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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-06-06 · Heft 23 (6.6.1847) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 23 (6.6.1847)
Date
1847-06-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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17§ und Haltlosigkeit, mit der er eigentlich im Judenthume steht, selbst verrathen, eine starke Blöße seines Glaubens, seines Vertrauens zu der innerlich lebendigen Kraft des Judenthums, seines oberflächlichen Standpunktes in demselben aufgedeckt. Das Judcnthum ist nur äußerlich an ihn herangctrcten und er kennt cs nur nach seiner äußerlichen Ausprägung, die tiefere Innerlichkeit desselben, die Idealität des Judenthume, die eine wcltbezwingcnde Gcistcsmacht in sich trägt, ist ihm ein verborgener Schatz, ein verschlossener Garten geblieben. Ohne das Dundeszeichen am Fleische, ohne sabbathlichen Gottesdienst am siebenten Tage der Woche, vielleicht auch ohne ein Weib aus jüdisch geheiligtem Gcblütc ist für ihn wie für so viele Andere, die mit ihm die äußerliche Ausprägung des Judcnthums mit dessen innerlichem Glaubensinhalte verwechseln, ein Judenthum rn der Erscheinung ungcdenkbar. Aber ich kann mir wohl das Judcnthum ohne Beschneidung, ohne sabbathlichen Gottesdienst am Sonnabende und auch mit gemischten Ehen wohl denken, ich raun mir wohl einen unbcschnittenen Juden denken, der am Sonntag den einzigen Gott des Judcnthums im Tempel anbetet, während sein nichtjüdischcs Weib ihr christliches Glaubensbekcnntniß in der Kirche ablcgt. Ich stelle das Judcnthum, dess.n innere Lebenskraft und Wahrheit, durchaus nicht auf die Nadelspitze irgend einer Ceremonie, irgend einer Cultusform, wenn nur der Cultns dem einzigen Gotte der Wahrheit gilt. Derjenige, welcher das Wesen des Judenthums an solche Cultusformcn festgebunven glaubt und seine Lebenscristenz davon abhängig macht, hat nach meiner vollen Ueberzeugung das Judcnthum in Wahrheit nicht begriffen und ich muß cs hier dem Bilde Steins gegenüber — er mag mir eö übel nehmen oder nicht, der Kampf gilt nicht seiner Person, sondern seiner Ansicht — offen bekennen, Dr. Falksohn in Königsberg mit seinem christlichen Weibe hat und besitzt nicht minder von dem wahren und ächten Judenthume als der Rabbiner der großen und weltberühmten Gemeinde zu Frankfurt am Main. Gegen die von Einhorn und mir geäußerten Bedenken über das Arbcitenlassen durch einen Nichtjudcn, als beruhe die talmudische Erleichterung auf der Regel, wonach ein Nichtjude nicht bevollmächtigt werden könne, wendet Hcrzfeld ein, es gehören die beiden Sätze naff mub iTVDN und pK nDJ1? nicht zusammen, sie seien verbotene Vermischung O’Nt’D» Ursprünglich könne der Satz von der Nichtbevollmächtigungssähigkcit eines Nichtjnren blos für Dinge ausgesprochen sein, die eine religiöse Absicht nöthig hatten, wie z. B. Hebe, die spätere allgemeinere Anwendung desselben sei Mißbrauch. Ja, wenn wir nur immer wissen könnten, was ursprüngliches Gesetz und was späterer Mißbrauch sei! Wenigstens findet sich dieser Mißbrauch schon im Talmud und die Unterscheidung Herzfelds findet sich gleichfalls im Talmud Beba Mczia 71 d von Rab Aschi gemacht und von der recipirten Halacha als willkührliche Erfindung verworfen: Die Regel der Bevollmächtigung überhaupt leitet der Talmud von der bei der Hebe angedcuteten ab, daher auch nur in der Einschränkung auf einen Juden, wie sie dort sich findet, Kid lisch in 41 b. Abgesehen hiervon und mag Herzfeld das N2!7 m’2N im talmudischen Sinne erklären, wie er will, so hat er das Wesentliche unseres Einwurfs übersehen, daß wir für Alles, was wir zu thun veranlassen, verantwortlich seien, wie hierüber bereits oben des Röthigen erörtert worden. Nicht vermöge jener talmudischen Fiction, daß der Nichtjnde für sich, seines Lohnes wegen arbeitet, wollen wir, sagt H. das Arbeiten durch Nichtjuden gestatten, sondern ehrlich und offen, weil geschrieben steht OHD \“P. Wenn wir aber offen und ehrlich in diesem Bibelwort jene Gestattung nicht angedeutet finden, wie dann? Da Hcrzfeld damit nur eine Beruhigung für das Gewissen des Betheiligten, dem die Arbeit nöthig ist, erzielt wissen will, so thäte er besser, wenn er offen und ehrlich gestände: ob das Bibelwort die Arbeit durch Nichtjuden gestatte, weiß ich nicht, deß bin ich aber gewiß, daß der ganze Geist der Bibel, der ein ächt humaner ist, es nicht verbiete. Wird aber nicht der Buchstabe, sondern der Geist befragt, dann muß man offen und ehrlich eingestehen, daß in solchen Fällen dringender Noth das Selbstarbeiten nicht verboten sei. Wir müssen also Herzfelds Schlußerklärung S. 107 umkchrcn: „Erklären wir aber, daß, wer cs nöthig hat, selbst arbeiten dürfe; nicht der Buchstabe der Bibel, aber ihr Geist gestattet cs ihm in diesem Falle." Ad 2) will Hcrzfeld das Fahren, Reiten, überhaupt Reisen, j um dem Gottesdienst bcizuwohnen, am Sabbath erlaubt j wissen. Da sehcn wir's nun, wie der moderne Sabbathkultus > über den nicht aufgcgebenen biblischen Cultus durch Ruhe I allmählig die Oberhand zu gewinnen strebt; was das für ein j gefährlich Ding sei, die zwei Faktoren des Sabbath als gleichberechtigte zu coordiniren, wie aus solcher illusorischen Coordination alsbald eine Subordination der Bibel unter die! nach Suprematie und Alleinherrschaft ringende gcschichtliche Entwickelung werden wird! College Kahn ist ta et fest gegen! jedes ketzerische moderne Gelüste und thut wohl daran, keinen Fußbreit seines biblisch-talmudischen Terrains der neuern Bildung abzutretrn. College Kahn, sagt H., meint zwar (!) die Sabbathruhe sei so wesentlich, wie der Gottesdienst; allein die-

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