher Berechtigung geöffnet und Geistliche in der Person der zuständigen Rabbiner ihnen bestellt worden. Nunmehr man die Narren und Spitzbuben emanzipirt hat, wird man endlich auch an die Emanzipation der Gescheidten und Braven gehen! — Kürzlich kam uns der Jahresbericht über den Stand devr. Brentano'schen Erziehungsinstituts in Fürth zu Gesicht. Hr. vr. Brentano, einer der wenigen wissenschaftlich gebildeten jüdischen Pädagogen in Bayern, bespricht darin das Berhältniß der häuslichen zur öffentlichen Erziehung und bedauern wir, daß sich derselbe gegen seine frühern derartigen Arbeiten gar zu kurz gefaßt hat. Das Institut selbst zählt dermalen 65 Zöglinge, darunter mehrere Auswärtige und steht in und außer Fürth in großem Renomme. — Schließen will ich mit einem Denkmal der Liebe und Dankbarkeit, das wir hier den Manen eines hingegangenen Biedermannes setzen wollen. Hr. v. Gumppenberg, welcher als Abgeordneter bei dem letzten Landtag die Sache der Juden so eiftig führte, welcher insbesondere dem wiffenfchaftli-