Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1847)
- Date
- 1847-05-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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173 Man wird fich zu erinnern wissen, daß Frankel in der 2. R.-B. bei der Debatte über die hebräische Sprache einen ähnlichen Gesichtspunkt urgirt und die Beibehaltung der hebräischen Sprache als eine die Erhaltung des Judenthums bedingende Voraussetzung hinstellte. Ich erinnere zugleich an das, was Geiger damals (S. Prot, der 2. R.-V. S. 33) mit großer Entrüstung auf diesen Winkelzug erwiderte. Gleich;ihm und mit noch größerer Entschiedenheit müssen wir in Bezug auf die Verlegung des Sabbath den bildlichen Aeußerungen Herzfelds und Steins gegenüber auf das Feierlichste erklären, daß ich es für die tiefste Verletzung des Judenthums, für die ärgste Verkennung der Kraft seiner innern Lebenswahrheit halten müsse, wenn man das Judenthum auf der Krücke eines bestimmten Feiertags einhcrgehend denke, wenn man feine Existenz gefährdet und sogar auf die Spitze einer Nadel gestellt glaube durch den Wechsel eines Tages, an vem Gott verehrt werde, wenn man diesen bestimmten Tag für die einzige Waffe halte, welche das Judenthum gegen die Uebermacht des Christenthums schütze, wenn man die Kraft seines Lebens versiegt und unwiderstehlich vom Christenthum besiegt glaube, sobald es an einem und demselben Tage mit diesem den Sabbath feiere. Gegen solche Mißkennung der Kraft der Wahrheiten des Judenthums, gegen solches verzagtes Mißtrauen zu der Wahrheit, welche das Judenthum Jahrtausende getragen, muß ich auf das Entschiedenste protestircn. Es wird dadurch zugleich behauptet, das Judenthum verdanke feine Existenz nur noch dem zufc^ daß die Christen den Sabbath auf den Son^ und daß die Christenheit, um die gesammt^ selyten zu machen, weiter nichts zu thun br» tagsfcier auf den jüd. Sabbath zurück zu ven dies geschehe, die Erhaltung des Judcnthums eukl legung unter den Juden gebieterisch fordern würde. Mag Stein mit solchen poetisch - gemiithlich sein sollenden im Grunde aber nichtssagenden Bildern alten Weibern und verzagten Gemüthern bange machen. Männern, die ein Bewußtsein von demWerthe und der Bedeutung des Judcnthums im Herzen tragen, wird er mit solchen abgeschmackten Phrasen nicht imponircn. Ich kann Stein wegen dieser selbstverrätherischen Schwäche nur herzlich bedauern, wenn er die Ohnmacht des Judenthums gegenüber der Macht des Christenthums so lebendig in sich fühlt, daß er von dem Wechsel eines Feiertags zugleich einen Wechsel der Glaubensprincipicn bei der Judenheit und den Untergang des Judenthums in den offenen Schlund des Christenthums fürchtet, wenn seine Seele von der Angst gefoltert wird, es werde mit der Einführung eines sabbathlichen Gottesdienstes am < das Judenthum feine Pulse stocken sehen, feine Lebensgeister aufgeben müssen. (Schluß folgt.) Geschichte des Tages. Jüdische Zustände. (Schluß.) / (Frankfurt a. M. im April.) — Erwarten Sie nicht, daß wir Ihnen über die Rechtsverhältnisse der hiesigen israelitischen Bürgerschaft Mittheilung machen, und wären wir stark im Jus wie Herr Frankel in Dresden, gar wie fein Recensent im Literaturblatte des Orients, Herr Fasset in Prosnitz, wir vermöchten es nicht vor langerWeile; aus gleichem Grunde sind wir auch nicht im Stande über die Verfassung und Verwaltung der Gemeinde etwas mitzutheilen, vielmehr begnügen wir uns auf Jost *) zu verweisen, der deren neuere Geschichte ziemlich genau wiedergiebt, und dabei die Verhältnisse und Einrichtungen ausführlich bespricht, von letzten jedoch diejenigen unerwähnt läßt, welche sie besonders auszeichncn, die manigfachen Vereine zu wohlthätigen Zwecken. Wofür nehmlich in andren großen Gemeinden durch Schenkungen und Stiftungen Einzelner gesorgt zu sein pflegt, das wird hier durch Vereine und freiwillige Beiträge beschafft; für Krankenpflege, für Versorgung des mittellosen Alters; für Beförderung der Handwerke, für Aussteuerung armer Mädchen, für Holzvertheilung an Bedürftige rc. existiren solche Vereine, welche durchgängig unentgeldlich und musterhaft verwaltet werden, und es von kleinen Anfängen zu mitunter ansehnlichem Vermögen gebracht haben. Bekannt ist, daß die dahin gehörenden Kranken-Anstalten der Freigebigkeit der Familie von Rothschild ein prachtvolles, entsprechend eingerichtetes Gebäude und eine jährliche Rente von 3000 Franken verdanken. Die Gemeindeglieder pflegen überhaupt in ihren Testamenten die eine und andere dieser Anstalten, zuweilen alle, mit größrcn und kleinern Summen zu bedenken; auch von unsren christlichen Mitbürgern kommen ihnen zuweilen Geschenke und Legate zu, wiewohl in keinem Verhältnisse zu den vielen und ansehnlichen, welche den hiesigen christlichen milden Stiftungen von jüdischen Glaubensgenossen zugehn. ES zeigt für den hier vorwaltenden praktischen sowohl als Wohlthätigkeits-Sinn, daß man es verbucht und gewöhnlich möglich findet, jedem sich fühlbar machenden allgemeinen Bedürfnisse auf solche Weise zu Hülfe zu kommen. Die mitunter sehr bc- *) Neuere Geschichte der Israeliten, Abth. 1, S. 23—103.