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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-05-23 · Heft 21 (23.5.1847) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 21 (23.5.1847)
Date
1847-05-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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L«7 Holdheim nicht mehr an seinem Platz. Zn der Höhe seiner wissenschastlichen Erkenntniß vermag er die schmalen und verschlungenen Pfade, auf welchen eine solche Gemeinde in Siebenmeilenstiefeln ihm nachkriecht, nicht mehr zu erkennen und es war zu fürchten, daß er eine leuchtende Feuersäule am Himmel des Judenthums immer weiter und höher steigen würde; seine Gemeinden aber in den ungewohnten Luftkreis sich nicht wagen werden. Einhorn hingegen scheint uns der Mann, der jenen Errungenschaften Holdheims in der Theorie, allmälig auf praktischem Boden Geltung verschaffen kann. Seine wissenschaftliche Besonnenheit, möcht ich sagen, macht ihn fähig, den langsamen und zähen Entwickelungsgang unserer Gemeinden zu bewachen, das mühsame Geschäft des ewigen Probirens zu üben; sein offenes und gerades Wesen wird ihm das Vertrauen und die Liebe schnell erringen und sein Wirken wird gleich dem Holdheims vom vollsten Segen begleitet sein. Das eifrige Bemühen des Letzter«, einem Manne von bewährter Gesinnung die Leitung der durch ihn herangebildeten Gemeinden anzuvertraucn, zeugt von dem edlen und redlichen Streben derselben und ist am besten geeignet, die Vcrläumdungen seiner frommen Feinde zu Schanden zu machen. Wir glauben behaupten zu dürfen, Holdheim würde dem Rufe nach Berlin nicht gefolgt sein, wenn er nicht im Stande gewesen wäre, durch seinen Einfluß einen Mann seiner Gesinnung sich zum Nachfolger zu creiren; er hätte es nicht vermocht, das schöne Gebilde seines Geistes den plumpen Händen eines Stümpers zu übergeben und den schönen Sieg, den er in kurzer Zeit dem Judenthum errungen, vernichten zu lassen. — Ihr Hirschfelde und Frenzdorfe, und, wie ihr gottesfürchtigen Seelen sonst heißen möget, nehmt an dem jüdischen Eisenmenger — wie ihr ihn zu nennen beliebt — Euch ein Ercmpel! — Auch aus unserem Schlesien habe ich die wichtige Besetzung einer fast antediluvianischcn Vacanz zu melden. Die kleine aber wohlhabende Gemeinde zu Oppeln, auf deren Kanzel alle in- und ausländischen, frommen und gottlosen Candidaten ihr Organ erprobt, hat nun endlich plötzlich, wie über Nacht einen Rabbiner erwählt in der Person des Candidaten Salomon Cohn, der hier in Breslau seine Studien beendet hat. Eine wunderbare Geschichte der Vorwelt hat sich hier erneut: Minerva ist plötzlich aus dem Haupte Jupiters entsprungen! Cohn, der sich um die Stelle nicht beworben, den man in Oppeln nicht gekannt, hat bei seiner zufälligen Anwesenheit gepredigt, als Candidat, der in diesem Semester erst seine Examina macht, die Kanzel bestiegen, und hat als designirter und wohlbestallter Rabbiner sic verlassen. Wir freuen uns aufrichtig über diese Wahl, schon um des Prinzipes willen, daß in Obcrschlesien, dem angeblichen Sitze der Orthodoxie, ein junger Mann, der Studien gemacht, reüssirt hat; dann aber ist der Gewählte ein fleißiger, strebsamer Mensch, von vieler Energie und gutem Willen, besitzt ein vortreffliches Organ, daö ihn mit der Zeit zum tüchtigen Kanzelmann heranbilvcn kann und ist offen und bieder genug, um selbstständig und ohne Winkelzüge für sein materielles Interesse, wirken zu können. W:r wünschen nur, daß die Gemeinde, der es wie dem seligen Chausek mit der Erbsensuppe ergangen, nur mit dem Unterschiede, daß ihre Suppe endlich gar geworden, wir wünschen, daß sie dem jungen Geistlichen mit vollem Vertrauen nahen und den Einflüssen Einzelner sich entziehen möge, die in rer Anstellung eines Rabbinen eine Schmälerung ihrer Wedeluns Schnoper-Freiheit und eine Beeinträchtigung ihrer Geltung und Revenuen erblicken. Herr Cohn aber, dem dies selrene Glück vor vielen seiner Collegen zu Thcil geworden, nach kaum beendeten Studien einen reichen und lohnenden Wirkungskreis erlangen, möge seine eigene und der Gemeinde geistige Förderung stets vor Augen haben, und feine jugendlichen Kräfte dem Wohle des Juden» thums weihen. Die Raumersche Rede. (Von der Saale, im Mai.) — In Ermangelung interessanter Tagesbegebenheiten wollen Sie mir heute eine kurze Gedankenlese gestatten. Ich zweifle zwar nicht, daß Ihnen und Manchem Ihrer Leser dieselben schon bekannt sein werden, aber gewiß Vielen derselben auch nicht und diesen darf ich mir einen angenehmen Dienst zu erweisen schmeicheln. Es giebt nämlich gewisse Gegenstände, die bei spezieller Behandlung, einer einseiti- Auffassung ausgesetzt sind, und die daher in ein helleres Licht treten, wenn sie mit dem Lichte des abstrakten Urtheiles beleuchtet werden. Es ist für unsere speciclle Angelegenheit ein hoher Gewinn, wenn die Hauptsätze auf die wir uns besonders stützen, in andern Sphären recht nachdrücklich ausgesprochen werden. In dieser Hinsicht enthalten 2 Brochüren, die bereits viel Aufsehen machten, für uns höchst interessante Gedanken, die cs in mehr als einer Hinsicht verdienen, daß die jüdische Journalistik Notiz davon nehme und sie so zu sagen einregistrire. Die erste ist die vielbesprochene Rede zur Gedächtniöfcier König Friedrichs II, von Friedrich von Raumer. Sehr wahr sagt dieser scharf- und freisinnige Gelehrte: „Sobald sich ein Volk aus dumpfem Hinleben, aus knechtischer Unterwürfigkeit zu persönlicher Selbstständigkeit erhebt, sobald es denkt, fühlt und handelt, müssen nothwendig verschiedene Ergebnisse des Denkens, Fuhlens und Handelns auch auf religiösem

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