Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1847)
- Date
- 1847-05-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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190 dem Geiste Vorhalten." Ist damit etwas Anders gesagt, als daß die Sabbathruhe gleichwohl Symbol sei? Aber welchen Gedanken soll sie spmbolisirrn? Den der Schöpfung aus Nichts, finde er nicht angedeutet; den, daß Gort Schöpfer ist? es werde Ervd. 31, 17 auf den Umstand, vaß Gott in sechs Tagen die Welt geschaffen habe, der Hauptton gelegt. Also nur den Gedanken, welcher in der allegorischen oder mythischen Erzählung von dem sechs - Tag?-Werke besonders anschaulich gemacht werden ist, soll die Sabbathruhe spmbollfiren, od»r wie H. lieber sich ausdrückt, die. sen religiösen Gedanken schließe die Sabbathruhe wie eine Hierog'yphe in fich und halte ihn dem Geiste vor. Und wie nennt fich endlich d.cscr religiöse Gedanke: „Ein Gott habe Alles ge« schaffen und herrsche alle Tage und Zeiten." Gut; wir wollen hierüber mit H. nicht rechten, da er im Re. sultate mit der bisherigen Anschauung der füd. Religionsphilosophie ubereinstimmt, daß mit der Sabbath-Institution hauptsächlich den irrigen Vorstellungen des Heircnthums entgegcngetrcten werden sollte, wie er dies als Ergebniß seiner entwickelten Anficht noch näher ausdrückt: „So war das Ruhen am Sabbath auch zum Träger einer religiösen und zwar der höchsten religiösen Idee, der des Monotheismus." Daß außer der Ruhe noch eine besondere Feier oder Weihe nöthig gewesen wäre, nimmt H. entschieden in Abrede und weist ganz richtig die Ausbildung einer Sabbathseier durch Gottesdienst der spätern Entwickelung tcS nacherilitischen Iudenthums zu. Sehen wir, wie Hrrzfcld auf der Grundlage, in welcher er mit unserer Ansicht ganz übereinstimmt, seine Ansichten über die Lommissionsanträge, entwickelt. Ad 1, bemerkt er, daß die beiden Faktoren des Sabbath Ruhe und Gottesdienst zu coordinircn seien, nicht aber wie der K..B. jene diesem untercrdne. Wir haben hier also zwei Fak« t-ren, die beide respectirr werden müssen, erstens die biblische Sabbathruhe und zweitens die erst nach dem Exil fich hervorgc. arbeitet habende Institution eines sabbathlichen Gottesdienstes im spätern S.nnc. „Aber wenn sie auch spätern Ursprungs ist," sagt Hcrzfcld, „diese Schöpfung der Männer der Synagoge, sie ver. tritt das nackte Bekenntniß des Monotheismus, sie ist seine Entwickelung, sein Ausbau, sie ist vollkommen berechtigt; D’jnnx DN1 N1H ’JN „auch bei den Spätern bin ich," sagt Zesaias im Na. men Gottes." Daß die spätere Institution eines sabbathlichen Gottesdienstes gegenüber rer biblischen Sabbathweihe durch Ruhe an sich vollkommen berechtigt, wie auch, daß jene neben dieser vollkommen gleichberechtigt sei, darin stimmen wir mit Herz, feld vollkommen überein, daß aber die biblische Sabbathseier durch Ruhe gegenüber der spätern Institution eines sabb..thlichcn Gottesdienstes überhaupt noch berechtigt oder neben dieser gleichbe« rechtigt sei, müssen wir entschieden in Abrede nehmen. Herzseld hat ganz außer Acht gelassen, was wir in unserem Votum so deutlich und scharf.hcrvorhoben, daß die biblische Sabbathseier durch Ruhe mit der spätern Entwickelung der Sabbathseier durch religiöse Erhebung nicht in dem Verhältniß der Entwickelung zu einander stehen, sondern im Widerspruche mit einander sich befinden und daher unmöglich beide an einer und derselben Wurzel hängen, unmöglich als gleichberechtigte neben einander einher gehen können. Die Sabbathseier durch Gottesdienst und religiöse Er- Hebung im spätern Sinne, welche nach Herzfelv das nackte Be. kenntniß des Monotheismus in alter Zeit vertreten soll, ist kcinesweges, wie er annimmt, seine Entwicklung, sein Ausbau, sondern das Produkt einer ganz veränderten ReligionSansch au un g, die zwar in ihrer tieferen Bedeutung nicht erkannt worden, aber doch nicht minder als eine solche von uns erkannt werden muß, und kann daher daS nackte Bekenntniß des Monotheismus in alter Zeit, wie H. es nennt, oder die Sabbathfeier durch Ruhe in ihrer symbolischen Bedeutung neben ver Sab« bathfeier durch Gottesdienst, wenn lene durch diese anders vertreten werden soll, unmöglich mit dieser gleichberechtigt sein. Den Grund, weßhalb die biblische Sabbathseier durch Ruhe mit der später geschichtlich entwickelten Sabbathseier durch Gottesdienst als auf verschiedenen religiösen Grundlagen beruhend und aus ganz verschiedenen religiösen Gesichtspunkten oder verschiedenen Auffassungsweisen des Cultuswesens überhaupt hervorgehend, mit einander im Widerspruche seien; daß aus demselben Grunde, warum in der Bibel neben der Sabbathruhe ein anderer Cultus im spä. lern Sinne^liGergehend nicht gevacht werden könne, auch neben dem modernen sabbathlichen CultuS durch religiöse Erhebung die biblische Sabbathruhe einhergehend ungedrnkbar sei, haben wir bereits in unserem Votum und in diesen Briefen vielfach erörtert. Uno in der That muß ich mich wundern, wie Herzfeld, nachdem er die Bibel richtig interpretirt, der sabbathlichen Cultusi m spätem Sinne als ein Produkt späterer Entwickelung anerkannt, es übersehen konnte, daß neben dem neuern sabbathlichen Cultus der alte durch Ruhe eben so wenig Bestand haben könne und dürfe als neben dem neuen Gebetcultus der alte Opferritus Bestand hat oder haben kann. Der sabbathliche Gottesdienst, sagt er, sei die Entwickelung, der Ausbau der Sabbathruhe; nun, der Gebetcultus ist nicht minder Entwickelung, Ausbau des Opfercultus; soll letzterer darum dem ersteren ewig coorvinirt sein und bleiben, sollen sie beide als die zwei Faktoren des Cultus überhaupt angesehen werden müssen? Wann wird man sich endlich dazu verstehen, mit den gebrauchten Worten Begriffe zu verbinden.