Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1847)
- Date
- 1847-06-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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184 bar im Geiste der Mehrheit, wenn er ihm erwiederte: „der Herr Minister hat uns in einer längeren Rede den Standpunkt ausein« andergesetzt, den die Regierung in dieser wichtigen Frage einnimmt. Es hat mir nicht gelingen wollen, ich bedaure es aufrichtig, seiner Gedaukenentwickelung folgen zu können. Wahrscheinlich trägt die Entfernung meines Sitzes die Schuld davon. Nur eine Bemerkung , in welcher sich, wie ich glaube, aber auch der Kern der Entwickelung des Hrn. Ministers zusammendrängt, darf ich nicht unberührt lassen. Der Herr Minister hat behauptet, es würde als ein Akt des Zndifferentismus und der Gleichgültigkeit angesehen werden, wenn die Versammlung den Beschluß fassen wollte, zu bitten, daß die jetzigen Bestimmungen des Gesetzes, wonach nur Angehörige der drei christlichen anerkannten Kirchen ständische Rechte ausüben können, gestrichen oder modisicirt werden. Ich bestreite nicht, daß es so vielfach angesehen werden wird; das kann mich aber nicht irren in dem, was ich für Recht und Pflicht halte. Ich muß ferner zugestehen, daß es der Zndifferentismus sein kann, der diese Forderung stellt, daß es aber der Zndifferentismus und die Gleichgültigkeit sein muß, die sie stellt, das bestreite ich auf das allerentfchiedenste. Ich würde die Ueberzeugung verleugnen müssen, von der mein ganzes Leben getragen wird, wenn ich diese Schlußfolgerung anerkennen wollte; ich bin vielmehr der Ueberzeugung, daß aus dem tiefsten Innern des christlichen Bewußtseins heraus diese Forderung gestellt werden kann, ja ich möchte fast sagen, gestellt werden muß. (Zustimmung von vielen Seiten). Das Christenthum braucht, meiner Anschaunng nach, zu seiner Entwickelung keine andere Unterstützung als die ihm innewohnende Kraft der Wahrheit und der Liebe. Es muß allein dieser Macht vertrauen und von sich abweisen jede andere äußere Stütze. Der Staat aber beruht auf andern Grundlagen, die Sphäre des Staats ist Recht, Gesetz und Sitte, und je fester man von der Ueberzeugung als Christ durchdrungen ist, daß das Christenthum eben alle Verhältnisse heiligen und durchleuchten muß, je mehr wird man den Grundsatz anerkennen müssen, daß es auch für den Staat nicht gleichgültig sein kann, wie viel oder wie wenig Christenthum vorhanden ist. Das bedingt aber durchaus nicht, daß er sich seine Sphäre so begränzen soll, daß staatsbürgerliche Rechte nur geübt werden können von solchen, die dem Christenthume zugethan sind, und ich bin eben darum im Grundsätze ganz vollständig mit dem einverstanden, was der Abgeordnete von Crefeld gesagt hat: daß staatsbürgerliche Rechte nicht abhängig gemacht werden können von dem religiösen Glauben. Ich bin aber auch der Meinung, daß es nicht zweckmäßig ist, uns in unserer heutigen Berathung über die Gränze der christlichen Religion hinaus zu begeben. schon heute auch diejenigen Bürger des preußischen Staates ins Auge zu fassen, welche eben der christlichen Religion nicht angehörig find, und zwar aus dem Grunde, weil wir auf diesen Punkt noch bei einer andern Gelegenheit wieder zurückzukommen haben werden. Wir würden unserer Berathung über die königliche Proposition, die uns vorliegt, präjudiziren, wenn wir schon heute auch über diese Frage entscheiden wollten. Ich bin daher der Ueberzeugung, daß man sich im Wesentlichen nur dem, was wie ich glaube, die Abtheilung gewollt, anschließen kann.« Die vierte Rabbiner-Versammlung. (Offenbach, im Mai.) — Sicheren Nachrichten gemäß, ist dieser Tage die höchste Bewilligung zur Abhaltung der vierten Rabbiner - Versammlung zu Mannheim daselbst angelangt. Sobald eine offizielle Mittheilung hierüber dem Ausschüsse der diesjährigen Versammlung wird zugegangen sein, werden sich dessen Mitglieder in Mannheim versammeln, die ferner» Schritte berathen und die geeignete Aufforderung zur Anmeldung veröffentlichen. vr. S. F o r m st e ch e r. Gedichte von Ludwig Wihl. *) 1. Ich bin der Hirsch, der nach der Quelle lechzet. Die an dem Berge Sinai entsprungen. Der Jäger hat den flüchtigen umrungen. Er flieht und flieht und seufzet tief und ächzet. Wann kommt der Tag, wo seine Flucht zu Ende, Wo er zur Rastung darf sich niederlegen. Daß unverfolgt in Feld- und Waldgehegen Auf grüner Weide er die Ruhe fände. 2. Der Messias. Ein altes Lied klingt schmeichelnd mir in'S Ohr: Der Weltenheiland geht aus dir hervor! Ein Schöpfer der ersehnten bessren Zeit, Die alle Welt von Schmach und Druck befreit. Der Friede herrschet, wo er geht und steht. Es blüht gar schön, was seine Hand gesä't. Das Lamm ruht sicher bei dem Wolfe aus, Sie wohnen ftiedlich in demselben Haus. Kein thränenfeuchtes Aug' ist mehr zu seh'n. Die Freude herrscht in Thälern und auf Höh'u. Der Volksbefreier glaubensgroße Schaar Nennt Keinen, der gleich jenem wunderbar. O käm' er endlich wie der Thau der Nacht, Der Morgens da, indem die Welt erwacht. *) Aus den im Verlag von Hoff in Mannheim nächstens erscheinenden: „Westöstliche Schwalben", von Ludw. Wihl. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.