Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1847)
- Date
- 1847-06-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Zfraelit neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntnift und Reform des ifraelitifchen Lebens. Redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 3 *f. Anzeigen für die gespaltene Zeile 6 a/t Nr. SS_Sonntag den « Juni 1847. Tin, Jahrgang Ueberblick Haupt-Artikel: Offener Brief über die dritte Rabbinerverfammlung. (Schluß.) — Geschichte VeS TageS: Frankfurt a. M: Weimarfche Landtags - Verhandlungen. — Offenbach: die vierte Rabbiner-Versammlung. — Gedichte. Offener Brief über die dritte Rabbiner-Dersammlung. Von vr. Holdheim. IV. (Schluß.) Stände eS so um das Judenthum, stände seine ganze Kraft in der That nur auf der Nadelspitze eines bestimmten Feiertages; müßte es des blassen Todes dahinsterben, sobald derSabbathgottesdienst am Sonntag gehalten würde, wäre die Nichtfeier des sabbathlichen Gottesdienstes am Sonntage — denn daß es die Nichtfeter des sabbathlichen Gottesdienstes am Sonnabende nicht sei, hat die Erfahrung längst bestätigt — noch das einzige und letzte Bollwerk, womit das Judenthum gegen die Uebermacht des Christenthums sich vertheidige, wahrlich, es verlohnte sich nicht der Mühe, mit so vielem Kraftaufwand dafür zu kämpfen; wahrlich, es wäre besser, es eher heute denn morgen von sich abzuthun; aller Kampf und alle Anstrengung für seine Erhaltung müßten am Ende doch vergebens und erfolglos sein, und man thäte besser, es als einen lebensmüden in letzten Zügen liegenden, für sich selbst hoffnungslos dahinsterbenden Greis ruhig verscheiden zu lassen und sich der unbezwinglichen Macht seines in kräftiger Lebensfülle emporstrebenden erstgebornen Sohnes hinzugeben. Aber eS steht Gottlob besser ums Judenthum, seine Lebenskraft ruhet wahrlich nicht auf der Nadelspitze eines bestimmten Feiertages; mag der sabbathliche Gottesdienst am Sonntag abgehalten werden, es wird darum sein inneres Leben nicht so wohlfeilen Kaufes dahin geben, wahrlich nicht sich so poetisch geschmeidig und willig und gefügig zeigen, um sich von unserem Stein am Freitagabend in ein Leichentuch einwickeln und am Sonntagmorgen einen Leichenstein setzen zu lassen. Steins Bild von Tod und Auferstehung mag frommen christlichen Seelen sehr poetisch klingen, der in vernünftiger Prosa denkende und denkgläubige Jude, für den außer dem sabbathlichen Gottesdienst am Sonnabend das vernunftgemäße Bekenntniß des Judenthums welches so viele Geisteskämpfe ihm erspart, die Geistesfreiheit ihm bewahrt, auch etwas zählt, wird sich wahrlich sein Judenthum nicht so leicht nehmen lassen, wird auch am sabbathlichen Gottesdienst am Sonntage den innern, nie und nimmer auszugleichenven Unterschied zwischen dem Wesen und Kern des Judenthums und Christenthums wahrzunehmen Gelegenheit und Veranlassung finden. Durch dieses Bild hat Stein seine Schwäche