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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-06-06 · Heft 23 (6.6.1847) · page 5

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 23 (6.6.1847)
Date
1847-06-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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181 der Judenheit am Staatsleben mit so vieler Salbung gesprochen. Ich bin überzeugt, wie ich es in meinem Votum ausgesprochen, daß beide mit einander in innerster Wechselbeziehung stehen, daß nur, wenn man die Sabbathfeier verlegen dürfe, eine Betheiligung am Staate religiös möglich sei. Darf man sie, „und wenn das Leben noch so sehr drängt", nicht verlegen, und zwar deshalb, weil das Judenthum dadurch auf eine Nadelspitze gestellt oder am Freitagabend zu Grabe getragen werde, daß es am Sonntagmorgen als eine andere Religion auferstehe, nun, so darf sich die Judenheit ganz oder theilweise am Staate nicht betheiligen, sie darf dem Staatsleben mit dem Sabbath nicht das Judenthum aufopfern. Nur in dem Ausflusse der Idee, daß die Sabbathfeier als Cultus nicht durchaus an einen bestimmten Tag gebunden sei, liegt es, daß weder der Sabbath noch das Judenthum dem Staate geopfert werde, daß zwischen beiden gar keine Collision stattfinde, daß die Judenheit um der Betheiligung am Staate willen, die Sabbathfeier verlegen dürfe, und daß solange die Gesammtheit cs nicht thue, die Einzelnen, wenn sie einen Staatsdienst zu übernehmen sich berufen fühlen, cs für sich allein thun dürfen und thun müssen. Nur in dieser Idee liegt das Heil, die Rettung des Judenthums in der neuern Welt. An Salomon's schönem Votum, das recht viel Wahres und Gemüthliches, wenn auch wieder manches nicht klar genug Durchdachtes enthält, haben wir uns recht erquickt. Doch hat uns dessen Schluß minder gut gefallen, nicht etwa, weil es einen starken Widerspruch gegen uns, sondern gegen sich selbst enthält. Salomon will den Sabbath vielfach erleichtert, sogar ad l, alle nicht aufzuschiebenden Gewerbe erlaubt wissen, damit der Sabbath beim Volke nicht in den Hintergrund trete; giebt es einen größern Widerspruch als diesen? Welche Gewerbe wird das Volk noch zu den aufzuschiebenden zählen? Dem Volke das Gewerbe freigeben und dadurch den Sabbath ihm erhalten, das wäre ein Meisterstück! Salomon, der so gerne rabbinische Gleichnisse anwendet, hätte an jenes schöne Gleichniß denken sollen: ")Off rojft "IDKÄ $>0ö ru” -imi n»an Baba Batra 16. Und in der That ist es viel besser, das Faß zu zerbrechen und den Wein nicht auslaufen zu lassen, als die Gewerbe zu gestatten und den Sabbath zu retten. Dann fährt Salomon fort: „damit man sich nicht gezwungen sehen dürfte, den Gottestag des Sabbath auf den Sonntag zu verlegen." Wer sollte glauben, daß ein Salomon noch so fest und zähe an dem Buchstaben klebe, er, der seit 30 Jahren und darüber Strafpredigten an die Buchstäbler hält und die Auffassung der Schrift ihrem Geiste nach proklamirt! Als wenn nur der Sabbath Gottestag und der Sonntag nicht auch ein Gottestag wäre! „Da sei Gott für! Denn der Sabbath auf den Sonntag verlegen, das hieße mit dem Christenthum buhlen! Das hieße, das Judenthum zerstören wollen!" Ja, wenn Alles das wäre, was es heiße! So glaube ich in meiner Einfalt, daß ein Sabbath, an dem das Gewerbe erlaubt oder getrieben werde, den Namen Sabbath am allerwenigsten verdiene. Aber wenn Salomon so verschwenderisch im Austheilen von Namen, warum ist er so namenlos karg in Anführung von Beweisen, daß solchem Thun diese Namen von rechtswegen zukommen? Um Gründe, liebster Freund, um Beweise handelt es sich hier, nicht um schöne Redensarten; die mögen anderSwo an ihrem Platze fein, sehr gut sich ausnehmen, hier haben sie nichts zu bedeuten. Es ist mehr als einseitig, in der Verlegung nichts als ein Buhlen mit dem Christenthum zu sehen, und ein Salomon sollte dies am allerwenigsten thun. Es find noch keine 30 Jahre her, daß 40 Rabbiner in der Orgel Nichts als ein Buhlen mit dem Christenthum sahen, und S. scheint dies schon vergessen zu haben. Salomons Verdienste um die Entwickelung des Juventhums schmälern wollen, da fei Gott für! Aber es muß das Judenthum, auf der Stufe, wohin Salomon es gebracht, seine volle Kraft noch lange nicht entwickelt haben, wenn er selbst es durch die Verlegung des Sabbath zerstörbar glaubt. Armes Judenthum.' wie schwach mußt du fein, wenn ein fo kleiner Windstoß dein Lebenslicht auslöschen kann! —Wir, lieber Freund, wollen uns unfern Glauben an ein gesundes und kräftiges Judenthum nicht nehmen lassen, und in diesem Glauben wünsche ich Ihnen wohl zu leben! Ihr Hold he im. Geschichte -es Tages. Weimarsche Landtags - Verhandlungen. / (Frankfurt a. M. im Mai.) — Wir sind Ihnen für die Mittheilung der Verhandlungen des diesjährigen Weimarschen Landtags in Betreff der Judenfrage zu besonderem Danke ver. pflichtet; wir denken mit denselben ein eigenthümliches Experiment vornehmen, an denselben die Richtigkeit einer oft aufgestellten Behauptung. gewißermaßen einer Prognose zu erproben, von den ge. äußerten Ansichten nehmlich rückwärts auf v.e intcllectuelle unv politische Bildungsstufe der Abgeordneten, von welchen die Aeuße. rungen herrühren, zu schließen. Wir schicken voraus, daß wir uns nicht erinnern jemals ausführliche Verhandlungen dieser Landstänve gelesen, oder von den betreffenden Abgeordneten gehört zu haben,

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