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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-06-13 · Heft 24 (13.6.1847) · page 4

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 24 (13.6.1847)
Date
1847-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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188 schäftigt, und insbesondere über die bekannte Seherin vonPrevost geschrieben haben; in welchem Sinne wissen wir n cht, und können so aus seinem in Rede stehenden Vortrage nur vermuthen, daß er einen naturphilosophischen mystischromantischen Standpunkt ein, nimmt. Dieser Standpunkt ist kein eigentlich philosophischer, von welchem Begründung des Vordersatzes und Folgerichtigkeit des Schlusses, überhaupt was man Logik nennt, verlangt werden dürfte; in diese Schnürbrust ist der Kieser'sche Vortrag nicht eingezwängt; wir wollen dies durch einige Belege erläutern. „Im Bienenstöcke", heißt es daselbst, „diesem noch unübertroffenen Kunstwerke der Staatseinrichtung nach den weisesten Naturgesetzen, können nicht Wespen und Fliegen leben, nicht einmal wilde Bienen, die den wahren äußerlich fast ganz ähnlich sind; sie können nicht die Sit. ten nnd Eigenthümlichkeiten der Bienen annehmen und nicht die Rechte der Dienen haben; und so kann kein Jude als solcher, im christlichen Staate gedeihen und organisches Glied desselben werden, also nicht die politischen Rechte der Christen erhalten." Später finden wir: „Der einzelne Jude nimmt mit Recht, da auch er Mensch ist, gleich dem einzelnen Christen, die humanste Behandlung, selbst im Superlativ, in Anspruch." Ist aber der Jude Mensch wie der Christ, so sind beide entweder Bienen oder sie sind beide Wespen und Fliegen, eine und dieselbe Gattung Geschöpfe kann unmöglich zweien ganz verschiedenen Gattungen assimilirt werden wollen. Ein Philosoph des vorigen Jahrhunderts, z. B., wäre mit seiner nüchternen Logik umgekehrt zu folgendem prosaischen Schlüsse gekommen: sind Christen und Juden Menschen und im Gleichnisse Bienen, so müssen sie die Sitten und Eigenthümlichkeiten der Dienen annehmen und die Rechte der Bienen haben. Ist der Bienenstock der Bienenstaat, so können nur die Bienen wilde genannt werden, welche nicht im Stocke oder Staate leben, etwa wie, um vom menschlichen Staate ein Gleichniß herzunehmen, Indianer, Buschmänner re., und waren überdies die ersten Bienen nvthwendig wilde, wie es auch die ersten Menschen waren, denn der Staat als solcher ist ein Begriff und eine Folge der Civilisation, kein Postulat a priori, der christliche Staat zumal, von welchem Hr. Kiefer bei seinen Schlußfolgerungen ausgeht, ist eine von der schmiegsamen Sophi« stik für die furchtsame Politik gemachte Abstraetion a posteriori, und im Bienenstöcke, in „diesem, noch unübertroffenen Kunstwerke der Staatseinrichtung nach den weisesten Naturgesetzen," wie wir vermuthen, ganz unbekannt. Oder hätte vielleicht Hr. Dr. Kiefer Kunde wie von den Sitten, der Etik, so auch von dem Glauben der Bienen? gäbe es etwa somnambüle, gar clairvoyante Bienen? — Ein anderes Beispiel. Der Vortrag bezeichnet die Juden als „das erste Volk der Erde, das vom Polytheismus der heidnischen Umgebung sich zum Monotheismus, von der allgemeinern Form der Naturreligion sich zur besonderen, der geoffenbarien Religion, erhob," als einen „in der alten Welt ehrwürdigen, hocherlcuchteten Menschcnstamm." Nichts desto weniger sollen sie nicht Bür« gcr eines christlichen Staates sein können, wofür, wie es im Vor. trage heißt, „zum Beweise nur ein schlagendes Beispiel" genom. men werden soll. „Ist nämlich der Jude ein ächter Jude, glaubt er, als solcher, wie er mnß, an die Lehren und moralischen Vor, schristen seines Gesetzgebers im alten Testamente und an die sitt« lichen Vorbilder seiner Erzväter: so ist ihm jeder Nichtjude ein Fremder, dessen Eigenthum er, der von Gott allein Begünstigte, sich aneignen darf. Man hat diese Glaubenslehren als talmudisch und apokryph läugnen wollen. Aber dies Sittengcbot liegt, wenn auch nicht wörtlich, doch faktisch ausgesprochen in der Handlung ihres Erzvaters Jakob, als derselbe seinem Bruder Esau den Se« gen des Vaters Isaak, wodurch allein derJnvenstaat groß wurde, betrügerisch entwendete, ohne für diesen durch Betrug am eigenen Bruder erschlichenen Segen vom Herrn bestraft zu werden. Der Judengott selbst sanktionirte also den Betrug und den dadurch erlangten Segen, und was am Bruder erlaubt ist, ist es noch mehr an jedem Fremden. Dasselbe Sitteugesetz sprach Moses aus, als er den aus Aegypten, welches die Fremdlinge mehrerer Menschen« alter hindurch gastlich (?) gepflegt hatte, in das gelobte Land der Verheißung ziehenden Juden befahl, die silbernen Kleinodien ihrer Wirthe mit sich fortzuführen, was nach unseren christlichen Ansich, ten „stehlen" heißt. Ich wünschte hier auf dieser geschichtlichm Basis widerlegt werden zu können, um andere Ansichten und Fol. gerungen, als die gegebenen, auszusprechen. Aber bloßes Läugnen ist keine Widerlegung. Auch sind diese Beispiele aus der Zeit vor der mit der Zerstörung Jerusalems eingetretenen Judenzerstreuung und der Verfolgungen, die allerdings den Charakter der Juden noch verändert haben. Glaubt dagegen der Jude nicht mehr an den Gott des alten Testamentes, nicht mehr an seine Erzväter Abraham, Isaak und Jakob, nicht mehr an Moses und dessen Ge« setze, an Salomo mit seinen 300 heidnischen Weibern: so ist er nicht mehr Jude, und er usnrpirt nur den Namen dieses durch Alter in der Geschichte ehrwürdigen Geschlechts; er kann aber, so lange er sich Jude nennt, nicht als Christ im christlichen Staate behandelt und demselben gleichgestellt werden." Also das erste Volk der Erde, der hocherleuchtete Menschenstamm, das ehrwürdige Geschlecht war schon im Uranfange — Diebesgcsindel, und was Hr. Kiefer glaubt, daß aus demselben geworden seit der Zer. streuung und den Verfolgungen, die dessen „Charakter noch verändert haben," hat er zwar die Artigkeit gehabt, nicht zu sagen, man darf jedoch annehmen, daß, wenn ihm die chrwüidigen, hoch« erleuchteten Juden der alten Welt nichts gewesen als Diebe, ihm

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