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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-06-06 · Heft 23 (6.6.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 23 (6.6.1847)
Date
1847-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ISA drS Jahrgangs 1646, und nachznwrisen, daß jede an die Religionsausübung geknüpfte politische Unterscheidung früher oder später auch für anvere, als die man dabei im Auge gehabt, unberechenbare Nachtheile im Gefolge habe, so der erwähnte Art. 16, der B. A. für die katholischen Dessiventen. Wir können nicht erwarten, daß so vielfach beschäftigt, wie wir vermuthen, daß Hr. Henß ist, er Ihr Blatt lese, wiewohl er aus demselben, wenn es ihm darum zu thun wäre seine Ansichten über Juden und Judenthum vielfach berichtigen könnte: allein jene einzelnen Blätter dürften Sic ihm dennoch überwachen, vielleicht ist er im Stande denselben einige Augenblicke und Aufmerksamkeit zu schenken. Trotz aller Klagen der französischen Blätter über den Einfluß der sogenannten epiciers, was wir Spießbürger nennen, auf die Cabinets- Politik, haben wir dieselben in der Dcputirtenkammer noch nicht unmittelbar vertreten gesehen, vielmehr finden wir den tiers-vtut die dour^evisll-, dort durch Banquiers, Fabrikanten, Mrlitairs, Gutsbesitzer, Gelehrte re. rcpräsentirt. In Deutschland hatte das Spießbiiegerthum schon seit den Befreiungskriegen thcilweise einen andern äußern Anstrich bekommen; es hatte den Zopf aufgebunden und die Haare frei und lang herabhängen lassen, an Wirthstafcln und auf Dierbänkcn tapfer gegen das Ausland gefochten: überhaupt das Modegewaud der Zeit angelegt. Die Juli-Revolution stimmte es wie diese selbst um; es fing an sich politisch reif unv parlamentarisch befähigt zu glauben, weil es die couranten Ansichten zu begreifen im Staude war, es fehlte ihm nicht an Mirabeaus unv der Talleyrands war cs gewärtig. Diese unsere beiläufige Bemerkung steht zu Herrn Henß nicht in unmittelbarer : Beziehung, in welchem wir nichts weniger als einen Spießbürger zu erblicken vermögen, der uns viclmehr derjenigen Gattung von Männern anzngchörcn scheint, denen, wenn auch im Besitze einer allgemeinen Bildung, doch die Durchbildung abgeht, welche allein zur politischen Reife gelangen läßt, denen so viele Begriffe fehlen, Laß sie nothwenvig zuweilen einseitig erscheinen, die das, was sie in ihrem gewöhnlich engen Kreise wahrzunehmen Gelegenheit gehabt, als Produkt gereifter Welterfahrung ansehcn, auf welche Verhältnisse und Umgebung so mächtig einwirken, daß sie eigentlich nur wiedergeben, was sie empfangen und wie sie es empfangen, welche häufig das Gewöhnliche für das Wahre, daS Triviale für das Verständige halten, und denen endlich zunächst daran gelegen ist von der Menge begriffen zu werden. Darum aber sind solche Männer auch in Etändeversammlunzen nicht unbrauchbar, selbst von Nutzen, wo es sich um rein prakt.sche Dinge handelt. So ist in dem Bericht des Herrn Henß alles, was über jüdische Religion unv Geschichte, über Staat und Volk gesagt wird, unverdaurt und unbedeutend, was vom jüdischen Charakter, aus seiner zufälligen Bekanntschaft mit Landjuden geschöpft, was gegen Erweiterung der politischen und bürgerlichen Rechte der Juden, seiner Erziehung und Stellung zuzuschreiben, dagegen was er hinsichtlich des für dieselben angesprochenen Uebersievelungsrechts selbst gegen den Willen der Gemeinden vorbringt, das besonders Praktische, nicht gleich unerheblich. Zn dem vielen Anomalen, das die eigenthümlichen Verhältnisse rer Juden zur Erscheinung bringen, gehört auch, daß man sie eben so wenig an den Orten, wo sie wohnen, entbehren, als au denen, wo sie nichr wohnen, aufnehmen zu wollen pflegt; letzten solche auszudringen, dürfte werer räthlich noch ausführbar sein; hierüber muß der Gemeinte wie bei jeder Ausnahme eines neuen Gemcindeglieves die Entscheidung überlassen bleiben; Ucbersievclungsrecht für die Wei- Marschen Juden wie für jeden Staatsbürger, jedoch an die Zustimmung der Gemeinde geknüpft, wohin die Ucbersiedelung geschehen soll; ein mebres kann billig nicht verlangt werden.*) Um zu unserem Herrn Henß zurück unv zum Schluffe zu kommen, stellt sich derselbe im Ganzen nach unserer Probirnadcl als ein der liberalen Opposition angehöriger Volks- und Bewegungsmann, auch deutscher Patriot dar; hat sie nicht richtig gezeigt, so legen wir sie bei Seile, mit andern Worten, von Ihrer Rückäußerung hängt es ab, ob die Fortsetzung folgt. Landtags - Verhandlungen. (Berlin, im Mai.) — Die Sauckensche Motion ist bei der Curie der drei Stände am 19. und 20. d. M. zur Verhandlung gekommen, und wir haben alle Ursache mit vem Resultate zufrieden zu sein. Nach der Zusammensetzung der Curie war nicht zu erwarten, daß von solcher vollständige Gewissensfreiheit wie in der französischen konstitnirenden Versammlung mit einem male proklamirt werde, und die dafür vorhandene imposante Minorität von 15S gegen 319 war schon mehr als zu erwarten stand. Aber Hr. Eichhorn ist mit seiner gehaltenen Rede oder Vorlesung total durchgefallen. Hr. Graf von Schwerin redete offen- *) Dieses ist auch nicht geschehen, sondern nur die Aufhebung der besonders besonders beschränkenden Bestimmung der Juvenfrage verlangt, nach welcher eine solche Uebersievelung nur durch einen von zwei Dritt'aeilcn sämmtlicher stiminsäh'gen Einwohner gefaßten förmlichen Geineinvebe'chl'uß, rem aber auch die Landesdirektion die Genehmigung versagen kann, erfolgen darf. Diese Beschränkung, auf die keinen von Handwerken übeisetzten unv vem Handel im Großen nicht günstigen Ortschaften ist um so beklagenswerther, weil sie gerade der wessen Absicht des Gestzes, die Juden für Betreibung von bürgerlichen Gewerben und einem solideren Handel zu gewinnen, am stärksten entgegen wirkt.

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